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| 17:28 Uhr

Leichtathletik
Doppelt Silber für Antje Möldner-Schmidt

Antje Möldner-Schmidt (l.) mit ihrer Trainerin Beate Conrad, die seit 17 Jahren zusammenarbeiten. Stolz präsentiert sie die  Silbermedaille des EM-Laufs 2012 in Helsinki.
Antje Möldner-Schmidt (l.) mit ihrer Trainerin Beate Conrad, die seit 17 Jahren zusammenarbeiten. Stolz präsentiert sie die  Silbermedaille des EM-Laufs 2012 in Helsinki. FOTO: Facebook
Cottbus. Die Deutsche Vizemeisterin über die 3000 Meter-Hindernis bekommt in Nürnberg auch die EM-Medaille aus dem Jahr 2012. Von Sven Hering

Es war ein Novum, der Beginn einer neuen Zeitrechnung, damals im Olympiastadion von Helsinki. Für die deutsche Leichtathletik, aber vor allem auch für sie selbst. Antje Möldner-Schmidt, nach einer schweren Lymphdrüsenerkrankung wieder zurück auf der Tartanbahn, holte sich bei den Europameisterschaften 2012 über die 3000 Meter Hindernisdistanz Bronze. Noch nie hatte zuvor eine deutsche Hindernisläuferin bei einer internationalen Meisterschaft auf dem Treppchen gestanden. Die gebürtige Potsdamerin, die seit 2012 für den LC Cottbus startet, setzte damit ein Zeichen: Ich bin wieder da.

Am vergangenen Wochenende wurden bei ihr wieder die Erinnerungen wach. An den Lauf von Helsinki, aber auch an die damalige Siegerehrung. In Nürnberg bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften bekam die Cottbuserin die Silbermedaille der EM überreicht. Nachträglich. Die damals Zweitplatzierte Ukrainerin Switlana Shmidt wurde inzwischen wegen Unregelmäßigkeiten in ihrem biologischen Pass für vier Jahre gesperrt und jedes Ergebnis der Läuferin seit 2012 gelöscht.

„Es war natürlich ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagt Antje Möldner-Schmidt. „Zum Glück stand ich ja damals trotzdem schon auf dem Treppchen und konnte dieses Erlebnis genießen.“ Silber statt Bronze – das ist jetzt allerdings nicht viel mehr als etwas für die Statistik. Deshalb stellt auch die 34-Jährige fest: „Ich kann mir dafür nichts kaufen.“ Vor ein paar Jahren wäre das noch anders gewesen.

Silber- statt Bronzemedaillengewinnerin – das hätte sich bei Leichtathletik-Meetings durchaus in der Antrittsgage bemerkbar gemacht, möglicherweise auch bei Werbeverträgen. Und so erklärt Uli Hobeck, Vize-Präsident beim Leichtathletikclub in Cottbus und einer der maßgeblichen Förderer der Vorzeigesportlerin: „Sie ist um den Lohn ihrer Arbeit betrogen worden.“

Doch für die Cottbuser Leichtathletin geht es vor allem um den Sport. Und dort hat sie am Wochenende in Nürnberg mit dem Vizemeistertitel bewiesen, dass mit ihr noch zu rechnen ist. Auch wenn Siegerin Gesa Felicitas Krause am Sonntag klar das Rennen bestimmte und in Saisonbestleistung von 9:34,58 Minuten ungefährdet vor Antje Möldner-Schmidt (9:45,82) den Sieg holte. „Es lief nach dem Trainingslager noch nicht so ganz rund, aber ich bin nicht unzufrieden“, so die Cottbuserin am Montag.

„Es war schön, dass sie den zweiten Platz abgesichert hat – das ist vor allem mental sehr wichtig“, bilanziert Uli Hobeck nach dem Finalrennen in Nürnberg. Und auch der Cottbuser Leichtathletik-Nachwuchs würdigt die Leistung der Vorzeigeathletin des Vereins. „Ich freue mich, dass Antje Möldner-Schmidt dieses Jahr so stark zurückgekommen ist und wünsche ihr das Beste für Berlin“, meint 800-Meter-Läufer Constantin Schulz, der wegen Krankheit und Muskelfaserriss nicht optimal trainieren konnte und deshalb mit seinem siebten Platz im Finale von Nürnberg ganz gut leben konnte. „Auch wenn ich mich selbst eher so auf Platz vier oder fünf gesehen habe, aber dafür hat es am Ende leider nicht gereicht“, erklärt der 20-Jährige, der nach 1:49,53 das Ziel erreichte, im nächsten Jahr unter 1:47,5 min. bleiben möchte.

Das große Ziel für Antje Möldner-Schmidt in diesem Jahr liegt quasi vor ihrer Haustür. Es ist nur noch ein paar Tage entfernt. Bei den Europameisterschaften in Berlin in August will die Hindernisläuferin auf jeden Fall ins Finale kommen. „Was dann passiert, werden wir sehen“, sagt sie. „Dann ist alles möglich.“

Antje Möldner-Schmidt bei ihrem EM-Lauf 2012 in Helsinki.
Antje Möldner-Schmidt bei ihrem EM-Lauf 2012 in Helsinki. FOTO: picture alliance / dpa / Bernd Thissen