| 02:39 Uhr

Doping-Studie: Erschreckende Zahlen aus dem Spitzensport

Frankfurt/Main. Nach langem Streit haben Wissenschaftler aus Tübingen und Harvard eine Doping-Studie veröffentlicht. Die Zahlen sind erschreckend.

(dpa/jal) Im Spitzensport wird wesentlich mehr gedopt, als durch Doping-Kontrollen nachgewiesen wird. Mindestens 30 Prozent der Starter der Leichtathletik-WM 2011 und 45 Prozent der Sportler bei den Pan-Arabischen-Spielen 2011 gaben bei einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Universität Tübingen und der Harvard Medical School an, Dopingmittel genommen zu haben. Mit zeitgleich durchgeführten biologischen Testverfahren wurde nur ein Bruchteil der Dopingfälle erkannt: 0,5 Prozent der Tests bei der WM in Daegu waren positiv. Bei den Pan-Arabischen-Spielen in Doha waren es 3,6 Prozent.

Die Studie hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur in Auftrag gegeben. Allerdings verweigerten die Wada und der Leichtathletik-Weltverband IAAF jahrelang die Zustimmung für eine Veröffentlichung. Bereits 2015 waren schon Einzelheiten in den USA und im Zusammenhang mit dem systematischen Doping in Russland bekannt geworden. Bis 2015 war Lamine Diack Präsident der IAAF. Die französische Justiz ermittelt gegen den Senegalesen unter anderem wegen mutmaßlicher Vertuschung von Doping gegen Geld im Amt.

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie wurden nun in der Zeitschrift "Sports Medicine" veröffentlicht. Die Wissenschaftler hatten bei der Leichtathletik-WM und bei den Pan-Arabischen-Spielen 2167 Teilnehmer unter Wahrung der Anonymität befragt. Insgesamt starteten bei beiden Veranstaltungen 5187 Sportler. "Die Studie macht deutlich, dass durch biologische Tests von Blut- und Urinproben bei weitem nicht alle Dopingfälle aufgedeckt werden", erklärte Harrison Pope von der Harvard Medical School. "Wie in der Publikation beschrieben, liegt das vermutlich daran, dass die Athleten zahlreiche Wege gefunden zu haben, bei Tests nicht aufzufallen."

Wenig effizient seien die Tests unmittelbar vor und während eines Wettkampfes: Pro Jahr fielen davon durchschnittlich nur zu ein bis drei Prozent positiv aus. Dopingmittel seien zu diesem Zeitpunkt oft nicht mehr nachweisbar, weil sie lange vorher eingenommen würden. Eine höhere Aufklärungsquote mit etwa 14 Prozent biete der "Biologische Pass": Er dokumentiert medizinische Daten der Sportler.