| 02:38 Uhr

Doch noch ein deutscher Fußballsommer?

Die deutsche U21 steht nach dem Elfmeter-Sieg gegen England im EM-Finale. Heute Abend kämpft die A-Nationalelf ums nächste Endspiel.
Die deutsche U21 steht nach dem Elfmeter-Sieg gegen England im EM-Finale. Heute Abend kämpft die A-Nationalelf ums nächste Endspiel. FOTO: dpa
Sotschi. Für die Bundesliga-Clubs war 2017 international nichts drin – nicht mal ein Halbfinale. Dafür glänzen die beiden wichtigsten DFB-Teams. Klaus Bergmann und Sebastian Stiekel

Jetzt ist Joachim Löw mit seinen Confed-Cup-Boys am Zug. Nach dem dramatischen Finaleinzug der deutschen U21-Auswahl bei der EM in Polen könnte das ebenfalls mit vielen Talenten im Juniorenalter bestückte Perspektivteam des Bundestrainers beim Confed Cup in Russland dafür sorgen, dass der deutsche Fußball in diesem Sommer doch noch weltweit mit neuen Großtaten für sich wirbt. Jedenfalls hat der Bundestrainer vor dem Halbfinale am Donnerstag (20 Uhr/ARD) gegen Mexiko seinen Jungs um Kapitän Julian Draxler den Auftrag erteilt, den U21-Junioren nachzueifern. "Wir haben mitgefiebert und mitgejubelt", berichtete Löw am Mittwoch im WM-Stadion von Sotschi.

Der Juniorenerfolg gegen England soll noch ein Schuss Extra-Motivation für Joshua Kimmich (22), Leon Goretzka (22), Timo Werner (21) und Co. sein, die alle selbst noch in der U21 mitmachen dürften. "Unsere Spieler sind hungrig und heiß. Wir wollen ins Finale", sagte Löw. Und sein Bauchgefühl sage ihm, dass es für den DFB-Tross am Freitag aus Sotschi weiter zum Endspiel nach St. Petersburg geht und nicht nach Moskau, wo ebenfalls am Sonntag das undankbare Spiel um Platz drei beim Confed Cup ausgetragen wird.

"Was ist los heute?", scherzte der Bundestrainer, als er am Mittwoch mit einem strahlenden Lachen um die Mittagszeit den vollbesetzten Pressesaal im WM-Stadion betrat. Der umstrittene Confed Cup erregt weltweit doch höchstes Interesse. "Es ist keine EM oder WM, aber die Aufmerksamkeit ist groß. Die großen Ligen ruhen. Und es wäre schon etwas Besonderes, hier ins Finale einzuziehen und vielleicht etwas Besonderes zu schaffen", sagte Turnierneuling Lars Stindl.

Nach dem schwachen Abschneiden der Bundesligavereine um Flaggschiff Bayern München in den Europapokalwettbewerben, als in Champions League und Europa League spätestens im Viertelfinale Endstation war, könnten nun die DFB-Teams die Saisonbilanz aufpolieren. Die U21 kämpft gegen Spanien um den ersten EM-Titel seit 2009, als Neuer, Boateng, Hummels, Khedira, Özil und Co. triumphieren konnten. Und obwohl Löw ohne all diese Promi-Weltmeister zum WM-Testlauf nach Russland gereist ist, könnte es trotzdem zum erstmaligen Gewinn des Confed Cups reichen. "Mit der Basis in Deutschland können wir zufrieden sein", sagte der Bundestrainer.

Zuvor hatte ein Großteil des DFB-Teams vor dem Fernseher im Strandhotel am Schwarzen Meer der U21 beim Erfolg gegen England die Daumen gedrückt. 2:2, dann Verlängerung und Elfmeterschießen - das ist auch gegen Mexiko möglich. "Ganz so spannend brauchen wir es nicht zu machen", sagte Jonas Hector. "Aber wir würden den Finaleinzug gerne nachmachen", fügte der Kölner an.

Löw wird die Startelf erneut umbauen: Hector, Stindl, Leon Goretzka und Shkodran Mustafi dürften zurück ins Team rotieren. Womöglich muss Timo Werner trotz seiner zwei Tore gegen Kamerun wieder auf die Bank. Für Löw ist es das achte Halbfinale bei einem großen Turnier (zwei Siege, fünf Niederlagen). Auch wenn jedes WM- und EM-Semifinale sportlich wertvoller ist, betonte der Bundestrainer: "Ich freue mich ganz besonders, mit dieser Mannschaft im Halbfinale zu sein. Mit ihr konnte man es so nicht erwarten."

Zum Thema:
Als die deutschen U21-Fußballer vorm EM-Halbfinale an ihren Trainer herantraten, war Stefan Kuntz erst einmal überrascht. "Wenn die Jungs fragen, können wir einen Frisör kommen lassen, dann denkst du erstmal: Hast du einen Schuss?", berichtete der deutsche U21-Coach nach dem 4:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen England. Angesichts starker TV-Quoten sagte Kuntz mit einem Augenzwinkern. "Vielleicht haben alle was geahnt und wollten für diesen Tag bereit sein." Aus Sicht der Spieler war jedenfalls klar, dass der Frisörbesuch Glück gebracht hatte, berichtete Kuntz. "Ein Fazit lautete: Sehen Sie mal Trainer, ist doch gut, dass wir alle beim Frisör waren."