ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:46 Uhr

Motorsport
Motorsport-Duell vor der Haustür: Dino gegen Star Wars

Mit Mattias Ekström verabschiedete sich auf dem Hockenheimring eine DTM-Legende. Verabschiedet sich bald auch die ganze Rennserie?
Mit Mattias Ekström verabschiedete sich auf dem Hockenheimring eine DTM-Legende. Verabschiedet sich bald auch die ganze Rennserie? FOTO: Tim Upietz, Gruppe C / Hoch Zwei / Gruppe C / Hoch Zwei
Klettwitz. Die DTM startet auf dem Lausitzring unter besonderen Vorzeichen. Die Serie begeisterte zuletzt mit packendem Sport. Doch aus Berlin droht Gefahr. Das Rennen der Formel E am gleichen Wochenende ist eine Kampfansage. Von Jan Lehmann

Dinosaurier sind angesichts von 160 Millionen Jahren Existenz eigentlich ein Paradebeispiel für Langlebigkeit. Doch weil diese Spezies im darwinschen Evolutionsrennen irgendwo in der vorletzten Kurve rausgeflogen sein muss, hängt ihr der „Ausgestorben“-Makel an. Die Sportfreunde des Hamburger SV wissen, was damit gemeint ist.

Und dennoch sei der Vergleich gewagt: Das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) ist zumindest ein Dinosaurier im deutschen Motorsport. Früher hieß die Serie Deutsche Tourenwagen Meisterschaft, seit mehr als 30 Jahren fasziniert sie die Rennsport-Fans. Piloten wie Klaus Ludwig, Hans-Joachim Stuck, Bernd Schneider oder der gerade erst zurückgetretene Mattias Ekström prägten die Serie.

Am Wochenende kommt die DTM wieder an den Lausitzring – und das mit der Entschlossenheit eines Tyrannosaurus. So ein Rennen wie zuletzt in Hockenheim, als Timo Glock (BMW), Gary Paffett (Mercedes) und Mike Rockenfeller (Audi) großen Sport ablieferten, gab es schon lange nicht mehr. Sieger Glock erklärte danach: „Seit Jahren haben wir Fahrer uns dafür eingesetzt, dass die Autos weniger Abtrieb haben.“

Die Karossen wurden vor der Saison verändert, haben 30 Prozent weniger Abtrieb. Dadurch können die Piloten nicht mehr so gut die Spur halten, es entstehen Fehler – und die Rennen werden spannender. So wie in Hockenheim. Glock ärgert sich: „Das hätten wir viel eher haben können.“ Möglicherweise startet die DTM zu spät durch. Es steht zu befürchten, dass die Serie demnächst tatsächlich das Dinosaurier-Schicksal teilt – und ausstirbt. Die Konkurrenz wird immer gefährlicher und fährt am Samstag nur 112 Kilometer Luftlinie entfernt auf dem Tempelhofer Feld in Berlin: die Formel E.

Dass die Formelwagen mit Elektromotoren ausgerechnet am gleichen Wochenende starten, kann man als Kampfansage werten. Audi-Motorsportchef Dieter Gass sagte gegenüber „Speedweek“: „Alle Tribünenplätze sind seit Wochen ausverkauft. Das zeigt das überwältigende Interesse an der Formel E.“

Die Formel E rechnet in Berlin am Samstag mit großem Andrang, auch weil viele Fußballfans für das DFB-Pokalfinale in der Stadt sind.
Die Formel E rechnet in Berlin am Samstag mit großem Andrang, auch weil viele Fußballfans für das DFB-Pokalfinale in der Stadt sind. FOTO: Formel E / Zak Mauger

Die ARD überträgt live aus Berlin, bis zur vergangenen Saison war sie treuer Partner der DTM. Vom Lausitzring überträgt nun Sat1 – die DTM-Zukunft ist ungewiss. Der Ausstieg von Mercedes zum Ende dieser Saison ist beschlossen. Das ist – um in Dino-Modus zu bleiben – ein Meteoriteneinschlag für die DTM. Und Serien-Chef Gerhard Berger sucht bisher vergeblich einen Nachfolger.

Mercedes setzt derweil künftig voll auf die Formel E. Motorsportchef Toto Wolff erklärte im Interview mit „Welt“: „Die Philosophie von Mercedes ist, dass wir Werksmotorsport nur so machen, dass wir uns mit geballter Kraft auf einige wenige Plattformen konzentrieren. Und Fakt ist, dass sich die Marke verändert und sich auch zu alternativen Mobilitätskonzepten hin entwickelt.“

Die alten Werte der DTM, bei der es nach Öl riechen und vor allem schön laut sein soll, spielen  nicht mehr die ganz große Rolle.  Dabei gibt Wolff zu, dass ihm in der leisen Formel E der Motorensound fehlen wird: „Klar, mir schon, weil ich noch zu einer Generation zähle, in der man sich einen Sportauspuff aufs erste Auto montiert hat. Und wenn man mit 18 im Tunnel das Fenster runter macht, um den Sound des Auspuffs zu hören, zählt man vielleicht tatsächlich zu einer Generation der Dinosaurier.“

Da waren sie wieder, die Dinos. Könnten die nicht die Konkurrenz einfach an ihrem dicken Panzer abprallen lassen? DTM-Sprecher Guido Stalmann jedenfalls gibt sich unbeeindruckt und sagt: „Wir gehen davon aus, dass sich die Zuschauer­zahl auf dem Vorjahresniveau bewegt. Wir glauben nicht, dass das Formel-E-Rennen in Berlin Auswirkungen auf den Ticketabsatz der DTM hat, da es sich um sehr unterschiedliche Zielgruppen handelt.“

Die DTM-Fans mögen es vor allem laut, so der gängige Tenor. Doch in Sachen Motorensound sieht Mercedes-Motorsportchef Wolff auch in der Formel E Entwicklungspotenzial. Er erklärte gegenüber „Welt“: „Kann sein, dass sich das Ganze mehr in Richtung eines wissenschaftlichen Geräuschs entwickelt, eine Art ,scientific sound’. Wir haben ja selbst Star Trek und Star Wars geschaut, und da haben die Raumschiffe auch nicht gebrummt wie ein konventionelles Auto.“

Dinos gegen Star Wars – das klingt nach einem epischen Duell. Und an diesem Wochenende findet es direkt vor der Lausitzer Haustür statt.

DTM_Formel_E_4c
DTM_Formel_E_4c FOTO: LR