ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:45 Uhr

Die Unersättlichen wollen noch mehr

Berlin. Der erste Triple-Schritt ist gemacht. Die Bayern sind zum 24. Mal Meister – im Eiltempo. Eine Nacht wurde gefeiert, einen freien Tag gibt's zur Belohnung. Nicht nur Bundestrainer Löw bewundert das Werk von Guardiola. Klaus Bergmann und Jens Mende

Ein wenig übernächtigt, aber ohne Kater schlichen die unersättlichen Trophäenjäger des FC Bayern nach ihrer "Meisterfeier light" zum Mannschaftsbus. Kapitän Philipp Lahm winkte nach einer kurzen Nacht den wartenden Anhängern vor dem Hotel in der Berliner City zu, Bastian Schweinsteiger schrieb als einziger Spieler einige Autogramme. Die meisten Akteure hatten das Frühstück ausfallen lassen und trugen am Mittwochmittag bei der Rückreise nach München immer noch jene roten Trainingsklamotten, die sie auch in der Nacht nach der Express-Meisterschaft am 27. Bundesliga-Spieltag bei der mannschaftsinternen Party in einer Berliner Szenebar anhatten.

Gewöhnungsbedürftige Kälte

Die "Super-Bayern" konnten mit dem lockeren 3:1 (2:0) gegen Hertha BSC Vollzug melden und einen Haken machen unter Meisterschaft Nummer 24., die als Saison der Rekorde und einer erdrückenden Dominanz in die deutschen Fußball-Geschichtsbücher eingehen wird. "Bei uns hat alles gepasst", schwärmte Manuel Neuer. Ein Titelgewinn im März und damit so früh wie nie zuvor war dennoch gewöhnungsbedürftig. "Es war draußen noch ein bisschen kalt", scherzte der Nationaltorhüter.

Aber das Beste soll ja erst noch kommen. "Wir sind weiter hungrig, wir sind noch nicht am Ende. Es gibt noch weitere Titel zu gewinnen", verkündete Lahm. Das nächste Triple erscheint am Horizont. "Was Jupp Heynckes in der vergangenen Saison erreicht hat, ist eine einmalige Geschichte. Es ist nicht leicht, das zu wiederholen. Aber wir werden das probieren", kündigte Trainer Pep Guardiola an, der seinen Spielern im Olympiastadion aus einiger Distanz beim ausgelassenen Jubel mit einer Papp-Meisterschale vor der Fankurve zuschaute.

Der 43-Jährige setzte sich zwischendurch auf die Ersatzbank und telefonierte mit seiner Frau Cristina. "Das war ein privater Moment", verriet Guardiola. Die erste deutsche Meisterschaft fühlte sich ganz besonders für ihn an: "Es ist das erste Mal, dass ich etwas außerhalb meiner Heimat gewonnen habe."

Guardiola knüpft in München nahtlos an jene 14 Titel an, die er in vier Jahren mit dem FC Barcelona gewinnen konnte. Club-WM, Uefa-Supercup, Meisterschaft - mit Bayern sind es schon nach zehn Monaten drei. Und der Katalane glaubt, dass sich der FC Bayern "in der nächsten Saison noch verbessern kann - und das ist gut für mich als Trainer". Der Spanier hatte nach dem erfüllten Titel-Auftrag als "Chef" beim Feiern kein Limit gesetzt. "Wenn du einen Titel gewinnst, musst du das genießen", sagte er.

Für Mittwoch gab Guardiola seinen Spielern frei, ein ursprünglich noch vor dem Rückflug nach Bayern geplantes Training in Berlin strich er. Um 13.47 Uhr landete der Tross mit einer Sondermaschine in München und wurde dort von Dutzenden Kamerateams empfangen. Fans fanden sich dagegen an dem Flughafen-Terminal keine ein.

Die ganz große Party-Sause mit echter Meisterschale und Bierduschen wird es ohnehin erst am 10. Mai geben. "Ein bisschen Rotwein, ein bisschen Weißwein, ganz normal" - so beschrieb Guar diola den ersten Feierakt bei Fingerfood und Currywurst in der Kitty Cheng Bar in Berlins Mitte. "Am letzten Spieltag gegen Stuttgart werden wir in München richtig feiern", versprach der Coach und widmete den Erfolg Uli Hoeneß: "Die Meisterschaft ist für Uli Hoeneß, die wichtigste Person im Verein." Der ehemalige Präsident fehlte in Berlin, aber auch Sportvorstand Matthias Sammer stellte klar: "Er ist auch deutscher Meister, keine Frage."

Bleibt zu klären: Wer sollte national diese Super-Bayern aufhalten, die sich nach der WM im Sommer auch noch mit BVB-Torjäger Robert Lewandowski verstärken? "Es wäre auch mal wieder schön, wenn sie beschließen, ein Spiel zu verlieren, damit es wieder spannender wird", bemerkte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke.

Stempel aufgedrückt

Guardiola habe den Triple-Sieger "noch mal weiterentwickelt" und das Team "in punkto Dominanz und Ballbesitz klar seinen Stempel aufgedrückt", urteilte Bundestrainer Joachim Löw als Tribünengast und orakelte: "Der FC Bayern hat alle Möglichkeiten, die Erfolge der vergangenen Saison zu wiederholen."

Das erneute Triple ist ab sofort das neue Ziel der Unersättlichen. "Donnerstag werden wir ein bisschen mit der Vorbereitung auf Hoffenheim und Manchester United anfangen", sagte Guardiola. Der Katalane will mehr, viel mehr: "Die Spielweise ist der Schlüssel für alles. Wenn du gut spielst, kannst du mehrere Titel gewinnen."

"Wir wollen nach Lissabon ins Champions-League-Finale. Und wir wollen wieder nach Berlin und hier den DFB-Pokal holen", erklärte Neuer.