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| 08:57 Uhr

Fußball
Die Unaufsteigbaren: Warum eine Lausitzer Liga keinen Aufsteiger stellt

 Ein Duell, das es auch in der kommenden Saison in der Landesklasse geben wird: Tommy Thiele (l., SC Spremberg) gegen Willi Mrosk (SV Döbern). Beide Vereine verweigern den Aufstieg in die Landesliga.
Ein Duell, das es auch in der kommenden Saison in der Landesklasse geben wird: Tommy Thiele (l., SC Spremberg) gegen Willi Mrosk (SV Döbern). Beide Vereine verweigern den Aufstieg in die Landesliga. FOTO: FuPa Brandenburg
Cottbus. Die Fußball-Landesklasse wird nächste Saison keinen Aufsteiger stellen. Nach Tabellenführer SV Döbern haben auch der Kolkwitzer SV und der SC Spremberg ihre Ambitionen zurückgezogen. Doch es bleibt die Frage: Warum will eigentlich keiner mehr aufsteigen? Von Steven Wiesner

Abpfiff. Sieg. Ekstase. Gänsehaut. Tausende von Menschen säumen das Spielfeld und machen die Nacht zum Tag. Wenige Stunden später wird weiter gefeiert. Große Dampfer bilden eine Party-Flotte und nehmen die Gewässer ein. Am Rathaus und im Stadion finden die Feierlichkeiten schließlich ihren Höhepunkt. Erwachsene Menschen liegen sich weinend in den Armen.

Es war durchaus beeindruckend, was sich da vor einer Woche bei Union Berlin abgespielt hat. Und nicht erst die hemmungslose Fete der Köpenicker hat gezeigt: So ein Aufstieg kann anscheinend ziemlich viel Spaß machen!

In der Lausitz aber haben nur eine Woche nach den Bildern aus Berlin gleich drei Vereine aus derselben Spielklasse erklärt, genau auf dieses Glücksgefühl verzichten zu wollen. Das Gefühl, der Liga endlich eine Etage nach oben entfliehen zu können. Neue Herausforderungen zu suchen und sich dabei weiterzuentwickeln. Neue Gegner und Sportanlagen kennenzulernen. Schlicht ein neues Abenteuer zu erleben. So wird die Landesklasse Süd in der kommenden Saison keinen Aufsteiger für die Landesliga stellen. Wie kann das sein? Warum will keiner mehr aufsteigen?

 „Wir haben das Beispiel Vetschau gesehen, wo es hinführen kann. Das wollen wir nicht“: Peter Prohaska, Trainer vom SV Döbern.
„Wir haben das Beispiel Vetschau gesehen, wo es hinführen kann. Das wollen wir nicht“: Peter Prohaska, Trainer vom SV Döbern. FOTO: FuPa Brandenburg

Der Stein war am Wochenende nach einer Aussage von Peter Prohaska ins Rollen gekommen. Gegenüber FuPa Brandenburg erklärte der Trainer vom derzeitigen Tabellenführer SV Döbern: „Aufgrund unseres kleinen Kaders werden wir das Aufstiegsrecht auf keinen Fall wahrnehmen.“ Verein und Mannschaft seien sich einig gewesen, „dass es für uns das Beste ist“, sagt Prohaska – und spricht damit irgendwie auch stellvertretend für den Kolkwitzer SV und SC Spremberg, wo man den Gang in die 7. Liga aus ähnlichen Gründen scheut.

So erklärt Sven Goertz, Vorstandsmitglied vom KSV: „Unser Kader ist zu dünn. Es wird immer schwieriger, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Vor allem, wenn du wie wir und Spremberg ohne finanzielle Mittel arbeiten möchtest.“ Dass eine solche Entscheidung gegen die Ursprünge des Wettbewerbs nicht nur auf Verständnis stößt, weiß er. „Im Verein sind nicht alle erfreut. Aber die wissen auch nicht, was du für Anstrengungen hast, um jede Woche eine Truppe vollzukriegen.“ Sven Goertz sagt aber auch: „Als Meister wären wir hochgegangen.“

 „Im Verein sind nicht alle erfreut. Aber die wissen nicht, was du für Anstrengungen hast“: Sven Goertz, Vorstandsmitglied vom Kolkwitzer SV.
„Im Verein sind nicht alle erfreut. Aber die wissen nicht, was du für Anstrengungen hast“: Sven Goertz, Vorstandsmitglied vom Kolkwitzer SV. FOTO: Bock

Das hätte wohl auch der SC Spremberg gemacht, der zwei Spieltage vor dem Saisonende auf Platz drei liegt. „Aber als Dritter in der Schlange wollen wir nicht durch“, sagt Trainer Michael Thiele. Und wenn er auf seinen Kader schaut, scheint er auch nicht böse darüber zu sein, dass er nächste Saison nicht in der Landesliga starten muss. „Mit 16, 17 Mann eine Saison durchzuspielen, ist eigentlich schon in der Landesklasse an der Schmerzgrenze. Es ist schade, aber man muss es nüchtern betrachten.“ Peter Prohaska ergänzt: „Die Landesliga ist eine ganz andere Hausnummer. Wir haben das Beispiel Vetschau gesehen, wo es hinführen kann. Das wollen wir nicht.“ BW Vetschau hat einen enormen Aderlass hinnehmen müssen – und nun nach 28 Spielen ein Torverhältnis von 8:144 und noch keinen einzigen Punkt.

So wird es in der Landesklasse Süd also keine Aufstiegsfeier geben in diesem Sommer. Dabei hätte es genügend Lausitzer Seen für eine Dampfer-Flotte gegeben.

 „Mit 16, 17 Mann eine Saison durchzuspielen, ist eigentlich schon in der Landesklasse an der Schmerzgrenze“: Michael Thiele, Trainer vom SC Spremberg.
„Mit 16, 17 Mann eine Saison durchzuspielen, ist eigentlich schon in der Landesklasse an der Schmerzgrenze“: Michael Thiele, Trainer vom SC Spremberg. FOTO: FuPa Brandenburg