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| 02:44 Uhr

"Die Sehne wäre weggeflogen"

Pause statt Pauschenpferd: Christopher Jursch darf dreieinhalb Monate nicht an die Geräte.
Pause statt Pauschenpferd: Christopher Jursch darf dreieinhalb Monate nicht an die Geräte. FOTO: tsr1/mih1
Wenn am Donnerstag das 38. Turnier der Meister in der Lausitz-Arena beginnt, wird in den Startlisten kein Cottbuser zu finden sein. Das war zuletzt vor acht Jahren so und liegt dieses Mal an einer Sehne in der Schulter von Christopher Jursch. Der WM-Teilnehmer musste operiert werden und wird so auch dem SC Cottbus in der Bundesliga lange fehlen.

Christopher Jursch, Sie verpassen das Turnier der Meister in der Heimat und werden auch lange in der Deutschen Turnliga (DTL) fehlen. Ist für Sie das Turnjahr schon beendet, bevor es begonnen hat?
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich habe jetzt aber mindestens dreieinhalb Monate Pause, bevor ich überhaupt wieder ein Gerät anfassen kann. Fünf Wochen lang trage ich jetzt noch die Armstütze. Ab der kommenden Woche arbeite ich dann mit den Sportphysios in Berlin. Vielleicht schaffe ich es, wenigstens für ein oder zwei Geräte wieder fit zu werden.

Für die Nationalmannschaft dürfte es so schwer werden, oder?
Sicherlich. Aber ganz habe ich die WM im Oktober noch nicht abgeschrieben. Es kommt darauf an, wie schnell alles verheilt und wie gut das Training funktioniert.

Das dürfte eine ziemliche Quälerei werden.
Ich habe so etwas noch nicht mitgemacht. Aber es ist wohl auf alle Fälle besser als das, was ich in den vergangenen drei Monaten erlebt habe. Nach der WM hatte ich Schmerzen und habe mich noch durch den wichtigen Liga-Wettkampf gequält. Danach wurden die Schmerzen immer stärker - irgendwann hat man da keine Motivation mehr, in die Halle zu gehen.

Jetzt also lieber der Neuanfang?
Ja. Die Ärzte waren sich einig, dass die Sehne wieder befestigt werden musste. Sonst wäre sie irgendwann weggeflogen. Bei der Gelenkspiegelung in der Berliner Charité wurde entschieden, dass sofort operiert wird.

Sie sind seit dem Herbst in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Welche Konsequenzen hat die Verletzung da für Sie?
Ich werde da zum Glück nicht gleich wieder rausfliegen. Wenn ich wieder fit bin, muss ich da sicherlich einige Sachen nachholen. Außerdem bin ich gerade dabei, in Abstimmung mit der Bundeswehr und Bundestrainer An dreas Hirsch mein Studium zu organisieren.

Was haben Sie vor?
Ich habe mich nach der Studienberatung in Senftenberg für das Fach Biotechnologie entschieden. Jetzt muss ich noch sehen, ob ich alles koordinieren kann. Schließlich werde ich wegen Wettkämpfen und Lehrgängen mit der Nationalmannschaft immer wieder etwas verpassen. Doch es gibt wohl eine Sonderregelung für Spitzensportler in Verbindung mit der Bundeswehr.

Wieso Biotechnologie?
Ich hatte anfangs gar keine Ahnung, was ich studieren möchte. Aber Bio ist ein Fach, mit dem ich in der Schule gut klargekommen bin. Mathe und Chemie liegen mir auch. Ich gucke jetzt erst einmal, wie das alles funktioniert und ob diese Richtung passt.

Derweil fehlen Sie als Lokalmatador beim diesjährigen Turnier der Meister. Wie weh tut das?
Das ist nicht schön, aber inzwischen habe ich mich damit abgefunden. Es ist nunmal einfach nicht zu ändern. Ich werde mir die Wettkämpfe aber natürlich anschauen.

Dem SC Cottbus werden Sie als Punktegarant und Aushängeschild fehlen. Was trauen Sie dem Bundesliga-Team zu?
Das wird ein reines Lernjahr für die extrem junge Mannschaft. Ich denke, dass die Jungs den ersten Wettkampf gegen den Aufsteiger Siegerländer KV gewinnen werden. Da habe ich kaum Zweifel. Danach können Sie frei turnen und ein Jahr lang Erfahrung sammeln. Falls der erste Wettkampf aber verloren geht, glaube ich nicht, dass wir uns in der ersten Liga halten können.

Der erste Wettkampf entscheidet gleich über den Klassenerhalt?
So wie es aussieht: Ja. Und das wird für uns schon etwas werden. Wenn ich ab und an fürs Beinkrafttraining in der Halle bin, sehe ich, dass die Jungs gut drauf sind.

Sie sind also weiter nah dran an der Mannschaft?
Ja, auf alle Fälle. Ich werde versuchen, bei den Wettkämpfen dabei zu sein. Da möchte ich auch nicht nur auf der Tribüne sitzen. Ich will unten mit dabei sein und die Mannschaft wenigstens moralisch unterstützen.

Mit Christopher Jursch

sprach Jan Lehmann