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| 02:41 Uhr

Die neue Lust auf Bobbele

Boris Becker jubelt beim Wimbledon-Turnier 1986.
Boris Becker jubelt beim Wimbledon-Turnier 1986. FOTO: dpa
DÜSSELDORF. Wenn es nach dem Verband geht, soll Boris Becker dem deutschen Tennis mal wieder neue Hoffnung geben. Aber in welcher Funktion? Von GIANNI COSTA

Boris Franz Becker galt jahrelang als Witzfigur. An diesem Image hat er selbst hart gearbeitet. Wechselnde Liebschaften, Steuerbetrügereien und eine insgesamt bemitleidenswerte Selbstdarstellung nährten den Verdacht, dass es nicht mehr lange dauern könne, bis er mit Lothar Matthäus, dem Fußball-Weltmeister ohne Anschlussverwendung, der "Erfahrung wegen" ins Dschungelcamp gehen würde. Vielen hierzulande war Bobbele einfach nur noch peinlich. Man zeigte sich nicht mehr gern mit dem Rotblonden aus Leimen, der im zarten Alter von 17 Jahren eine ganze Nation in den Tennistaumel schickte, weil er im All England Lawn Tennis and Croquet Club von Wimbledon triumphierte.

Erst recht nicht der Deutsche Tennis-Bund. Die Funktionäre hatten nicht viel unternommen, das Aushängeschild über fast zwei Jahrzehnte angemessen in Schutz zu nehmen. Speziell in England, aber auch in vielen anderen Ländern wurde am Heldenstatus von Becker nie gekratzt. So kam es auch zum Engagement im Trainerstab von Novak Djokovic. Becker betreute den Serben bis Ende des vergangenen Jahres. Bilanz: sechs Grand- Slam-Titel.

Ein Umstand, der die aktuelle Wahrnehmung von Becker in Deutschland maßgeblich geprägt hat. Im Vordergrund steht nun nicht mehr der pokerspielende Lebemann, bei dem man noch immer den Kurpfälzer Dialekt raushört, sondern der angesehene Tennisfachmann mit einer Anstellung als TV-Experte beim Sender Eurosport. Es ist wieder salonfähig geworden, Becker gut zu finden. Verrückte Zeiten.

Beim DTB findet man Becker besonders toll. So toll, dass man ihm öffentlich eine abermalige Liaison angetragen hat. Der DTB und Becker hatten sich schon einmal viel voneinander versprochen. Von 1997 bis 1999 hatte Becker als Spielertrainer Verantwortung im deutschen Davis-Cup-Team übernommen. Er brachte vor allem seinen Namen ein. Schon nach kurzer Zeit reichte selbst das nicht mehr aus. Man ging auseinander und hatte sich fortan nicht mehr viel zu sagen, wie das eben bei gescheiterten Beziehungen oft so ist.

Doch nun gibt es Angelique Kerber und Alexander Zverev. Und beim DTB hat man mal wieder die Hoffnung, einen "Aufschwung" zu erkennen. Besonders der umtriebige Vize-Präsident Dirk Hordorff ist darum bemüht, die Gunst der Stunde zu nutzen. Hordorff, der einst als Trainer Rainer Schüttler und Janko Tipsarevic zu Weltklassespielern formte, ließ unlängst verlauten: "Der Deutsche Tennis Bund ist grundsätzlich immer an der Expertise von Boris Becker interessiert."

Becker hat sehr wohl vernommen, dass sich der DTB um ihn bemüht. "Der DTB hätte gerne, dass ich eine Rolle im Davis Cup übernehme", bekundet der 49-Jährige. "Das ehrt mich erstmal, aber es ist noch nicht zu Ende diskutiert, was das ist." Heißt übersetzt: Es ist noch nicht verhandelt, ob und wie viel Macht Becker von dem Präsidium eingeräumt bekommt. Oder ob er zum Beispiel als Berater ausschließlich für die Betreuung von Top-Talent Alexander Zverev eingesetzt wird. Der 19-Jährige, derzeit Nummer 18 in der Weltrangliste, wird vom DTB mit 60 000 Euro jährlich gefördert. Im internationalen Vergleich eine mickrige Summe. Für Zverev könnte die Erfahrung von Becker deutlich wertvoller sein, als die Penunzen des Verbandes. "Es ist noch ein weiter Weg, viele sind hungrig", hat Becker einmal über die Aussichten von Zverev gesagt, den Aufstieg unter die Top-Spieler zu schaffen. "Alexander macht große Fortschritte. Bei ihm läufts gut und er ist zielstrebig."

Becker hat in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, ob es mit seiner Unterstützung noch viel besser laufen würde. Für Becker macht ein Einstieg beim DTB jedenfalls nur Sinn, wenn seine Rolle im Team von Zverev klar ist. Becker kann sich nun zurücklehnen und abwarten, bis der DTB die Karten auf den Tisch gelegt hat.

Nach dem Aus in der Partie gegen Belgien muss Deutschland zum dritten Mal nacheinander gegen den Abstieg aus der Weltgruppe im Davis Cup kämpfen. Das ist die triste Zustandsbeschreibung einer in Deutschland einst so erfolgreichen Sportart. Mit Becker in einer führenden Rolle wird zumindest die Fantasie beflügelt, die guten, alten Zeiten könnten eine Renaissance erfahren.

Alle haben Bobbele wieder lieb. Ausreichend Zeit dürfte er haben. Becker schickt seine Frau nämlich in die Wüste - Lilly (40), seit 2009 seine Angetraute, soll sich für die ProSieben-Show "Global Gladiators" neben anderen Promis in verschiedenen Prüfungen durch Namibia kämpfen. Einer muss ja schließlich in der Familie für den Glamourfaktor sorgen.

Becker arbeitete zuletzt als Trainer von Novak Djokovic. Seine Bilanz: sechs Grand- Slam-Titel.
Becker arbeitete zuletzt als Trainer von Novak Djokovic. Seine Bilanz: sechs Grand- Slam-Titel. FOTO: dpa