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| 02:39 Uhr

Die Mitte der Gesellschaft

Elsterwerda. Yoga wurde lange unterschätzt. Nicht nur in Elbe-Elster aber schwören viele auf die indische Lehre von Körper und Geist. Mittlerweile ist Yoga sogar Weltkulturerbe. Steven Wiesner

Eigentlich wollte sich Monika Theile ja als Seelsorgerin probieren. Als geschäftige Unternehmerin war sie irgendwann auf der Suche nach Menschen und einem Ausgleich. Doch eine fachkundige Dame überzeugte sie davon, es in ihrer Freizeit lieber mit Yoga zu versuchen - wie sich herausstellte, ein mehr als dienlicher Hinweis. Denn acht Jahre später jobbt die heute 63-Jährige parallel zu ihrer Geschäftsführertätigkeit beim Holz-Zentrum Theile noch als anerkannte Yogalehrerin in Stolzenhain und sagt: "Yoga hat mich verändert."

Die indische Lehre, die das Zusammenspiel von Körper und Geist zu fördern versucht, wurde lange unterschätzt. Mittlerweile aber hat sich Yoga etabliert. In Deutschland und der Welt. Es werden Yogafestivals veranstaltet und seit Ende des letzten Jahres ist Yoga sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt worden. Gerade bei Frauen scheinen Yoga-Kurse heutzutage beliebter zu sein als Robbie-Williams-Konzerte.

Eine Studie vom Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) hat schon im Jahr 2014 fast drei Millionen Deutsche gezählt, die zum Yoga gehen. Und es werden nicht weniger. Immer mehr Menschen merken, wie wichtig es ist, sich zu erden und mit sich selbst zu verbinden. "Es geht darum, seine Mitte zu finden", sagt Monika Theile. Und diese Einsicht ist allmählich auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Das kann Simone Terasa bestätigen. Die Falkenbergerin verdient ihr Geld seit zehn Jahren als ärztlich geprüfte Yogalehrerin und Ayurveda Gesundheitsberaterin. 2001 habe sie erstmals an Yoga-Kursen der Kreisvolkshochschule teilgenommen. "Damals war das noch sehr besonders", sagt sie. Heute ist das anders. Für ihre Kurse gibt es sogar Wartelisten. Terasa: "Manche Kunden haben drei Jahre gewartet, bis etwas frei war."

In einer Welt, in der Genügsamkeit zum Fremdwort verkommt, steigt der Bedarf an Entschleunigung. Und Yoga kann diesen Effekt herbeiführen. "Yoga sind nicht nur ein paar Turnübungen", erklärt Terasa. "Die Herausforderung besteht vielmehr darin, seinen Geist einzufangen und sich auf eine Sache konzentrieren zu können. Das passt genau in unsere Zeit. Und deswegen ist die Nachfrage auch so groß. Wann lernen wir schon mal, dass etwas Grenzen hat? Es heißt doch sonst immer nur weiter und weiter und weiter." Und schon wird klar, warum aus Olli Kahn vermutlich ein eher minderbegabter Yogalehrer geworden wäre. Apropos: Yogalehrer zu werden, ist keine Tagesaufgabe. Man atmet nicht einfach nur einmal durch das linke und das rechte Nasenloch und darf sich dann Yogalehrer schimpfen.

Monika Theile hat vier Jahre an einer Yoga-Schule verbracht, mehr als 500 Unterrichtsstunden hinter sich gebracht und eine 70-seitige Diplomarbeit verfasst. Seit einem Jahr wird ihr Training nun auch von den Krankenkassen anerkannt. Seit etwa drei Jahren bewertet eine zentrale, kassenunabhängige Prüfstelle Yogaangebote und nimmt sie je nach Beurteilung in eine Präventionsdatenbank mit auf. Laut Annett Koßmann, Leiterin des DAK-Servicezentrums in Finsterwalde, eine zeitgemäße Lösung. "Vom Gefühl her hat die Anzahl an Yogakursen schon mit Angeboten zur Rückenschule gleichgezogen." Konkurriert der Gesundheitsfaktor Yoga vielleicht sogar mit Ärzten und Medizinern? "Nein", sagt Koßmann, "es ist eher das i-Tüpfelchen oben drauf." Monika Theile ergänzt: "Yoga soll und wird Ärzte nicht ersetzen. Ich wage aber zu sagen: Wer Yoga macht, braucht weniger Arzt."

Theile legt Wert darauf, dass Yoga als eine Art Einstellung begriffen wird. Man geht nicht nur für eine Stunde zum Kurs und gibt Yoga dann wieder an der Garderobe ab. Yoga zieht sich durch das Leben. "Sich wahrnehmen und spüren - wer macht das schon?"

Zu 80 Prozent werden Menschen vom Unterbewusstsein geleitet. Yoga soll ein Gleichgewicht herstellen "oder zumindest versuchen, 25 Prozent Bewusstsein herauszukitzeln. Auch das ist Yoga", sagt Monika Theile. An diesem Donnerstag feiert sie mit ihrem Yogazentrum fünfjähriges Bestehen.