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Die Lichtgestalt Boris Becker ist zurück

Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker wird künftig die Verantwortung für den gesamten Herren-Bereich innerhalb des Verbandes tragen.
Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker wird künftig die Verantwortung für den gesamten Herren-Bereich innerhalb des Verbandes tragen. FOTO: dpa
Frankfurt/Main. Humpelnd und an Krücken betrat Boris Becker den Plenarsaal des Frankfurter Römer. 16 Kamerateams, zwei Dutzend Fotografen und 100 Journalisten empfingen die "Lichtgestalt" des deutschen Tennis. Wolfgang Müllerund Kristina Puck

Vor fünf Wochen war der dreimalige Wimbledonsieger am rechten Fuß operiert worden. "Ich habe ein fast neues Sprunggelenk", scherzte Becker, als er auf dem Podium Platz nahm.

Mit der spektakulären Rückkehr der deutschen Sportikone hofft der Deutsche Tennis Bund auf Ruhm wie zu besten Becker-Graf-Zeiten und eine lange vermisste Aufbruchstimmung. Für Becker ist der neue Job als Chef des gesamten Herren-Teams eine "Herzensangelegenheit", wie er es am Mittwoch formulierte. In schweren persönlichen Zeiten mit Schlagzeilen über seine finanzielle Lage konnte der Zeitpunkt der Verkündung der neu geschaffenen Rolle aber kaum besser gewählt sein. Fragen zum Privatleben waren nicht erlaubt.

Und so gehörte die Bühne an diesem Tag dem Tennis-Experten Becker. Verbandschef Ulrich Klaus, Sportdirektor Klaus Eberhard, Vize-Präsident Dirk Hordorff und selbst der scheidenden Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner blieb nicht viel mehr als eine Statistenrolle. "Tennis ist das, was ich am besten kann", sagte Becker und ergänzte voller Pathos: "Ich bin stolz, Head of Men's Tennis zu sein. Ich liebe diesen Sport, ich liebe dieses Land."

Verschmitzt lächelte er seine Sitznachbarin Rittner an, als die neuen Aufgaben offiziell verkündet wurden und sich Klaus in seiner Aufregung und Euphorie sogar mit einem "Barbara Becker" verhaspelte. Rittner wird das Pendant Beckers für die Damen um Angelique Kerber.

18 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang als Davis-Cup-Teamchef und dem damaligen Zoff mit dem DTB sollen nun die aktuellen deutschen Topstars Alexander Zverev und Kerber von den Ratschlägen profitieren und für Glanz auf der Grand-Slam-Bühne sorgen. Von 1997 bis 1999 war Becker Davis-Cup-Teamchef, ehe es zum Zerwürfnis und zur Trennung kam.

"Wir haben eine ehemalige Nummer eins, und wir haben einen künftigen Superstar. Wir sind gut aufgestellt", sagte Becker. DTB-Boss Klaus sprach von einem "Meilenstein", Hordorff von Becker und Rittner als "Lichtgestalten". Allein der mediale Auflauf zeigte, welche Strahlkraft der Leimener noch immer besitzt. Der DTB setzt mit der Personalrochade auf die Attraktivität des 49-Jährigen.

Mit der früheren Nummer eins als Ratgeber und dem im Amt bleibenden Teamchef Michael Kohlmann hofft der DTB in Zukunft auf den ersten Davis-Cup-Titel seit 1993. Seine erste Reise als Head of Men's Tennis führt Becker nach Portugal. Dort soll der zweimalige Davis-Cup-Champion helfen, den Abstieg zu vermeiden. In Lissabon kämpfen die deutschen Herren vom 15. bis 17. September gegen den Sturz aus der Weltgruppe. "Ich bin mittlerweile fast 50 und habe einen enormen Erfahrungsschatz als Spieler und als Trainer gesammelt", sagte Becker. "Gewisse Dinge kann man nicht aus Büchern lernen, die muss man selbst erlebt haben. Und da bin ich, glaube ich, ein guter Ansprechpartner." Dies war er auch drei Jahre lang für den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, mit dem er bis zum vergangenen Dezember zusammenarbeitete.

In den vergangenen Wochen jedoch hatte die Tennis-Legende so manche Schlagzeilen außerhalb des Sports bestimmt. Vom DTB bekomme Becker nur seine Reisekosten erstattet, bestätigte Präsident Klaus. Die Gespräche haben bereits vor 18 Monaten begonnen - und damit deutlich vor dem Bekanntwerden möglicher finanzieller Probleme Beckers.

Dieser soll nun neben dem Davis Cup auch im Nachwuchsbereich wichtige Impulse setzen. Sein Engagement ist vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio angedacht. Rittner soll in neuer Funktion als "Head of Women's Tennis" ebenfalls langfristig für den Verband tätig sein. "Ich bin super aufgeregt und neugierig auf die Zusammenarbeit mit Boris", sagte die 44-Jährige. Neuer Fed-Cup-Teamchef wird von der Saison 2018 an Jens Gerlach. "Es ist an der Zeit, mit jemandem Neues neue Wege zu gehen", sagte Rittner, die das Team 13 Jahre betreute. Angesichts von Beckers Auftritt blieben dies aber eher Randnotizen.