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Die Fast-alles-ist-möglich-Saison

Das junge Cottbuser Team hat sich gut entwickelt, die jüngsten Erfolge stärken das Selbstbewusstsein.
Das junge Cottbuser Team hat sich gut entwickelt, die jüngsten Erfolge stärken das Selbstbewusstsein. FOTO: Helbig/During
Cottbus. Der SC Cottbus Turnen startet an diesem Samstag in Saarbrücken in die Bundesliga-Saison. In der Deutschen Turnliga (DTL) haben die Lausitzer ein hammerhartes Auftaktprogramm. Doch beim SCC geht man mit Zu versicht in die Fast-alles-ist-möglich-Saison. Jan Lehmann

Erst gegen die TG Saar, dann gegen die KTV Straubenhardt. Ins Fußball-Deutsch übersetzt würde das in etwa heißen: Erst gegen Borussia Dortmund, dann gegen Bayern München. Der Wettkampfplan der bevorstehenden Saison der Deutschen Turnliga (DTL) beschert dem SC Cottbus gleich zum Auftakt zwei absolute Kracherduelle, in denen die Lausitzer klare Außenseiter sind.

In der Branche geht man davon aus, dass der Cottbuser Auftaktgegner TG Saar (Samstag, 18 Uhr) ebenso das große Finale der DTL erreichen wird, wie die wohl in dieser Saison unschlagbaren Straubenhardter.

Doch beim SC Cottbus sorgt dieses Hammer-Auftaktprogramm keineswegs für Sorgen falten. Im Gegenteil! Für die Lausitzer geht es in diesen beiden Wettkämpfen darum, sich einzuturnen und eine gute Basis für die Fast-alles-ist-möglich-Saison zu legen. Denn hinter den beiden Top-Favoriten Saarland und Straubenhardt tummeln sich viele Teams, die alle wohl die selben Ambitionen haben: Bronze!

Mit breiter Brust hatte der 17-jährige Devin Woitalla bei der offiziellen Vorstellung des Cottbuser Kaders erklärt, dass sich die Mannschaft intern das kleine Finale, also den Kampf um Platz drei vorgenommen habe. Ein ambitioniertes Ziel, doch dieses Selbstbewusstsein haben sich die Turner im Training und in den zurückliegenden Wettkämpfen erarbeitet. Der Cottbuser Weg, fast ausschließlich auf Jungs aus der eigenen Turntalentschule zu setzen, trägt Früchte.

Jene Mannschaft, die in der RUNDSCHAU einst als "Kinder-Riegel" beschrieben wurde, ist zwar noch immer extrem jung. Doch die Erfolge sind spürbar. Talente wie Lucas Kochan oder Leonard Prügel haben sich gut entwickelt, aus Woitalla ist inzwischen auch ein Mann geworden. Christopher Jursch und Marc Krause sind mittlerweile sowieso echte DTL-Haudegen, mit den beiden Ukrainern Oleksandre Suprun und Igor Radivilov bekommt das Team auch wieder internationale Unterstützung.

Bei Suprun ist allerdings noch gar nicht so sicher, ob er wirklich an die Geräte geht. Der 29-Jährige ist mittlerweile hier auch als Trainer angestellt und bringt das Team spürbar voran. Karsten Oelsch, sportlicher Leiter am Cottbuser Bundesstützpunkt, lobt: "Er leistet hier sehr gute Arbeit. Wir haben ja gute Erfahrungen mit den Ukrainern in Cottbus - und deren Herangehensweise bringt uns sicher voran." Deshalb ist SCC-Präsident Arved Hartlich zuversichtlich, dass seine leicht euphorische Aussage aus dem Jahr 2013 vielleicht bald wahr werden könnte. Bei den Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des SC Cottbus Turnen hatte der Präsident angekündigt: "Wir möchten in den kommenden Jahren bald wieder ein Wörtchen um die Meisterschaft mit reden." Heute sagt Hartlich zumindest: "Die Mannschaft hat sich sehr vernünftig entwickelt - wenngleich es für uns auch in jedem Jahr schwerer wird, das Team gut aufzustellen."

Zur Meisterschaft dürfte es deshalb in diesem Jahr noch nicht reichen, es sei denn, die Cottbuser sorgen schon am ersten Wettkampftag mit einem Sieg im Saarland für eine faustdicke Überraschung. Angesichts der vielen Top-Turner im Kader der TG Saar ist das recht unwahrscheinlich. Doch am Ende muss jeder Wettkampf erst einmal gewonnen werden. Das gilt für die TG Saar oder die KTV Straubenhardt genau wie für Borussia Dortmund oder die Bayern. Gerade in einer Fast-alles-ist-möglich-Saison.