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Turnen Bundesliga
Die Cottbuser Turner bleiben erstklassig

Marios Georgiou aus Zypern war erst kurz vor dem Wettkampf als Gaststarter verpflichtet worden. Er überzeugte und holte 15 Punkte.
Marios Georgiou aus Zypern war erst kurz vor dem Wettkampf als Gaststarter verpflichtet worden. Er überzeugte und holte 15 Punkte. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die Turner des SC Cottbus besiegen am vorletzten Wettkampftag der Deutschen Turnliga die Siegerländer Kunstturnvereinigung mit 42:39. Ein 20-jähriger Überraschungsstarter sorgt dabei für Furore. Von Sven Hering

Von Sven Hering

Am Ende eines mehr als zweistündigen nervenaufreibenden Wettkampftages hatte Arved Hartlich das Armband seiner Uhr eingebüßt. Der Präsident des SC Cottbus hatte wohl zu ausgiebig gejubelt, als der Sieg seiner Mannschaft feststand. Die Uhr jedenfalls bestand diesen Belastungstest nicht. Doch das konnte Hartlich verschmerzen.

Die Turner des SC Cottbus hingegen waren an diesem Nachmittag der besonderen Nervenprobe sehr wohl gewachsen. „Wir sind ja nicht unbedingt als Favorit in den Wettbewerb gegangen“, betonte Christopher Jursch. Am Ende setzten sich die Gastgeber gegen die Siegerländer hauchdünn durch – und holten damit die noch nötigen Punkte für den Klassenerhalt.

Großen Anteil hatte daran ein Turner, der zum ersten Mal für den SC startete. Der Zyprer Marios Georgiou war erst am Freitag ausgerechnet an seinem Geburtstag in Cottbus angekommen, absolvierte dann am Abend noch ein paar Lockerungsübungen in der Halle und wurde am Samstag schließlich sofort zum fleißigsten Punktesammler. 15 Zähler steuerte der 20-Jährige zum Gesamtergebnis bei. Am Boden, Pferd, Barren und Reck war er jeweils eine sichere Bank. „Er hat uns richtig gut geholfen“, freute sich Christopher Jursch. Seine Leistungen hätten vor allem die jungen Turner beflügelt.

Vor dem ersten Auftritt des 1,63 Meter großen Athleten, der bei den Spielen 2016 in Rio als erster Turner Zyperns ein olympisches Finale erreichte, rätselte selbst Mirko Wohlfahrt, Chef des Turniers der Meister, über die Qualitäten des Gaststarters. Aus der RUNDSCHAU hatte Wohlfahrt über die Verpflichtung des Zyprioten erfahren. Schon nach dem ersten Auftritt am Boden gab es Lob vom Turnierdirektor für den 63 Kilogramm leichten Mann.

Doch noch mehr freute sich Wohlfahrt über den besiegelten Klassen­erhalt. „Die Bundesliga ist eine wichtige Plattform zur Leistungsentwicklung“, betonte er. Vor allem die jungen Sportler hätten dort die Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln. Und an diesem Konzept, vor allem aus der eigenen Kaderschmiede neue Spitzenturner zu entwickeln, wolle der Verein auch künftig festhalten.

Zur Philosophie der Cottbuser Turner gehört aber auch Bescheidenheit. So wurde zwar am frühen Samstagabend noch ein wenig in der Lausitz-Arena gejubelt, gab es Küsschen von der Freundin oder den Eltern und Schulterklopfen von Kumpels. Doch eine große Feier, so verriet Christopher Jursch, war nicht geplant. Vor allem, weil die Cottbuser nicht zwingend mit einem Erfolg über die Siegerländer gerechnet hatten. „Wir konzentrieren uns jetzt auf den letzten Wettkampf am nächsten Wochenende in Monheim“, erklärte Jursch. Bis dahin wird sich dann der Vereinspräsident auch ein neues Armband für seine Uhr besorgt haben.

Christopher Jursch hatte wie seine gesamte Mannschaft am Samstag nach dem Erfolg gegen die Siegerländer KV  Grund zum Jubel über den vorzeitigen Klassenerhalt.
Christopher Jursch hatte wie seine gesamte Mannschaft am Samstag nach dem Erfolg gegen die Siegerländer KV Grund zum Jubel über den vorzeitigen Klassenerhalt. FOTO: Steffen Beyer