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Bahnrad-EM
Schiewer löst Schäfer als Steher-Europameister ab

Franz Schiewer und Schrittmacher Gerd Gessler bejubeln ihre Gold-Fuhre.
Franz Schiewer und Schrittmacher Gerd Gessler bejubeln ihre Gold-Fuhre. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Berlin. Die EM-Goldmedaille der Steher geht erneut nach Cottbus. Allerdings musste sich Titelverteidiger Stefan Schäfer diesmal Franz Schiewer geschlagen geben, der am Samstagabend in Berlin einen überlegenen Sieg einfuhr. Von Frank Noack

Als Titelverteidiger Stefan Schäfer mit seinem Schrittmacher Peter Bäuerlein (Nürnberg) unter dem Jubel der Zuschauer im Berliner Velodrom noch einmal den Niederländer Reinier Honig und dessen Schrittmacher Jos Pronk attackierte, fuhr Franz Schiewer ganz vorn dem ungefährdeten Sieg entgegen. Gemeinsam mit seinem Schrittmacher Gerd Gessler aus Erfurt feierte Schiewer den bislang größten Erfolg in seiner Radsport-Karriere.

„Am Anfang des Rennen lief es nicht so gut für uns. Aber dann habe ich von Runde zu Runde mehr Vertrauen in unsere Leistungsfähigkeit gefunden. Am Ende wurde die Luft zwar ganz schön knapp, aber ich konnte meine Fans hier einfach nicht enttäuschen“, freute sich der neue Europameister und verdrückte auf dem Podium die eine oder andere Freudenträne.

Stefan Schäfer komplettierte als Dritter den Erfolg für den RK Endspurt Cottbus. Der Titelträger des vergangenen Jahres hatte unterwegs Pech, als die Maschine von Schrittmacher Peter Bäuerlein den Geist aufgab und gewechselt werden musste. „Durch den Motorschaden sind wir aus dem Rhythmus gekommen. Sonst wären wir sicher auf Platz zwei gefahren. Reinier Honig hat das perfekt ausgenutzt und sofort den Angriff gefahren“, erklärte Schäfer.

Das dritte deutsche Gespann, Thomas Steger und Thomas Ruder aus Nürnberg, belegte im Finale über 200 Runden den 5. Platz. Das deutsche Team hatte als einzige Nation alle drei Fahrer ins Finale gebracht und sich damit eine perfekte Ausgangsposition gesichert. Steher-Experte Frank Schneider, der die Rennen auf der Bahn in Forst moderiert, hatte im Vorfeld in der RUNDSCHAU betont: „Wichtig wird sein, dass die Deutschen so viele Fahrer wie möglich ins Finale bringen – am besten alle drei. Das erhöht die taktischen Optionen.“

Die Vorbereitung war für Titelverteidiger Stefan Schäfer alles andere als perfekt gelaufen. Eine Woche stürzte vor der EM war er beim Training vor einem Rennen in Mailand gestürzt schwer und zog sich dabei Hautabschürfungen sowie Prellungen im Gesäßbereich zu. Am Mittwochabend stieg er beim Training im Velodrom erstmals nach dem Sturz wieder auf ein Steherrad.

Stefan Schäfer (r.) gratuliert Frank Schiewer.
Stefan Schäfer (r.) gratuliert Frank Schiewer. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Überraschend schon in den Vorläufen gescheitert war mit Giuseppe Atzeni aus der Schweiz der Europameister von 2007, 2009 und 2010. „Der Name Atzeni ist riesengroß. Er war eigentlich einer unserer Hauptkonkurrenten“, erklärte Mario Vonhof als Beauftragter für Stehersport beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR). „Trotzdem tut es mir leid für ihn – er ist eine Ikone des Stehersports und hätte in dieses Finale reingehört.“