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"Die Beweislast ist doch ohnehin schon lange umgekehrt"

Die Idee ringt mir nur ein müdes Lächeln ab. Im Radsport gibt es das schon, und heißt "Blutpass".

Seit ich 2010 beim Rennstall Cofidis eine Profilizenz gelöst habe, muss ich vierteljährlich oder zu bestimmten Zeitpunkten ein Blutbild abgeben und daraus werden Profile erstellt. Zusätzlich muss ich bei Trainingskontrollen in vier von fünf Tests auch eine Blutprobe abgeben. Aufs Jahr gerechnet habe ich also etwa zehn Blutkontrollen. Ich finde das reicht.

Vom Aufwand her ist es gar nicht so einfach, wie es sich anhört, in den jeweiligen knappen Zeiträumen diesen Pflichten nachzukommen. Probieren Sie mal im Ausland zum Arzt zu gehen und diesem zu erklären, dass Sie ein Blutbild brauchen. Da sitzen wir manchmal mehrere Stunden in Krankenhäusern rum, die Kosten trägt übrigens nicht die Welt-Anti-Dopingagentur Wada, sondern der deutsche Radsport-Verband!

In Deutschland muss man sich oft während des Trainingslagers, also wenn der Körper ohnehin schon angeschlagen ist, in ein Wartezimmer mit Grippe-Erkrankten setzen. Und nach Wettkämpfen dauert das Warten auf die Dopingkontrolle unter Umständen zwei bis drei Stunden, weil die Nationale Anti-Dopingagentur aus Budgetgründen nur einen Arzt einsetzt. Der soll dann bei zehn Sportlern mehr oder weniger zeitgleich Blut abnehmen.

Die Beweislast ist ohnehin schon lange umgekehrt! Der Athlet muss doch beweisen, dass er sauber ist. Im Zweifel muss er erklären, wie bei einem Wettkampf in China, Hongkong, oder Mexiko plötzlich Clenbuterol in seinen Körper gelangt ist. Gleichzeitig vergibt der Weltverband aber wichtige Wettkämpfe immer wieder in Länder, in denen man sich nicht sicher sein kann, dass man keine verunreinigten Lebensmittel zu sich nimmt.

Also, um es deutlich zu sagen: Noch mehr Verantwortung auf den Athleten abzuladen, ist unverantwortlich. Und die Idee mit dem sportlichen Führungszeugnis ersetzt gewiss nicht die Meldepflichten im Adams-System. Diejenigen, die schummeln, machen das selten im Wettkampf, sondern vielmehr im Training.