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| 14:17 Uhr

Fussball
Die 10 reizvollsten Derbys der Lausitz

FOTO: Sven Bock / FuPa Brandenburg
Von Gerichtsverhandlungen bis zu Ordnungsamtermittlungen - es gibt viele Fußball-Derbys in der Region mit besonderer Rivalität. Die RUNDSCHAU hat eine Top Ten erstellt und erzählt die besten Geschichten. Von Steven Wiesner

Das Fußweg-Derby: SV Guhrow vs. Frischauf Briesen

Das Magazin „11Freunde“ hat mal herausgefunden, dass die schottischen Stadtrivalen Dundee United und Dundee FC nur 52 Meter voneinander entfernt existieren. Diese im Weltfußball einzigartige Nähe führt dazu, dass sich die Auswärtsmannschaften bei den jeweiligen Derbys in ihrem Stadion umziehen und dann zu Fuß in die benachbarte Spielstätte wandern. Ein Lausitzer Derby, bei dem so etwas auch denkbar wäre, liefern sich Guhrow und Frischauf Briesen, das mittlerweile als Spielgemeinschaft mit Dissen um Punkte kämpft. Die Mittelpunkte der beiden Spielfelder trennen nur etwa 700 Meter Luftlinie. Zu weit weg, um beim Training die Bälle auf den Nachbarplatz zu kloppen, aber nah genug, um rüberschielen zu können, wenn das Flutlicht an ist. Ein Derby, bei dem während der 90 Minuten auch noch richtig die Fetzen fliegen können. Vier Rote Karten in den jüngsten sechs Duellen zeugen davon. Für die Fans ist ein Erfolg über den Rivalen immer noch das Größte, manchem Derbyhelden sollen auch schon Denkmäler versprochen worden sein. Aber auch die Aktiven elektrisiert das Duell, wie ein Spieler aus Guhrow berichtet: „Wenn das Derby bevorsteht, kommen auch Leute zum Training, die du drei Wochen nicht gesehen hast.“

Das Rumpelgusten-Derby: SG Burg vs. SV Werben

Das letzte Duell der ersten Mannschaften liegt fast zehn Jahre zurück. Im Mai 2009 machten die Burger mit einem 2:1 fünf Spieltage vor Schluss einen großen Schritt Richtung Landesliga-Aufstieg, Werben wurde am Ende Vizemeister. Dass sich die Werbener heute nur noch auf Kreis-Ebene mit der Zweiten aus Burg duellieren, hat der Rivalität keinen Abbruch getan. Noch immer lockt das Derby viele Schlachtenbummler an den Spielfeldrand. Vergangene Saison karrten die Burger ihre Fans sogar mit der Mini-Eisenbahn "Rumpelguste" an. Ab und an waren die Burger Spieler auch gemeinsam mit dem Fahrrad zum Auswärtsspiel in den fünf Kilometer entfernten Vorort gefahren. Da man danach aber immer Haue bekommen hat auf dem Spielfeld, wurde das Ritual zeitnah wieder eingestellt.

Das Finsterwalde-Derby: SpVgg. Finsterwalde vs. FC Sängerstadt

Hertha Finsterwalde, der ewige Rivale der Spielvereinigung, fusionierte 2016 mit der DJK zum FC Sängerstadt. Spannungen gibt es trotzdem noch in der Stadt, auch weil die Spielvereinigung den Eintritt in besagte Fusion unter den vorgegebenen Bedingungen ablehnte. So kämpft man weiter gegeneinander um Nachwuchs, Sponsoren und Punkte.

Das Dornröschen-Derby: BSV Guben Nord vs. 1. FC Guben

Beim 1. FC Guben blickt man auf eine stolze Historie. Als SV Chemie gehörten die Neißestädter vor der Wende zur hochkarätigen DDR-Liga. Nach der Jahrtausendwende jedoch erwuchs mit dem BSV Guben Nord aus dem Ortsteil Groß Breesen ein Kontrahent, der dem FC die Vormachtstellung in der Stadt streitig machte. Es soll Hardliner geben, die das noch immer nicht verwunden haben und mit manchem Verdruss zum Nachbarn schauen, wenngleich beide Vereine mittlerweile im Nachwuchs kooperieren und auch in der Altliga eine Spielgemeinschaft bilden. Da die Breesener nun bald seit einem Jahrzehnt höherklassig spielen, schlummert das Gubener Derby ohnehin in einem kleinen Dornröschenschlaf. Die letzten Duelle im Ligabetrieb gab es in der Landesliga-Saison 2009/10. Mehr als 1000 Schlachtenbummler, die das 3:3-Unentschieden im Mai 2010 besucht haben, lassen erahnen, welche Strahlkraft ein erneutes Aufeinandertreffen hätte.

Das Berg-Derby: SC Spremberg vs. Spremberger SV

Ein politischer Beschluss verbrüderte die beiden Vereine 1985, damals noch Turbine und Fortschritt Spremberg. Als BSG Chemie machte man vorerst gemeinsame Sache. Die Wiedervereinigung nahmen ein paar Sportkameraden von Turbine aber zum Anlass, sich wieder von Chemie (das sich 1991 in Spremberger SV umbenannte) loszueisen und den SC Spremberg zu gründen – und das Derby war neugeboren. Obschon die drei anderen Spremberger Klubs etwas neidisch auf den SSV schauen, weil dieser die einzige von der Stadt unterhaltene Anlage bewirten darf, ist die Rivalität sehr gesund. Die Zeiten, in denen Funktionäre den Handschlag verweigerten, sind vorbei. Dennoch: Wenn es sich vermeiden lässt, wird der Name des Rivalen nicht ausgesprochen. So wie Dortmunder und Schalker sich mit „Lüdenscheid“ und „Gelsenkirchen“ liebkosen, sagt man in Spremberg nur: „Das sind die vom anderen Berg.“

Das letzte Derby: Eintr. Lauchhammer-Ost vs. FSV Lauchhammer

Im Waldstadion Lauchhammer geht am Samstag Geschichte zu Ende. Zum letzten Mal treffen sich der FSV und der SV Eintracht Ost als Gegner, bevor sie ab dem 1. Juli in einem Klub verschmelzen. Das brisanteste Duell ereignete sich im Juni 2013. Der Eintracht hätte ein Remis im finalen Kreisliga-Spiel zum Aufstieg genügt, der FSV hätte gewinnen müssen, um den Konkurrenten noch einzufangen, unterlag aber mit 1:2 vor über 1000 Schaulustigen. Nun müssen sich die Fanlager daran gewöhnen, eine gemeinsame Elf anzufeuern.

Das Autobahn-Derby: GW Groß Beuchow vs. Wudritz Ragow

Das Lübbenauer Derby findet zwar nur in der Kreisliga statt, ist mitunter aber trotzdem ein größerer Publikumsmagnet als Spiele der ranghöheren Nachbarn aus Lübbenau, Lübben oder Vetschau. Für die beiden Klubs, die durch die A13 getrennt werden, war das Derby immer das Spiel des Jahres. Mit der Dominanz Groß Beuchows ebbte die Rivalität aber etwas ab. Ragows letzter Derbysieg datiert aus dem Jahr 2007.

Das Familien-Derby: SV Zeißig vs. LSV Bergen

Das Derby zieht in der sächsischen Lausitz die meisten Fans an. Eine verhasste Rivalität sucht man hier in Hoyerswerda aber vergebens. Die Vereine sind durch viele Familien miteinander verbunden. Lange spielte man auch auf demselben Platz, bis sich Zeißig in den 90ern emanzipierte. Eine Zeit lang war es Brauch, dass Zeißigs Zuschauer mit der Kutsche zum Auswärtsspiel fuhren. Diesen gibt es heute nicht mehr, Dorffest-Charakter haben die Derbys aber weiterhin.

Das Mattuschka-Derby: RW Merzdorf vs. SV Dissenchen

Ein Duell, das viele zuerst nennen, wenn reizvolle Derbys gesucht werden. In den 60er Jahren pflegten die Ortsteile im Cottbuser Osten eine gute Nachbarschaft. Auch die Rollen waren klar verteilt: Dissenchen spielte höherklassig, Merzdorf, das 1974 sogar eingemeindet wurde, begnügte sich mit dem Schattendasein. Bis es der Außenseiter wagte, den großen Bruder erstmals zu überholen und einen Derbysieg überschwänglich mit einem Paukenmarsch durch das Dorf des Rivalen zu feiern. Als RWM dem Nachbarn auch noch eine Altliga-Meisterschaft versaute und eine Schlägerei vor der Vereinskneipe in einer Gerichtsverhandlung mündete, herrschte Funkstille. Irgendwann erschien ein gewisser Torsten Mattuschka auf der Bildfläche, der im Merzdorf-Nachwuchs spielte, Ende der 90er aber auf Anraten seines Großvaters zu (O-Ton „Tusche“) „den Molukken“ nach Dissenchen wechselte und dort sagenumwobene 100 Tore in 100 Spielen erzielte. 2016/17 kam es dann nach Jahren mal wieder zum langersehnten Duell. Wochen vor dem Spiel wurde Dissenchens Zentrum mit RWM-Aufklebern verschönert. Die Merzdorfer leugnen den Streich bis heute, das Ordnungsamt ermittelte erfolglos.

Das Mutter-Derby: VfB Herzberg vs. TSV Schlieben

Eine Rivalität, mit der jeder F-Junior aufwächst. Für viele ist es "die Mutter aller Elbe-Elster-Derbys". Die Vereine sahen sich auch schon mal vor Gericht wieder, nachdem ein Ordner bei einem Derby mit einem Bierglas verletzt wurde. Es bringt die Teams aber auch in die komfortable Situation, die Saison mit nur einem einzigen Spiel retten zu können. So wie es der TSV vor zwei Wochen machte, als er mit einem 6:0 den ersten Derbysieg seit 2012 herausschoss.

In der Print-Ausgabe (23.03.2018) der RUNDSCHAU finden Sie die Landkarte zu den zehn Derbys.

Die 10 reizvollsten Derbys der Lausitz FOTO: