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| 02:44 Uhr

Deutsches Team mit positivem WM-Fazit

Der Cottbuser Christian Diener verpasste bei seiner ersten Langbahn-WM nur knapp das Finale über 200 Meter Rücken.
Der Cottbuser Christian Diener verpasste bei seiner ersten Langbahn-WM nur knapp das Finale über 200 Meter Rücken. FOTO: dpa
Kasan. Endlich wieder Gold, doch glänzt längst nicht alles bei den deutschen Schwimmern. Weniger Medaillen gab es nie bei einer WM. Ein Jahr vor Olympia zeichnet sich aber ein besseres Abschneiden ab als in London. Eine geforderte Millionen-Prämie ist indes nur Vision. Marc Zeilhofer und Christian Kunz

Als es um eine Schulnote für das deutsche Abschneiden bei der Schwimm-WM ging, mussten die Hauptverantwortlichen lachen. Nach dem ersten Gold in einem Weltmeisterschaftsbecken seit sechs Jahren und dem erfüllten Medaillenminimum verließen Chefbundestrainer Henning Lambertz und Leistungssportdirektor Lutz Buschkow die vorolympische Bewährungsprobe in Kasan guter Laune. Weltmeister Marco Koch hatte für das Glanzlicht gesorgt, Paul Biedermann sich in der Weltspitze mit Bronze zurückgemeldet.

"Wir sind in vielen Disziplinen näher dran als angedacht, ohne dass man direkt die Wünsche in den Himmel wachsen lässt", erklärte der zufriedene Lambertz. Seine "Topspieler" Biedermann und Koch holten wie die nicht-olympische Lagen-Staffel aus Männern und Frauen über 4 x 100 Meter eine Beckenmedaille. Dank der auch ohne den zurückgetretenen Rekordchampion Thomas Lurz weiter starken Freiwasserschwimmer (1-1-2) reichte es trotz Nullnummer der enttäuschenden Wasserspringer zum anvisierten Minimum von sieben WM-Plaketten. Weniger gab es aber noch bei keiner WM seit der Wiedervereinigung.

"Wir gehen insgesamt als Verband davon aus, dass wir unsere Medaillenzielstellung bei Olympia hoffen erfüllen zu können", betonte Buschkow. Trotz einer "leicht negativen Tendenz" (Buschkow) im von China und den USA um eine überragende Dauergewinnerin Katie Ledecky angeführten Medaillenspiegel. Vier bis sechs Medaillen lautet die Zielvereinbarung für Rio, die aber vor den Rücktritten von Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen und Lurz getroffen wurde.

In London bewahrte 2012 nur das Lurz-Silber den Deutschen Schwimm-Verband vor einer historischen Pleite. "Wir sichten vielleicht mehr Karpfen als Delfine in Richtung Weltspitze", hatte Buschkow noch auf der Insel erklärt.

Der Leistungssportdirektor musste lächeln, als er am Sonntag zum Abschluss der Titelkämpfe in Kasan noch einmal darauf angesprochen wurde. Auch wenn der DSV nicht überall einen Flipper hat, waren viele persönliche Bestleistungen Hoffnungszeichen für eine erfolgreichere Olympia-Zukunft. Besonders in den für das Prestige so wichtigen Beckenwettbewerben. Mit elf Finalplätzen und drei Medaillen (1-0-2) ist der DSV im Becken besser als beim WM-Tiefpunkt in Barcelona vor zwei Jahren (10 Finalplätze/eine Medaille).

Durch 28 Top-16-Platzierungen in Einzelrennen wurde ein weiteres Ziel erreicht. Noch wichtiger war für Lambertz aber, dass sich über 50 Prozent seiner Athleten im Vergleich zu den deutschen Meisterschaften steigern konnten. Vor zwei Jahren war das nur 20 Prozent gelungen. Lambertz will die Schwimmer bis 2020 breiter in der Weltklasse etabliert haben. "Man hat gesehen, dass wir ein richtig großes Stück schon geschafft haben", sagte Lambertz, etwa "30 Prozent".

Zum WM-Abschluss sprach der Chefbundestrainer auch noch einmal von einer olympischen Vision. "Wenn man da einen Anreiz schafft, ich sage jetzt mal eine fiktive Summe, da soll mich keiner drauf festnageln, man kriegt für den Olympiasieg eine Million", dann sei das für viele Spitzensportler ein Anreiz, "sich darauf zu fixieren". Aber in Rio soll das auch ohne eine solche Prämie gehen.

Zum Thema:
Beim vieldiskutierten Thema Doping hat der Weltverband Fina keine klare Haltung erkennen lassen. Zwei Jahre beträgt die Regelsperre für Dopingfälle. Doch Russlands Schwimm-Darling Julija Jefimowa (16 Monate) und Chinas Olympiasieger Sun Yang (drei Monate) durften dank verkürzter Sperren in Kasan starten. Jefimowa irritierte bei der WM zudem mit dem schrägen Vergleich, Doping sei wie zu schnelles Autofahren, und nach bezahltem Strafzettel sei alles wieder gut. Die Fina selbst scheint im Anti-Doping-Kampf ihre eigenen Zahlen nicht zu kennen. Generalsekretär Cornel Marculescu sprach zunächst von 3000 WM-Dopingtests, auf Nachfrage von 300, um schließlich telefonisch über etwa 1000 verschiedene Tests informieren zu lassen.