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| 19:09 Uhr

Fußball
„Der Videobeweis kann das Leben erleichtern“

Gelbe Karte für den Videobeweis? Auf keinen Fall! Schiedsrichter Felix Schwella (l.) verteidigt die Technik und verwarnt weiterhin nur Spieler.
Gelbe Karte für den Videobeweis? Auf keinen Fall! Schiedsrichter Felix Schwella (l.) verteidigt die Technik und verwarnt weiterhin nur Spieler. FOTO: Sven Bock / FuPa Brandenburg
Ein Lausitzer Schiri stellt sich schützend vor das neue Verfahren. Er erklärt aber auch, warum er es in der Kreisoberliga nicht braucht.

Herr Schwella, stellen Sie sich vor, Sie wären Schiedsrichter-Obmann beim DFB: Hätten Sie den Videobeweis vor der Saison eingeführt?

Schwella Ja.

Und würden Sie ihn Stand heute noch immer einführen?

Schwella Ich wäre dabei geblieben, weil ich denke, dass wir die Medien, die wir haben, auch nutzen sollten. Der Videobeweis kann den Schiedsrichtern das Leben erleichtern.

Trotzdem wird dieser Tage viel über seine Anwendung diskutiert. Ist die Diskussion Ihrer Meinung nach verständlich oder überzogen?

Schwella Wir befinden uns in einer Testphase. Es überrascht mich nicht, dass die Technik da noch ein paar Kinderkrankheiten hat. Man muss jetzt einfach ausprobieren, was und wie es hilft. Für neue Sachen muss immer erst Akzeptanz geschaffen werden. Es braucht Zeit, bis sie als Normalfall wahrgenommen werden. Von daher finde ich die Diskussion nur logisch. Allerdings sollte nicht um die Abschaffung, sondern um die Verbesserung des Videobeweises gestritten werden.

Könnte die Autorität der Schiedsrichter-Riege nicht gefährdet werden durch einen Video-Assistenten, der den Spielleiter auf dem Feld gegebenenfalls überstimmt?

Schwella Da habe ich eigentlich keine Angst. Die Eingriffe des Assistenten sollen ja in einem entsprechenden Rahmen bleiben. Er soll den Schiedsrichter unterstützen und nicht ersetzen.

Sie würden also auch technische Hilfe in der Kreisoberliga begrüßen?

Schwella Eher nicht. Ich glaube, dass solche Dinge im Profifußball notwendig sind, wo es um viel Geld und Existenzen geht. Im Freizeitfußball braucht man das nicht, hier sollte es um den Spaß gehen. Wir können strittige Situationen etwas anders lösen, das fördert auch den Dialog zwischen Schiedsrichtern und Spielern. Bei uns in der Region ist das Amtieren derzeit sehr angenehm, die Mannschaften gehen nach meinem Empfinden meistens fair miteinander um.

In Hamburg wurde ein Schiedsrichter während eines A-Junioren-Spiels kürzlich von einer Mutter aufgehalten, die eine Szene mit ihrem Handy gefilmt hatte und ihn nun auf eine falsche Abseitsentscheidung aufmerksam machen wollte. Hat sich Ihr Alltag in der Kreisoberliga auch verändert seit der Einführung des Videobeweises?

Schwella Keineswegs. Nur die Diskussionen abseits des Platzes drehen sich jetzt halt vermehrt um den Videobeweis.

Beim Eishockey werden Fernsehaufzeichnungen schon seit vielen Jahren zurate gezogen, wenn es um die Frage „Tor oder kein Tor“ geht. Spieler und Fans scheinen kein Problem damit zu haben, wenn der Referee mal für zwei Minuten zum Monitor geht. Sind Spieler und Zuschauer beim Fußball ungeduldiger als beim Eishockey?

Schwella Ich denke, der Vergleich hinkt ein wenig. Beim Fußball haben wir naturgemäß viele Unterbrechungen zum Beispiel durch Einwürfe und Freistöße und die fallen auch etwas länger aus. Jede Pause macht das Spiel unattraktiv, im Eishockey dagegen geht es ja viel schneller zu. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass wir in einem Lernprozess stecken. Irgendwann wird der Videobeweis genauso dazugehören wie beim Eishockey und die Leute werden sich bei ihren Diskussionen wieder auf andere Sachen konzentrieren. Über die Torlinientechnik oder den Einsatz des Ellenbogens bei Luftduellen, der vor Jahren ein großes Thema war, wird doch auch nicht mehr debattiert.

Wie müsste man den Videobeweis Ihrer Meinung nach reglementieren, damit er vollends akzeptiert wird?

Schwella Dass jede Mannschaft aus einem gewissen Kontingent schöpfen kann, um Szenen anschauen zu lassen, wäre eine interessante Sache. Auch der zweite Video-Assistent, der jetzt kommen soll, kann dienlich sein. Ich glaube auch, dass der DFB schon klare Rahmen abgesteckt hat. Es soll nur bei den vier Punkten Torerzielung, Strafstoß, Rote Karte oder der Verwechslung eines Spielers eingegriffen werden. Wie gesagt, da steht man noch am Anfang. Wie heißt es so schön: Learning by doing.

Halten Sie es trotzdem für möglich, dass der Videobeweis nach der Testphase abgeschafft wird?

Schwella Das kann ich mir nicht vorstellen, zumal er auch schon seine positiven Momente hatte. Über die wird nur weniger gesprochen. Im Pokalspiel zwischen Leipzig und Bayern hat man doch erlebt, wie sehr wir den Videobeweis gebrauchen können. Letztlich nimmt er etwas Verantwortung von den Schultern der Schiedsrichter auf dem Platz.

Mit Felix Schwella
sprach Steven Wiesner

Quo Vadis Videobeweis? Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz schaut sich eine Szene in der Video Area an. Doch das Prozedere ist umstritten.
Quo Vadis Videobeweis? Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz schaut sich eine Szene in der Video Area an. Doch das Prozedere ist umstritten. FOTO: Stefan Puchner / dpa