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Der Unvollendete

Dagur Sigurdsson
Dagur Sigurdsson FOTO: dpa
Paris. Als längst alles vorbei war, versagte Dagur Sigurdsson die Stimme. Minutenlang bekam der scheidende Bundestrainer kaum einen geraden Ton heraus, er hustete immer wieder, sein Hals war trocken. dpa/noc

"Ich brauche etwas Wasser", sagte der Isländer nach dem 20:21 im WM-Achtelfinale gegen Katar. Diese Niederlage sei "mit Abstand die größte Enttäuschung" seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit.

Was aber bleibt von dem 43-Jährigen, dem der deutsche Handball nach Experten-Ansicht so viel zu verdanken hat? Als der Isländer den Posten des Bundestrainers im August 2014 übernahm, war der Sport in Deutschland am Boden. Jetzt verlässt er die Mannschaft nach einem Rückschlag, der aber erst wegen seiner erfolgreichen Arbeit so unerwartet wie überraschend kam. Mit dem sensationellen Gewinn des EM-Titels vor einem Jahr und der Bronzemedaille bei Olympia hatte Sigurdsson für die WM Erwartungen geschaffen, die noch vor zwei Jahren unvorstellbar waren. Sigurdsson hat eine junge Mannschaft aufgebaut, die sein Nachfolger weiterent wickeln und bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu Gold führen soll. Sigurdsson blieb die Vollendung seiner Arbeit verwehrt. Er wird mit seiner Familie nun von Berlin zurück nach Island ziehen. Von dort wird Sigurdsson dann regelmäßig nach Japan reisen, um dort das Nationalteam auf Olympia 2020 in Tokio vorzubereiten.