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Der ukrainische Stammhalter ist zurück

Olympia-Finalist Igor Radivilov ist die Cottbuser Verstärkung an Sprung, Ringen und Boden im Kampf ums kleine DTL-Finale. Er turnt nun seine zweite Saison für den SCC.
Olympia-Finalist Igor Radivilov ist die Cottbuser Verstärkung an Sprung, Ringen und Boden im Kampf ums kleine DTL-Finale. Er turnt nun seine zweite Saison für den SCC. FOTO: dpa
Cottbus. Für den SC Cottbus beginnt die Deutsche Turnliga (DTL) am Samstag erst richtig. Nach den beiden erwarteten Niederlagen gegen die Topteams zum Auftakt kämpfen die Lausitzer von nun an um die Teilnahme am kleinen Finale. Mit Igor Radivilov bekommt der SCC dabei meisterliche Hilfe, er führt eine lange ukrainische Tradition in der Lausitz fort. Jan Lehmann

Seit Donnerstag ist Igor Radivilov in Cottbus, am Samstag geht er das erste Mal in dieser Saison für den SCC an die Geräte: Beim DTL-Wettkampf beim TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau (17 Uhr) ist der Ukrainer für die Cottbuser ein Hoffnungsträger: "Igor wird uns sehr helfen", blickt Jung-Turner Devin Woitalla optimistisch voraus.

Tatsächlich kann der extrovertierte Draufgänger, der bei den Olympischen Spielen mit einem spektakulären Dreifach-Vorwärts-Salto ein neues Element kreierte, dem SCC den entscheidenden Schwung geben. Schließlich stehen nach dem Wettkampf in Schwäbisch Gmünd noch die Duelle gegen die Teams aus Stuttgart, Obere Lahn, Siegerland und Monheim an - alles Mannschaften, die der SC Cottbus an guten Tagen durchaus bezwingen kann. "Es wird darauf ankommen, wie wir uns in diesen Wettkämpfen anstellen. Wir haben gegen die TG Saar schon wichtige Gerätepunkte gemacht, die uns in der Endabrechnung vielleicht helfen können", betonte Christopher Jursch nach der klaren Heimniederlage gegen Straubenhardt.

In Schwäbisch Gmünd soll jetzt Radivilov vor allem an Sprung, Ringen und Boden helfen. Der SC Cottbus hat ihn nun schon für die zweite Saison verpflichtet, er ist mit seiner Freundin Angelina Kyslaia in die Lausitz gekommen. Sie ist ebenfalls Turnerin, kann hier unter optimalen Bedingungen trainieren. Der Cottbuser Plan ist klar: Radivilov soll es in der Lausitz gut gehen, anders als bei zahlungskräftigeren Konkurrenten in der DTL muss der SCC eben mit dem Wohlfühlfaktor punkten.

Radivilov ist so etwas wie der ukrainische Stammhalter einer inzwischen langen Turntraditon in Cottbus. Die Verbindung besteht schon seit mehr als 20 Jahren: 1995 streifte als Erster der ukrainische Mehrkampf-Weltmeister und Olympiasieger Grigori Misjutin das SCC-Trikot über, ihm folgte für fünf Jahre dessen Landsmann Alexander Svetlichny. Sogar zwölf Jahre lang punktete Roman Zozulja beständig und hochwertig für Cottbus. Er ist jetzt Trainer in der Lausitz, genau wie Oleksandr Suprun. Der 29-Jährige, der für den SCC in dieser Saison auch noch turnt, ist inzwischen zudem für den Cottbuser Nationalturner Christopher Jursch verantwortlich.

Er löst Karsten Oelsch ab, der als sportlicher Leiter beim SCC jetzt andere Aufgaben hat und außerdem die jungen Talente trainiert. Oelsch berichtete zuletzt: "Das ist für mich eine neue Aufgabe, die mir viel Spaß bereitet." Supruns Qualitäten lobt er sehr und sagt: "Er bringt sich sehr gut ein und hilft uns enorm."

Die Einflüsse der über viele Jahre erfolgreichen ukrainischen Turnschule nimmt man in Cottbus gern an. Oelsch betont: "Es zahlt sich für uns auch aus, dass wir nicht ständig neue Gast turner verpflichtet, sondern auf langfristige Verbindungen gesetzt haben."

Dafür nimmt man es in Cottbus in Kauf, meist die zweite Garde zu bekommen - den ukrainischen Topstar Oleg Verniaev, der für die TG Saar turnt, kann und will man sich beispielsweise nicht leisten. Doch dessen Landsmann Radivilov ist vielleicht nicht ganz so vielseitig wie der Silber medaillen-Gewinner im olympischen Mehrkampf von Rio, doch dafür vielleicht spektakulärer. Sein Dreifach-Salto sorgte in Rio für heftige Diskussionen darüber, wie weit man die Schraube bei den immer verrückteren Elementen noch drehen kann, ohne dabei ein lebensgefährdendes Risiko einzugehen. Fest steht: Der neueste Stammhalter der ukrainischen Tradition in Cottbus kann dem SCC jetzt ganz sicher auf die Sprünge helfen.