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Der Schwarze schlägt zurück

43 Episoden aus einem Schiedsrichterleben in Brandenburg und Sachsen. Frank Neubert rechnet dabei nicht ab. Er unterhält.
43 Episoden aus einem Schiedsrichterleben in Brandenburg und Sachsen. Frank Neubert rechnet dabei nicht ab. Er unterhält. FOTO: Klein
Senftenberg. Noch heute bekommen viele Fußballer aus Südbrandenburg und Sachsen Schnappatmung, wenn der Name Frank Neubert fällt. Obwohl der gar nicht mehr pfeift. Sascha Klein

Mehr als vier Jahrzehnte ist er Schieds- und Linienrichter gewesen - und in der Lausitzer Fußballszene bekannt wie ein bunter Hund. Mehr als 2500 Spiele in fünf Bundesländern hat der Mann, der im Hauptberuf Senftenbergs Wirtschaftsförderer ist und im Senftenberger Ortsteil Hosena wohnt, auf dem Buckel. Oft war er streng, aber regelmäßig hat er Spieler und Trainer auch auf die Schippe genommen. Hart, aber herzlich: Neubert zahlt Ärger auf dem Platz mit verrückten Aktionen zurück.

Jetzt hat Frank Neubert, quasi in der dritten Halbzeit, seine schönsten Anekdoten aus mehr als 40 Jahren in einem Buch zusammengefasst. "40 Jahre Schwarze Sau" heißt es und zeigt, dass das Schiedsrichtersein nicht immer eine bierernste Angelegenheit ist. Voraussetzung: ein wenig Mut und den Schalk im Nacken.

Beispiel gefällig? Bitte schön: Da stapft Neubert beim Auswärtsspiel des FSV Glückauf Brieske/Senftenberg im Lübbener Stadion der Völkerfreundschaft Mitte 2017 ganz selbstverständlich in die Briesker Kabine und erzählt im Brustton der Überzeugung, er sei jetzt als Schiri angesetzt worden. Ein Jahr nach seinem eigentlichen Karriereende. Begründung: Der eigentliche Unparteiische sei vorher vom Verein bestochen und vom Verband abgesetzt worden. Alles frei erfunden, aber Neubert schafft es doch, dass den Briesker Spielern reihenweise die Gesichtszüge einschlafen. Denn - Brieske und Neubert: Das war nie eine Liebesbeziehung. Weshalb er tatsächlich in Lübben gewesen ist: Einige altgediente Schiris sind im Spreewald zum "Tag der Ehrenschiedsrichter" unterwegs: Floßfahrt, ein paar alte Geschichten - und der Senftenberger nutzt die Chance, um sich noch einmal in Erinnerung zu bringen. Irgendwann werden es die Briesker auch ulkig gefunden haben.

Dabei hat Frank Neubert gleich in seinem ersten Spiel bei den Männern richtig leiden müssen. Traktor Merschwitz III gegen Empor Heyda III. Neubert ist knapp 16 - und verpfeift das Spiel ordentlich. Doch bevor die Meute der Spieler auf ihn losgehen kann, verbarrikadiert er sich in der Schirikabine und flieht schließlich aus dem Fenster. Irgendwie will man ihn bemitleiden, aber dann doch nicht.

Offenbar hat ihm dieses Erlebnis nicht geschadet - denn anschließend hat der Mann noch gut 225 000 Minuten auf dem Platz gestanden. Was seine Anekdoten so lesenswert machen: Er schreibt, wie er spricht. Das ist nicht glatt gebügelt, das ist kein hochintellektuelles Gefasel, das ist direkt, ein kleines bisschen verschachtelt und detailverliebt - so erzählt er eben. Witziger wäre nur ein Hörbuch - von ihm eingesprochen.

Und so bekommt der Leser auch seinen nächsten Schabernack brühwarm serviert: an einem 1. April in Döbern - und er zeigt einem Stürmer unvermittelt die blaue Karte. Vorher ist alles mit dem Verein besprochen, alle sind eingeweiht - nur dieser eine Spieler nicht. April, April - und der Verscheißerte fragt auch noch, ob er jetzt vom Platz muss. Musste er natürlich nicht. Neubert lacht heute noch bei dem Gedanken an die Geschichte. Weshalb er sich die geleistet hat: weil er Lust darauf hatte - und keine weiteren Ambitionen auf höhere Ligen. Überhaupt scheint der Wirtschaftsförderer gelangweilt von nur gelben oder roten Karten zu sein. Einem dauermeckernden Trainer hat er einmal eine schwarze Karte unter die Nase gehalten. Einmal zeigen kostet 50 Euro, zweimal 100. Danach ist Ruhe gewesen, sagt er. Auch das gehört zu Neuberts Regeln.

Dabei hätte der Hosenaer fast einmal ein Spiel der Bundesliga-Mannschaften von Energie Cottbus und Hertha BSC in Gröditz gepfiffen. Weshalb es dazu nicht gekommen ist: in Kapitel zwölf ist es nachzulesen.

Das Buch "40 Jahre Schwarze Sau" ist für 11,90 Euro unter der ISBN Nummer: 978-3-7450-1016-9 über alle Buchhändler, Amazon. epubli-Shop und weitere Internet-Anbieter erhältlich. Einen direkten Link gibt es auch über Frank Neuberts Homepage unter:

www.frank-neubert.info