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"Der perfekte Tag" – Martin auf dem WM-Thron

Happy End nach monatelangen Selbstzweifeln: Mit satten 45 Sekunden Vorsprung holte sich Tony Martin am Mittwoch das ersehnte WM-Gold im Einzelzeitfahren.
Happy End nach monatelangen Selbstzweifeln: Mit satten 45 Sekunden Vorsprung holte sich Tony Martin am Mittwoch das ersehnte WM-Gold im Einzelzeitfahren. FOTO: dpa
Doha. Tony Martin ist wieder da. Der 31-Jährige hat bei der Straßenrad-WM in Doha die Goldmedaille gewonnen und damit ein persönliches Happy End gefeiert. Noch vor zwei Monaten erlebte der gebürtige Cottbuser in Rio ein Debakel, nun zieht er mit WM-Rekordsieger Fabian Cancellara gleich. Stefan Tabeling

Zwischen den imposanten Hochhäusern von Doha wollte das Strahlen aus dem Gesicht von Tony Martin gar nicht mehr verschwinden. Immer wieder schüttelte der Radprofi erschöpft, aber überglücklich den Kopf nach seinem sensationellen Comeback auf dem WM-Thron. Vorbei waren all die Selbstzweifel der letzten Wochen und Monate, vergessen die Strapazen beim Rennen durch die heiße Wüste.

"Das war der perfekte Tag, eine Triumphfahrt von Kilometer 0 bis 40. Heute hat sich die harte Arbeit ausgezahlt", sagte Martin, nachdem er am Mittwoch zum vierten Mal den WM-Titel im Einzelzeitfahren bei der Straßenrad-WM geholt und mit Rekordgewinner Fabian Cancellara gleichgezogen hatte.

Es war ein kaum für möglich gehaltenes Happy End für den gebürtigen Cottbuser, der noch vor neun Wochen bei den Olympischen Spielen mit Platz zwölf ein Debakel erlebt hatte. "Dieser Titel macht alles vergessen, was bisher in diesem Jahr war. In meinem Inneren wusste ich, dass ich Weltmeister werden könnte", sagte Martin und blickte zurück: "Es waren zwei schwierige Jahre, da zweifelt man an sich selbst. Es kommt der Punkt, wo man sich fragt, ob es das schon gewesen ist."

Mitnichten. In Doha holte sich Martin nach drei langen Jahren das WM-Trikot zurück. Und wie! Mit weit aufgerissenem Mund hatte Martin nach 44:43 Minuten das Ziel erreicht und die Bestzeit vorgelegt. An diese Paradezeit kam die Konkurrenz nicht mehr heran. Vorjahressieger Wasil Kirijenka aus Weißrussland wurde mit einem Rückstand von 45 Sekunden als Zweiter gestoppt, was Welten im Radsport sind. Den dritten Platz belegte der spanische Europameister Jonathan Castroviejo Nicolas mit einem Rückstand von 1:11 Minuten. Der niederländische Topfavorit Tom Dumoulin verlor gar zwei Minuten auf Martin.

Heilende Pleite in Rio

Noch in Rio hatte Martin einen derartigen Rückstand mit sich herumgeschleppt. Eine denkwürdige Pleite, aber auch eine mit heilender Wirkung. "Es gehört zu einem Sportlerleben dazu, dass man Tiefpunkte hat. In jedem Schlechten steckt auch was Gutes", sagte Martin, der die Lehren zog und mit dem anschließenden Crashkurs goldrichtig lag. Martin hatte seine Rennmaschine umgerüstet und war zur alten Sitzposition zurückgekehrt, mit der er schon drei Titel eingefahren hatte.

Dazu hatte sich der gebürtige Lausitzer speziell auf die Hitze vorbereitet. Zur besseren Akklimatisierung für die Rennen bei Temperaturen bis zu 40 Grad hatte der Wahl-Schweizer Spezialeinheiten mit dicken Trikots auf der Rolle vor dem Heizlüfter eingelegt. Das war auch nötig, denn auch am Mittwoch herrschten wieder Temperaturen von weit über 30 Grad. Dazu war es windstill, was die Bedingungen nicht einfacher machte.

An diesem Donnerstag beginnen in Doha die Straßenrennen, Höhepunkt ist das Männer-Rennen am Sonntag. Dort hofft das deutsche Team auf den ersten Titel seit dem Triumph von Rudi Altig vor 50 Jahren. Ein hochmotivierter Tony Martin, der mit seinem Team Etixx auch schon das Mannschaftszeitfahren gewonnen hatte, wird alles dafür geben.