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Dynamo Dresden
Der Mythos Dynamo Dresden – eine Berg- und Talfahrt

Dresden. Von Jens Maßlich

DER „DRESDNER KREISEL“: 1948 als „Sportgemeinschaft Deutsche Volkspolizei Dresden“ ins Leben gerufen, gründete sich am 12. April 1953 im Dresdner Filmtheater „Schauburg“ die SG Dynamo Dresden. Nur knapp drei Monate später konnte gegen die BSG Wismut Aue der erste Meistertitel gefeiert werden. Das folgende Jahrzehnt war, geprägt von Trainer-Legende Walter Fritzsch, das erfolgreichste der Vereinsgeschichte. Der „kleine General“ ließ temporeichen, ballorientierten Fußball spielen, der als „Dresdner Kreisel“ berühmt wurde.

RAUSCHENDE EUROPA-NÄCHTE:
52 Mal trat Dynamo während der Ära-Fritzsch in internationalen Wettbewerben an, 98 Mal insgesamt. Im Gedächtnis blieben legendäre Partien unter anderem gegen den FC Liverpool, Juventus Turin und Bayern München. Fest verankert in der Dynamo-Historie ist aber wohl vor allem das „Wunder von der Grotenburg“ gegen Bayer Uerdingen im März 1986. Nach einem 2:0-Hinspielsieg führte Dresden auswärts zur Halbzeit bereits mit 3:1, unterlag aber noch mit 3:7. Ein unschönes Ende der Europapokal-Ära stellte die Partie gegen Roter Stern Belgrad im März 1991 dar. Überschattet von Ausschreitungen musste sie abgebrochen werden.

DER ABSOLUTE TIEFPUNKT: Nach dem Gewinn des dritten Doubles aus Meisterschaft und Pokal 1990 und der Qualifikation für die Bundesliga ein Jahr später, bekam Dynamo schnell die Gesetzmäßigkeiten des Profi-Geschäfts zu spüren. Als Folge von erheblicher Misswirtschaft unter Präsident Rolf-Jürgen Otto stand 1995 der Lizenzentzug und der damit verbundene Neustart in der Regionalliga. Fünf Jahre später folgte der nächste Tiefpunkt. Die Sachsen verpassten die Qualifikation für die neu eingeführte zweigleisige Regionalliga, spielten dadurch erstmals seit 1957 wieder viertklassig. Unter Trainer Christoph Franke begann 2000 der Neuaufbau, der vier Jahre später mit dem Aufstieg in die 2. Liga gekrönt wurde. Nach zwei Spielzeiten musste man den abermaligen Abstieg hinnehmen. Nach der Rückkehr 2011 folgte der erneute Abstieg zwei Jahre später.

DIE NUMMER EINS IM OSTEN: Auch wenn Dynamo inzwischen sportlich vom finanzstarken sächsischen Konkurrenten RB Leipzig überholt wurde, so ist der 2011 ausgerufene Neuanfang eine Erfolgsgeschichte. Ein wahrer Mitglieder-Boom macht die Elbestädter mit über 21 300 Mitgliedern zum größten Sportverein der neuen Bundesländer – und der Boom hält an. Dank seiner treuen Anhänger und angesichts von höheren Einnahmen konnte auch die wirtschaftliche Konsolidierung erfolgreich vorangetrieben werden. Die Altlasten sind abgebaut, der mitgliedergeführte Verein schreibt schwarze Zahlen.

(dpa)