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| 18:59 Uhr

Leichtathletik
Der Lausitzer „Läufer-König“

Im vergangenen Jahr triumphierte Robert Kubisch (27) beim Spreewaldmarathon in Burg über die 42,195 Kilometer. An diesem Wochenende startet er über die halbe Distanz – das aber gleich zweimal.
Im vergangenen Jahr triumphierte Robert Kubisch (27) beim Spreewaldmarathon in Burg über die 42,195 Kilometer. An diesem Wochenende startet er über die halbe Distanz – das aber gleich zweimal. FOTO: Michael Helbig
Cottbus/Burg. Der Cottbuser Robert Kubisch nimmt im Spreewald beide Halbmarathon-Strecken in Angriff – und ist Top-Favorit auf den Gesamtsieg. Von Mirjam Danke

„Läufer-König“ – als solcher wird gekrönt, wer an diesem Wochenende beim Spreewald-Marathon in Summe die besten Laufzeiten auf den beiden Halbmarathonstrecken zu bieten hat. Der Sieg, so viel steht schon jetzt fest, dürfte dabei nur über Robert Kubisch gehen. „Mein Ziel ist es, beide Halbmarathons zu gewinnen“, redet der Topfavorit erst gar nicht lange um den heißen Brei herum. Und der angestrebte Doppelerfolg ist tatsächlich keine gewagte Prognose, denn der 27-Jährige ist unter den ambitionierten Hobbyläufern in der Lausitz derzeit einfach das Nonplusultra.

Wobei es der Begriff „ambitionierter Hobbyläufer“ eigentlich nicht richtig trifft. Kubisch bewegt sich weit darüber hinaus, an der Schwelle zum Leistungssport. 120 bis 150 Kilometer spult er wöchentlich ab. In der direkten Vorbereitung auf einen Wettkampf trainiert er manchmal auch zweimal täglich.

Lauftrainer Dietmar Bittermann, der Kubisch beim Verein Kimbia Sports bei der Trainingssteuerung hilft und ihm Ratschläge erteilt, hält viel von seinem Schützling. „Er hat hohe Ansprüche und setzt hohe Belastungen um – das kommt schon sehr nah ran an Leistungssport“, sagt Bittermann.

Bei derartigen Belastungen und trotz des riesigen Potenzials am Ende doch kein Leistungssportler zu sein, ist indes kein Umstand, der auf Kubisch als Motivationskiller wirkt. „Meine persönlichen Ziele reichen mir als Motivation. Natürlich habe ich mir auch Gedanken darüber gemacht, was wäre, wenn ...“, räumt der Cottbuser ein. „Wenn man ganz nach oben will, wäre das Pensum aber noch viel größer, und ich hätte auch viel früher damit anfangen müssen.“

Mit fast 28 Jahren ist Robert Kubisch, der 24-Stunden-Dienste bei der Cottbuser Berufsfeuerwehr schiebt, auch als Nicht-Leistungssportler zufrieden. „Ich mache meinen Job gerne, Freizeit habe ich auch, und ich kann beim Essen auch mal sündigen oder feiern gehen – das wäre als Leistungssportler alles nicht möglich.“

Schnell rennen und viel trainieren will Kubisch aber trotzdem, und sich immer größere Ziele setzen. Erst jüngst hat er seinen ersten Ultralauf absolviert – und ist bei den Deutschen Meisterschaften über 50 Kilometer prompt zur Silbermedaille gelaufen. Fast hätte es in Ebershausen bei Ulm sogar zum ganz großen Coup für den dort unbekannten Lausitzer gelangt. Denn Kubisch hatte lange Führungsarbeit geleistet, musste sich dann aber doch Frank Merrbach (LG Nord Berlin) geschlagen geben, der in einer Zeit von 3:03:27 Stunden gewann. Kubisch kam als Zweiter in 3:07:20 ins Ziel, vor Tobias Babel (MTV Freiheit Osterode/3:11:25).

„Ich habe das Optimum rausgeholt und bin mit Platz zwei und der Zeit sehr zufrieden“, freut sich Kubisch. „Da hat sich das Training gelohnt.“ So einfach wegstecken lassen sich die 50 schnellen Kilometer allerdings nicht. Auch in dieser Woche, eineinhalb Wochen nach den Meisterschaften, ist Kubisch „muskulär immer noch ganz schön am Boden“, wie er kurz vor seinem Doppelstart im Spreewald lächelnd einräumt. Auch wenn die Muskeln vielleicht noch nicht wieder so gut mitspielen, wird er die 21,5 Kilometer am Samstag in Lübbenau und die 21,1 Kilometer am Sonntag in Burg (Start: 10.30 Uhr) sicher dennoch nicht kampflos abschenken.

Zwei Halbmarathons an zwei aufeinanderfolgenden Tagen – ist das nicht eine unglaubliche Tortur? Kubisch winkt ab. „So weit ist das gar nicht vom Trainingspensum weg. Und außerdem ist das ja meine Leidenschaft, mir macht das großen Spaß.“

Großes Ausruhen ist für den Cottbuser, der im vergangenen Jahr im Spreewald Sieger über die 42,195 Kilometer war, nach dem Doppelstart in Burg übrigens nicht drin. Nur eine Woche später steht der Marathon in Hamburg auf seinem Programm. Eine Zeit von 2:30 Stunden strebt Robert Kubisch dort an. Trainer Bittermann traut ihm über die Königsstrecke irgendwann sogar eine 2:20 zu.

An diese Top-Zeit will sich Robert Kubisch in den kommenden Jahren Schritt für Schritt herantasten. Doch das ist nicht sein einziges Ziel. Er träumt darüber hinaus von noch viel größeren Distanzen als der Marathonstrecke (42,195 Kilometer) oder dem 50-Kilometer-Lauf jüngst. „Nächstes Jahr will ich die 100 Kilometer angehen“, frohlockt der Cottbuser. „Das ist dann noch mal eine höhere Dimension.“

Fürs Erste stehen an diesem Wochenende im Spreewald aber zweimal 21 Kilometer auf dem Plan. Gegen den angestrebten Ultralauf nimmt sich das fast wie ein Spaziergang auf dem Weg zum „Läufer-König“ aus.