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| 02:41 Uhr

Der Frust der Frohnatur

Pierre-Emerick Aubameyang gab eine unglückliche Figur ab.
Pierre-Emerick Aubameyang gab eine unglückliche Figur ab. FOTO: dpa
Lissabon. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Benfica Lissabon vergibt Borussia Dortmund leichtfertig eine bessere Ausgangsposition. Vor allem Torjäger Aubameyang hat allen Grund zum Ärger. Heinz Büse

Die Frohnatur schob mächtig Frust. Mit hängenden Schultern und gesenktem Blick flüchtete Pierre-Emerick Aubameyang schnellen Schrittes in den Dortmunder Mannschaftsbus. Fragen nach seinem fahrlässigen Umgang mit selbst besten Chancen und dem verschossenen Elfmeter beim 0:1 (0:0) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Benfica Lissabon ging der ansonsten stets gut gelaunte Fußball-Profi von Borussia Dortmund aus dem Weg.

Mitfühlend kommentierte Torhüter Roman Bürki den schwarzen Abend seines Kollegen: "Er weiß selbst, dass es heute nicht sein Spiel war. Aber er hat uns schon so oft den Arsch gerettet." Ausgerechnet der zurzeit beste Bundesliga-Torschütze wurde zur Symbolfigur des Dortmunder Unvermögens. Obwohl er zuvor schon drei Möglichkeiten (10./31./51. Minute) ausgelassen hatte, schnappte sich Aubameyang nach dem Elfmeterpfiff des Schiedsrichters selbstbewusst den Ball und signalisierte dem ebenfalls schussbereiten Marco Reus, sich seiner Sache ganz sicher zu sein.

Doch sein kläglicher Schuss vom Punkt in der 59. Minute brachte sein in allen Belangen überlegenes Team um den verdienten Lohn. Nach Einschätzung von Weltmeister André Schürrle ist Aubameyang trotz dieser bedenklichen Pannenserie schon bald wieder der Alte: "Er war heute ein bisschen niedergeschlagen. Aber spätestens ab Morgen wird er wieder sein Lächeln haben - und am Wochenende wahrscheinlich ein, zwei Tore machen."

Unmittelbar nach dem Elfmeter wurde der Fehlschütze ausgewechselt. Das werteten vielen Beobachter als Strafaktion des Dortmunder Trainers. Dieser Interpretation widersprach Thomas Tuchel vehement. "Das hatte rein sportliche Gründe und war keine erzieherische Maßnahme. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein Problem mit meiner Entscheidung hat." Weil der Torjäger nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup einen "körperlichen Rückstand" habe, sei man sich schon vor dem Anpfiff über eine Auswechslung Mitte der zweiten Spielhälfte einig gewesen.

"Es war ein schwarzer Abend für mich. Ich bin sehr traurig", kommentierte Aubameyang am Mittwoch kurz vor der Rückreise seinen Auftritt. Die Auswechslung sei kein Problem für ihn gewesen. "Ich kann sie akzeptieren, weil ich im Moment auch nicht richtig fit bin", fügte er hinzu. Immerhin konnten sich die Dortmunder damit trösten, nach der 1:2-Blamage in Darmstadt und den Schlagzeilen um die DFB-Strafe zur Sperrung der Südtribüne eine bemerkenswerte Reaktion gezeigt zu haben. "Das war eines unserer besten Spiele in dieser Saison", befand Keeper Roman Bürki. Doch weil nicht nur Aubameyang, sondern auch andere BVB-Profis vor dem Tor Nerven zeigten und zudem Benfica-Schlussmann Ederson eine Weltklasse-Leistung bot, ging der Bundesliga-Vierte leer aus. Abwehrchef Sokratis trauerte der vergebenen Chance auf eine bessere Ausgangsposition nach: "Von zehn solcher Spiele gewinnst du normalerweise neuneinhalb."

Der verschwenderische Umgang mit Torchancen ist für die Dortmunder jedoch nicht wirklich neu. "Das Problem haben wir schon ein paar Wochen länger", bekannte Sportdirektor Michael Zorc, "wir brauchen mehr Konsequenz im Abschluss."

Angesichts des unglücklichen Spielverlaufs brennen die Dortmunder auf Revanche am 8. März vor heimischer Kulisse. "Für solche Tage gibt es ein Rückspiel", sagte Tuchel voller Vorfreude auf das zweite Duell mit dem portugiesischen Meister, der seine einzige Chance durch Kostas Mitroglou (48.) eiskalt nutzte. Ähnlich wie Tuchel demonstrierte auch Torhüter Bürki Zuversicht: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine Runde weiterkommen."