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| 18:55 Uhr

Leichtathletik
Hartes Training für einen großen Traum

 Tobias Geike auf dem Rad und im Laufschritt. Der 21-jährige Lausitzer ist ein hochtalentierter Triathlet. Im Juli startet er bei der „Challenge Roth“, dem berühmten Triathlon-Wettkampf über die Langdistanz.
Tobias Geike auf dem Rad und im Laufschritt. Der 21-jährige Lausitzer ist ein hochtalentierter Triathlet. Im Juli startet er bei der „Challenge Roth“, dem berühmten Triathlon-Wettkampf über die Langdistanz. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Der Forster Triathlet Tobias Geike will eines Tages beim Ironman auf Hawaii starten. Ganz wichtig ist für ihn Mutti Peggy. Von Thoralf Haß

Sie gehören zu den ausdauerndsten Sportlern und küren jedes Jahr auf Hawaii ihren Besten – Triathleten auf der Ironman-Distanz. Zwischen dem Start und dem Ziel liegen 3,86 Kilometer Schwimmstrecke, 180 Kilometer Straße, die mit dem Rad zu absolvieren sind, und die Marathonstrecke von 42,195 Kilometern. Die Schnellsten schaffen diese Distanz in knapp acht Stunden.

Auch in Forst (Spree-Neiße-Kreis) gibt es ein paar Unentwegte, die auf solche Distanzen hinarbeiten. Einer von ihnen ist Tobias Geike vom LTSV Forst 1990. Der heute 21-Jährige war schon als kleiner Knirps sportlich sehr aktiv. Angefangen hatte er als Fußballer bei Süden Forst, machte bei der Forster Wasserwacht seinen Rettungsschwimmer und fing 2013 mit dem Laufsport an.

Der Forster Langstreckentag war sein erster richtiger Wettkampf. Im selben Jahr probierte er sich auch beim Forster Duathlon aus und fand Gefallen an dieser abwechslungsreichen Sportart. Da Duathlon und Triathlon nicht so grundverschieden sind, reizte Tobias Geike auch das. „Beim Triathlon haben die meisten Athleten beim Schwimmen ihr Manko. Da ich schon immer gerne ins Wasser gegangen bin und durch meine Erfahrungen bei der Wasserwacht erhoffte ich mir da einen Vorteil im Wettkampf“, verrät er.

An seinen ersten Triathlon, damals noch über die Sprint-Distanz – 0,5 km Schwimmen, 20 km Radfahren, 5 km Laufen – kann sich Tobias Geike noch gut erinnern. „Das war im August 2013 beim Werbellinsee-Triathlon bei Sturm und Regen.“

Die Zeit spielte für ihn damals keine Rolle, wichtig sei das Gesamterlebnis. Das ist auch heute noch so, nur die Strecken sind länger geworden. Nach zwei Jahren auf der Sprintdistanz wechselte Geike auf die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen).

Seine sportlichen Vorbilder kommen aus dem eigenen Land. Die deutschen Männer beherrschen seit Jahren die Szene. Jan Frodeno, Olympiasieger und Weltmeister, ist das große Vorbild von Tobias Geike.

Trainiert wird in den Sommermonaten fast täglich. Laufveranstaltungen in der Region nutzt der Forster gleichzeitig als Training, hinzu kommen etliche Kilometer Radtraining. Nur das Schwimmtraining ist momentan etwas schwierig, da die Forster Schwimmhalle umgebaut wird. Die Hallen in Cottbus oder Guben müssen deshalb herhalten.

Tobias Geike hat für jede Teildisziplin ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht: „Beim Schwimmen ist es vor allem kurz nach dem Start nur ein Gekloppe, da bekommt man sehr häufig die Arm- und Beinschläge seiner Konkurrenten ab. Auf dem Rad fühle ich mich am wohlsten, da kann man sich kurzzeitig mal erholen. Und das abschließende Laufen ist einfach nur noch eine Quälerei.“ Doch gerade die Vielseitigkeit sei das Schöne am Triathlonsport. „Man muss viel können und sehr ausdauernd sein. Eine gute Teil-Disziplin allein nutzt gar nichts.“

2018 wagte sich Tobias Geike auf  die halbe Ironman-Distanz. Bei der „Challenge Heilbronn“ kam er im ersten Drittel des Starterfeldes ins Ziel, wurde in seiner Altersklasse Achter. Noch erfolgreicher war er bei der Europameisterschaft „X-Terra“ in Zittau. Dieser Cross-Triathlon findet auf Wald- und Feldwegen statt, gefahren wird auf Mountainbikes. Geike lief bei seiner EM-Premiere auf Anhieb unter die Top Ten Europas in seiner Altersklasse und wurde zweitbester deutscher Teilnehmer seiner Altersklasse – sein bis dahin größter sportlicher Erfolg.

In diesem Jahr versucht sich Tobias Geike erstmals an der Königsdisziplin im Triathlon. Bei der „Challenge Roth“, dem nach Hawaii weltweit angesehensten Wettkampf über die Ironman-Distanz, will er am 7. Juli an den Start gehen. „Ich setze mir kein Ziel, von dem ich weiß, dass ich es ohnehin nicht schaffe. Deshalb wäre es für mich ein Erfolg, wenn ich die Strecken in Roth unter 12 Stunden absolvieren könnte“, blickt er voraus.

Große Unterstützung bekommt Tobias Geike von seiner Familie. Sein Opa Rüdiger begleitet ihn bei den Trainingskilometern. Auch auf seine Freundin Josefine kann sich der 21-Jährige verlassen, obwohl sie gerade vor wichtigen Wettkämpfen wegen des gestiegenen Trainingsumfangs oft zu kurz kommt. Und ohne seine Mutter Peggy Geike wäre wohl der eine oder andere Wettkampf schon vorbei, eher er überhaupt angefangen hat. „Ohne meine Mutti würde ich sogar die Anmeldungen vergessen, denn die Fristen verpenne ich meistens“, räumt er lächelnd ein.

Tobias Geike geht seinen Sport behutsam an. Ende 20, Anfang 30 sei das beste Alter für Höchstleistungen. Bis dahin will er sich sportlich weiterentwickeln. So stehen neben der „Challenge Roth“ in diesem Jahr noch der Berlin-Marathon, die Deutschen Meisterschaften im Cross-Triathlon in Zittau und die Panorama-Tour Sächsische Schweiz mit dem Drei-Etappen-Lauf auf der Wettkampfliste. Nicht zu vergessen die Landesmeisterschaft im Sprinttriathlon in Senftenberg, denn Tobias Geike ist amtierender Landesmeister.

Als sportliche Krönung will sich Tobias Geike in ungefähr zehn Jahren seinen ganz großen Traum erfüllen und dort antreten, wo die härtesten Triathleten an den Start gehen – auf Hawaii beim legendären und originalen Ironman. Die Grundlagen, um dort in der Ferne zu bestehen, werden jedoch in der heimatlichen Umgebung geschaffen.