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| 20:05 Uhr

Leichtathletik
Mit Schmerzen über die Ziellinie

 Der Hallenmeistertitel in Dortmund war im Februar 2018 der letzt große Erfolg von Thomas Schneider. Nun hat er die Laufschuhe an den Nagel gehängt.
Der Hallenmeistertitel in Dortmund war im Februar 2018 der letzt große Erfolg von Thomas Schneider. Nun hat er die Laufschuhe an den Nagel gehängt. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Cottbus/Magdeburg. Der Forster 400-Meter-Läufer Thomas Schneider beendet seine Karriere. Er sagt: „Der Körper sendet eindeutige Signale.“ Von Jan Lehmann

Da hängen sie also, die Laufschuhe an dem berühmten Nagel. Wenige Monate nach seinem 30. Geburtstag hat der  Forster 400-Meter-Läufer Thomas Schneider Schluss gemacht. Nach zwölf Jahren ist die Leichtathletik-Karriere des ehemaligen Schülers der Lausitzer Sportschule beendet. Schneider erklärt: „Der Körper hat eindeutige Signale gesendet.“ Der Forster geht mit Schmerzen über die Ziellinie seiner Laufbahn. In den vergangenen drei Jahren hatte der Olympia-Teilnehmer von 2012 immer wieder Verletzungssorgen. Anhaltende Probleme an der Achillessehne haben ihn nun zum Aufgeben gezwungen. „Ich musste mich entscheiden, ob ich auf Kosten der Gesundheit weiter mache. Oder ob ich später mit meinen Kids auch noch laufen gehen kann.“

Diese Kids sind nun die nächste Lebensaufgabe für Thomas Schneider. Seine Frau Isabel ist schwanger und der Forster verrät: „Wir erwarten im Mai unser Töchterchen und sind natürlich schon sehr aufgeregt.“ Das Paar lebt in Magdeburg, wo Schneider an der Otto- von-Guericke-Universität die letzten Seminare im Studiengang „Internationales Management“ belegt. „Wenn alles gut läuft, bin ich im Sommer fertig und kann dann schauen, wie es weitergeht.“ Als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr wird er auch nach der Karriere unterstützt, der Weg ins Berufsleben ist finanziell abgefedert.

 Es wird ein Mädchen. Thomas Schneider und seine Frau Isabel erwarten im Mai ihr erstes Kind.   Foto: privat
Es wird ein Mädchen. Thomas Schneider und seine Frau Isabel erwarten im Mai ihr erstes Kind.  Foto: privat FOTO: Thomas Schneider

Der Blick zurück fällt Schneider leicht. Er sagt: „Ich hatte eine schöne Karriere, auch wenn sicher nicht alles perfekt lief.“ Nach der Zeit beim LC Cottbus mit seinem langjährigen Trainer Jochen Wiedemann war er beim SC Potsdam, dem Dresdner SC, dem SC Magdeburg und zuletzt bei Bayer Leverkusen im Einsatz. Die Olympia-Teilnahme in London bezeichnet Thomas Schneider dabei als emotionalen Höhepunkt: „Dieses Erlebnis steht über allem.“ Doch er nimmt mehr mit als nur einige Medaillen und bunte Erinnerungen. Schneider sagt: „Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Ich musste mich durchbeißen, hatte Erfolge, aber auch Misserfolge. Der Leistungssport hat in mir Emotionen erweckt, die wohl einzigartig sind.“

Schneider kann sich gut vorstellen, seine Erfahrungen an jüngere Läufer weiterzugeben. Die B-Lizenz als Trainer hat er schon. Er gibt zu: „Früher habe ich immer gesagt, dass ich nach dem Karriere-Ende nichts mehr mit dem Sport zu tun haben will. Doch inzwischen ist das anders. Ich würde gern weiter irgendwie mit der Leichtathletik verbunden bleiben.“

Deshalb geht der 30-Jährige inzwischen wieder öfter in die Trainingshalle. „Anfangs wollte ich gar keinen Sport mehr machen, nur noch meine Ruhe haben. Doch mittlerweile trainiere ich wieder, aber nur noch die Sachen, die mir Spaß machen.“ Schneiders Plan: „Ich muss jetzt vernünftig abtrainieren und meinen Körper vom Leistungssport-Level auf Normalniveau runterfahren. Danach will ich dann nur fit bleiben.“ Klingt danach, dass die Laufschuhe am Nagel in Zukunft nicht viel Staub ansetzen werden.