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| 02:48 Uhr

Der "fliegende" Ex-Cottbuser

Granollers. Der Ex-Cottbuser Tobias Reichmann erlebt bei der Handball-WM in Spanien momentan sein erstes großes Turnier. Der 24-jährige Rechtsaußen von der HSG Wetzlar gehört zu den positiven Überraschungen im Team von Martin Heuberger. Schon beim LHC Cottbus war der sprunggewaltige Reichmann ein echter "Flieger". Aus Granollers berichtet Michael Wilkening

Der Blick ist starr nach vorne, die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet. Wenn vor den Spielen der Handball-Weltmeisterschaft beide Teams in der Halle Aufstellung nehmen und anschließend die Namen der Akteure verlesen werden, wippen die meisten Spieler nervös herum oder tänzeln auf und ab. Tobias Reichmann hingegen steht still da. Diese Art der Konzentration war bislang von Erfolg gekrönt.

Mit einem beeindruckenden Tor zum 21:14 gegen Montenegro im entscheidenden Gruppenspiel um den Einzug ins Achtelfinale zeigte Reichmann, warum ihn Heuberger mit zu diesem Turnier nahm. Allein die Geschwindigkeit und die Sprungkraft, die diesen Treffer ermöglichten, verdeutlichen das Potenzial des Rechtsaußen. In der Szene wird er wegen dieser Fähigkeiten "der Flieger" genannt. Im Augenblick bildet Reichmann gemeinsam mit seinem Wetzlarer Teamkollegen Kevin Schmidt die "zweite" Flügelzange hinter Patrick Groetz ki und Dominik Klein.

Mit seiner Rolle als Nummer zwei hinter Groetzki kann sich der WM-Neuling gut arrangieren. "Das ist kein Problem", sagt der Linkshänder, der kein Mann großer Worte ist. "Ich bin überrascht, wie viele Spielanteile ich bislang bekommen habe", sagt Reichmann, der dem Achtelfinale entgegenfiebert. "Wenn wir unsere Leistung weiter stabilisieren, muss da noch nicht Schluss sein", sagt er selbstbewusst.

Noch Kontakte in die Lausitz

Bis Reichmann den Sprung in die Nationalmannschaft und jetzt zum Turnier der Weltbesten geschafft hat, musste er Umwege gehen. Nach vier Jahren beim LHC Cottbus - mit den einstigen Mitspielern Robert Michling und Martin Robert hat er immer noch Kontakt - wechselte das Talent 2008 zum SC Magdeburg und wollte ursprünglich bei den Börderländern den Sprung in die Bundesliga schaffen. Über Einsätze in der zweiten Mannschaft kam er beim SCM jedoch nicht hinaus, nicht zuletzt, weil ihm Verletzungen zu schaffen machten. "Das war damals einfach Pech", sagt Reichmann heute.

Überraschend zog er nach nur einem Jahr zum THW Kiel weiter, ausgerechnet zum Branchenprimus. "Ich würde rückblickend alles noch einmal so machen", ist Reichmann mit der Karriereplanung zufrieden, denn obwohl er in Kiel nicht regelmäßig zum Einsatz kam, entwickelte er sich permanent weiter, weil er im Trainingsbetrieb gegen die Besten der Welt gefordert wurde. Was in ihm steckt, beweist Reichmann schließlich in dieser Saison, seit er durch den Wechsel zur HSG Wetzlar ständig spielt.

"Tobias hat die Erwartungen hier in Spanien total erfüllt. Für uns kommt das nicht überraschend, denn wir wissen ja, welche Fähigkeiten er hat", lobt Bundestrainer Martin Heuberger den "fliegenden" Ex-Cottbuser, mit dem er in Zukunft noch viel vor hat. Tobias Reichmann ist bereit.

Zum Thema:
Die deutschen Handballer haben die Vorrunde bei der WM in Spanien mit einem Coup beendet. Im abschließenden Spiel der Gruppe A bezwang die Auswahl das DHB-Team am Freitagabend Titelverteidiger Frankreich mit 32:30 (16:16) und holte sich damit den Gruppensieg. Vor rund 11 500 Zuschauern im Palau Sant Jordi in Barcelona warf Patrick Groetzki mit sechs Treffern die meisten Tore für das Team von Bundestrainer Martin Heuberger. "Das war für uns ein weiterer Sieg in diesem Turnier, der für uns sehr schön ist, denn er war nicht unbedingt kalkulierbar. Deshalb freuen wir uns besonders, dass wir den Weltmeister und Olympiasieger geschlagen haben. Aber es war nur ein Sieg, und wir wollen am Sonntag erneut fighten und ins Viertelfinale einziehen", sagte der sichtlich stolze Bundestrainer. Im Achtelfinale trifft das Team am Sonntag in Barcelona auf Mazedonien.