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| 15:02 Uhr

Fussball und Rechtsextremismus
Der Fall Frahn: „Cottbus und Chemnitz haben sehr viel gemeinsam“

 Dem ehemaligen Cottbuser Daniel Frahn wird Nähe zu Rechten vorgeworfen Der Chemnitzer FC hat sich deswegen von ihm getrennt.
Dem ehemaligen Cottbuser Daniel Frahn wird Nähe zu Rechten vorgeworfen Der Chemnitzer FC hat sich deswegen von ihm getrennt. FOTO: dpa / Robert Michael
Berlin. Die Umstände der Entlassung des Chemnitzer Kapitäns zeigen: Der Einfluss extremer Gruppierungen ist in manchen Fußballvereinen beträchtlich.

Fußball gucken und nett plaudern mit Rechten: Der Fall Daniel Frahn zeigt, wie weit der Einfluss extrem rechter Hooligans in ostdeutschen Vereinen reichen kann. Frahn, bis Montag Kapitän des Drittligisten Chemnitzer FC, ist seinen Job los, weil er seine Mannschaft im Block zusammen mit als rechts eingestuften Gruppen anfeuerte. Dass jene die Macht in den Fan-Kurven vieler Fußball-Klubs haben, ist nicht neu.

Der CFC positionierte sich klar, nachdem der verletzte Frahn am vergangenen Samstag in Halle die 1:3-Niederlage seiner Mannschaft laut im Fanblock des Auswärtsteams verfolgt hatte. Laut Verein habe er sich dadurch als „großer Sympathisant der rechtsradikalen und menschenverachtenden Gruppierung ‚Kaotic Chemnitz‘ herausgestellt.“ Eine Einordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) steht noch aus. „Eine angemessene und fundierte Beurteilung ist deshalb aktuell unmöglich, da uns Details zu den Hintergründen fehlen“, hieß es auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID).

Frahn nicht das erste Mal aufgefallen

Schon beim Skandalspiel in der Regionalliga am 9. März dieses Jahres gegen VSG Altglienicke (4:4) hatte Frahn nach einem Treffer ein schwarzes T-Shirt mit der weißen Aufschrift „Support your local Hools“ (Unterstütze deine lokalen Hooligans) hochgehalten. Damals wurde er gesperrt und zu einer Geldstrafe verurteilt, der Verein begnadigte ihn aber. „Ich fand es damals schon unglaubwürdig, dass er behauptet hat, nicht zu wissen aus welcher Ecke dieses T-Shirt kam“, sagte Fanforscher Robert Claus dem SID: „Das Verhalten des Vereins finde ich an der Stelle konsequent.“

So richtig ernst macht Chemnitz aber auch erst seit besagtem Vorfall im März, als die Hooligan-Gruppen zudem eine Gedenkveranstaltung für den verstorbenen und mutmaßlich rechtsradikalen Chemnitz-Fan Thomas H. abhielten.

Ähnliche Problem in Cottbus

Ähnliche Probleme mit den Fans gibt es auch beim Regionalligisten Energie Cottbus. Dort war die Gruppierung „Inferno Cottbus“ lange vorherrschend, ehe sie 2017 angeblich aufgelöst wurde. Die Netzwerke bestehen jedoch weiterhin, die handelnden Personen sind die gleichen.

„Cottbus und Chemnitz haben tatsächlich sehr viel gemeinsam. Dort ist das Problem der extrem Rechten im Fanblock schon besonders groß. An beiden Orten geben die extrem rechten Hooligans in der Fankurve den Ton an. Und an beiden Orten suchen die Vereine nach Lösungen. Und an beiden Orten gibt es nur sehr geringe Gegenwehr“, so Claus. Es gebe seiner Einschätzung nach zwar Initiativen wie „Energie-Fans gegen Nazis“ und in Chemnitz die „CFC-Fans gegen Rassismus“. Sie hätten jedoch „noch keine große Macht in der Szene“, so Claus.

Spieler treffen sich in der Freizeit mit Fans

Warum genau schaffen es Hooligans aber im Chemnitzer Beispiel, bis in die Mannschaft zu wirken? „Man muss verstehen, dass diese Gruppen das Gewalt- und somit auch das Machtmonopol in der Chemnitzer Fanszene haben, was weit über das Stadion hinaus reicht“, sagte Claus. Die Spieler treffen sich also auch in der Freizeit mit Vertretern der Fans. „Dort werden Kontakte geknüpft“, so Claus: „Insofern ist der rechte und gewalttätige Teil der Fans durchaus fähig, Netzwerke aufzubauen und Dinge durchzusetzen.“

Fanszenen sehr heterogen

Der Forscher betont jedoch auch, dass die Fanszenen im Osten sehr heterogen seien. Der SV Babelsberg und Chemie Leipzig stünden eher links, während andere Traditionsvereine wie Hansa Rostock, der 1. FC Magdeburg, der Hallesche FC, Lok Leipzig oder Dynamo Dresden komplexer aufgestellt seien. „An all diesen Orten gibt es sowohl rechte Hooligans als auch Initiativen und Fans, die sich gegen Rassismus engagieren. Die sind meistens sehr klein und werden auch bedroht, aber es gibt sie“, sagte Claus. Es bleibt also ein Kampf, der nicht mit dem „Fall Frahn“ beendet sein wird.

(SID)