ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:35 Uhr

Der Cottbuser erzählt über sein Tour-Abenteuer
Erst Panik, dann Freude bei Roger Kluge

 Roger Kluge (r.) genoss am Sonntagabend die Ankunft auf der Champs Elyssee.
Roger Kluge (r.) genoss am Sonntagabend die Ankunft auf der Champs Elyssee. FOTO: dpa / Yorick Jansens
Cottbus/Paris. Roger Kluge von Endspurt Cottbus hat zum zweiten Mal die Tour de France beendet - kurz vor Schluss kam allerdings Panik auf. Am Ende freut er sich jedoch über die Erfolge mit seinem Team Lotto Soudal. Von Thomas Juschus

Der letzte Tag der 106. Tour de France war für Radprofi Roger Kluge und seine Kollegen noch einmal sehr lang, intensiv, aber auch erfolgreich. Die Schluss­etappe über 128 Kilometer von Rambouillet nach Paris gewann – auch dank der Unterstützung von Kluge – der Australier Caleb Ewan vor dem ­Niederländer Dylan Groenewegen und dem Italiener Niccolo Bonifazio.

Zwar ging es am Sonntag nicht mehr die steilen Rampen in den ­Alpen hinauf, dafür standen für den gebürtigen Eisenhüttenstädter und die verbliebenen 155 Fahrer im Peleton vor der letzten Etappe erst einmal Reisestrapazen auf dem Programm. Mit dem Bus ging es zwei Stunden zum Flughafen Chambéry-Savoie, dann 70 Minuten per Flieger nach Paris, von dort wieder reichlich eine Stunde lang mit dem Bus zum Startort Rambouillet, wo Kluge und Co. am frühen Sonntagabend die letzten 127 Kilometer vor dem Finish auf der Champs Elyssee in Angriff nahmen.

„Man sieht es mir gerade nicht an, aber ich bin echt froh, dabei zu sein“, sagte Kluge auf der Busfahrt. Nach einer starken Frankreich-Rundfahrt war es ausgerechnet auf dem verkürzten vorletzten Teilstück am Samstag hinauf nach Val Thorens für den 33-Jährigen knapp geworden. Noch hinter dem Gruppetto erreichte er kurz vor dem Zeitlimit das Ziel auf fast 2400 Metern Höhe. „Es war echt knapp. Ich bin als Letzter gefahren, da hatte ich schon ein bisschen Panik. Die letzten 300 Meter hat mir André Greipel geholfen. Auf den letzten Metern hatte ich dann eine Riesenerleichterung und Freude, dass ich es irgendwie geschafft habe“, erklärte Kluge mit ruhiger Stimme.

 Zum zweiten Mal nach 2014 – 2010 stoppte ihn ein Kahnbeinbruch – rollte Kluge damit nach 21 Etappen am Abend über die Pariser Prachtstraße und durfte sich und mit seinem belgischen Team Lotto Soudal feiern. Thomas de Gendt (8. Etappe) und dreimal Caleb Ewan (11., 16. und Schlussetappe) trugen sich in die Siegerliste ein. Vor allem an den Erfolgen des kleinen Australiers hatte der Brandenburger als Anfahrer in dessen Sprintzug großen Anteil. „Calebs erster Sieg war schon sehr emotional, ein sehr schöner Moment, zumal es kein gewöhnliches Finale war“, schaute Kluge zurück, „dieser Erfolg war seit letztem Jahr unser Ziel.“

 2018 fuhren Ewan und Kluge noch beim australischen Tour Mitchelton-Scott und mussten vor einem Jahr die Tour vor dem Fernseher ­verfolgen. Dann erfolgte der gemeinsame Wechsel zu Lotto Soudal – mit gemeinsamen Siegen beim Giro d’Italia und eben jetzt bei der Tour. „Mein Management und ich haben viel positives Feedback vom Team erhalten. Ich bin gesund und sturzfrei durch die drei Wochen gekommen. Mit Zimmerkollege Jens Keukeleire hat es auch gut harmoniert. Es war einfach eine Super-Tour für uns – und mit Sicherheit meine beste ,Grand Tour‘“, freute sich Kluge, der am Ziel von einem guten Freund empfangen wurde. Lebensgefährtin Judith und Tochter Jenna waren nach dem Besuch am zweiten Ruhetag in Nimes nicht erneut nach Frankreich gereist.

 Nach dem Rückflug am Montag nach Berlin ist Endspurt-Cottbus-Mitglied Kluge nur zwei Tage zu Hause. Bei den lukrativen Nach-Tour-Kriterien in Neuss (Mittwoch), Krefeld (Freitag) und Bochum (Sonntag) ist der Wahl-Berliner dabei. Ein Start bei den 133. deutschen Meisterschaften im Bahnradsport ab Mittwoch in Berlin war ohnehin nie geplant.

Trotzdem bleibt das Oval für den Doppel-Weltmeister im Madison natürlich ein Thema – und der starke Tour-Auftritt hat seinen Ambitionen mit Sicherheit keinen Abbruch getan. „Das Ziel waren Etappensiege für Caleb bei Giro und Tour. Das hat geklappt. Man steht gut da, wenn man seinen Job gemacht hat. Jetzt kann ich entspannt in die Zukunft blicken, und es lässt sich sicher auch noch leichter mit dem Team über meine Bahnambitionen sprechen“, sagt Kluge.

Denn mit Heim-WM Anfang 2020 in Berlin und den Olympischen Spielen in Tokio im nächsten Sommer warten auf den Bahn-Spezialisten zwei absolute Highlights.

Roger Kluge hat aber in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen, dass sich ­beides erfolgreich vereinen lässt.

 Bei den drei Etappensiegen von Caleb Ewan (r.) gehörte Roger Kluge im Sprint zu den ganz wichtigen Helfern.
Bei den drei Etappensiegen von Caleb Ewan (r.) gehörte Roger Kluge im Sprint zu den ganz wichtigen Helfern. FOTO: Augenklick / Roth/Augenklick