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| 09:53 Uhr

Fußball
Jetzt hat Liverpool den Sala(h)t

Der überragende Mohamed Salah erzielte zwei Treffer.
Der überragende Mohamed Salah erzielte zwei Treffer. FOTO: dpa / Rui Vieira
Cottbus. Bei seiner Vorstellung im Juli 2017 war er nur ein besserer Odonkor. Neun Monate später mischt Mo Salah mit dem FC Liverpool die Champions League auf. Und er ist ein ernstzunehmender Kandidat für die Wahl zum Weltfußballer - als Ägypter! Von Steven Wiesner

Man konnte es nicht wirklich kommen sehen. Man konnte ihn nicht wirklich kommen sehen. Mohamed Salah. Die Entwicklung des Ägypters ist eine der Unergründlichkeiten dieser Fußballsaison.

Als Jürgen Klopp den 25-Jährigen Flügelflitzer im Juli als seinen neuen Königstransfer für den FC Liverpool vorstellte, waren nur wenige begeistert rund um die Anfield Road. Mo Salah? Dieser Chancentod? Der beim FC Chelsea aussortiert wurde, um in der Serie A in Florenz und bei der Roma ordentliche, aber auch keine außergewöhnlichen Zahlen aufzulegen? Der soll jetzt für uns spielen? Und das lassen wir uns auch noch 40 Millionen Euro kosten? Ja, hat denn Klopp überhaupt keinen Ehrgeiz?

Zugegeben, Salah ist pfeilschnell, aber eben auch technisch unsauber und ohne Killerinstinkt. Ein besserer Odonkor. Und nach Sadio Mané wieder einer, der jeden zweiten Januar ausfällt, weil er für den Afrika-Cup abgestellt werden muss. So oder so ähnliche Umfragewerte hätte man vermutlich erhalten, wäre man vor der Saison auf Stimmenfang gegangen in Liverpool.

Doch jetzt haben sie den Sala(h)t! Neun Monate später sind Fragen und Zweifel Superlativen und eigens komponierten Mo-Salah-Songs gewichen. Warum, hat auch das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gezeigt, als der FC Liverpool den AS Rom mit 5:2 aus dem Stadion schoss. Angeführt von Salah, ohne den vier der fünf Treffer nicht zustande gekommen wären. Seit Asterix und Obelix hat keiner mehr eine römische Brigade so schön aufgemischt wie Mo Salah am Dienstagabend.

Das, was er da gerade hat und macht, ist keine Phase und auch kein bloßer Lauf mehr. Wer seit August beständig trifft, in der vermeintlich besten Liga der Welt und auch in der Champions League, hat sich das Gütesiegel „Weltklasse“ verdient. Mo Salah hat die Metamorphose vom Durchschnitts- zum Unterschiedsspieler vollzogen. Erst kürzlich ist er in England zum Spieler des Jahres gewählt worden. Nicht von Journalisten, nicht von Trainern und nicht von Fans – sondern von seinen Gegenspielern. Mehr Respektsbekundung geht nicht.

Nach 47 Pflichtspielen steht Salah nun bei 43 Toren. Zehn davon hat er in der Champions League erzielt, was vor ihm noch keinem Fußballer seines Kontinenten gelungen ist. Nicht mal Samuel Eto’o oder Didier Drogba. In England hat er vier Spieltage vor Schluss die 30-Tore-Marke geknackt, womit er sich neben Koryphäen wie Alan Shearer, Thierry Henry oder Cristiano Ronaldo aufreiht.

Und so ist Mo Salah nicht nur die beste Locke im Weltfußball seit Carlos Valderrama, sondern wider alle Erwartungen wohl auch das beste Transfergeschäft dieser Saison. Oder um es - leicht abgewandelt - mit einem Twitter-Tweet von Gianni Costa von der „Rheinischen Post“ zu sagen: „Macht Salah so weiter, darf er beim Ballon d’Or als Erster ans Büffet.“