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Der Aufsteiger- Macher

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Leipzig. Es wird ein Wiedersehens-Spiel – vor allem für Ralf Rangnick. Sein Wirken in Hoffenheim bleibt auch Jahre danach in Erinnerung. Bei RB Leipzig arbeitet er als Sportdirektor mit Akribie und großen Know-How womöglich an seinem vorläufigen Meisterwerk. Jens Marx und Ulrike John / dpa/noc

Ralf Rangnick ist der Mann für erfolgreiche Fußball-Projekte. Ein Aufsteiger-Macher und mehr als das. Ralf Rangnick hinterlässt langanhaltende Spuren. "Natürlich sind die Anfänge (unter ihm) hier noch zu spüren. Der Name wird hier nie gelöscht, dafür sind seine Verdienste zu groß", sagt Trainer Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim über den Sportdirektor von RB Leipzig. Von Mitte 2006 bis Anfang 2011 hatte Rangnick die Kraichgauer trainiert, sie von der Regionalliga in die Fußball-Bundesliga geführt und dort zum zwischenzeitlichen Tabellenführer gemacht.

Mit Leipzig stieg er letztlich auch ins Oberhaus auf. Er gilt als Garant des RB-Wegs, der nach jetzigem Stand geradewegs in die Champions League führen wird. An diesem Samstag (15.30 Uhr) kann RB den Vorsprung als Tabellenzweiter auf Hoffenheim mit einem Heimsieg auf elf Punkte ausbauen.

Alles beginnt mit dem SSV Ulm. 1998 steigt Rangnick mit dem Club in die 2. Liga auf, ehe er vorzeitig zum VfB Stuttgart wechselt, der SSV schafft es danach aber noch weiter in die Bundesliga. 2002 hievt Rangnick dann Hannover 96 ins deutsche Oberhaus. Über Schalke landet er in Hoffenheim. Wie auch schon bei seinen anderen Stationen setzt Rangnick auf sein modernes, schnelles und attraktives Spielsystem. Viererkette, Pressing. Er entwickelt es immer weiter.

In Leipzig heißt das: Gegenpressing, Balleroberung. Das geht nur mit den passenden Profis. Ein Marvin Compper, 31 Jahre alt, muss sich auch schon mal Fragen anhören, wie anstrengend diese Spielweise im "hohen Alter" sei.

Manndecker Compper kennt sie, er spielte in Hoffenheim auch schon unter Rangnick. Wie im Übrigen auch Mittelfeldmann und Allrounder Dominik Kaiser und Stürmer Davie Selke eine Hoffenheimer Vergangenheit haben - sie spielten allerdings nicht unter Rangnick in der ersten Mannschaft.

Aber auch im Betreuerstab ist die Hoffenheim-Historie gegenwärtig in Leipzig: Von Co-Trainer Zsolt Löw, der Profi im Kraichgau unter Rangnick war und früher für Energie Cottbus gespielt hat, bis zur Integrationsbeauftragten Raquel Rosa, die in Hoffenheim unter anderem als Dolmetscherin gearbeitet hatte. Hinzu kommen ein Sportwissenschaftler und zwei Athletik-Trainer. "Es sind ein paar Leute zu Leipzig gewechselt, ich möchte aber betonen, dass ich hier mit Leuten mit großer Expertise zusammenarbeite", sagt Nagelsmann.

1899 war Rangnicks erstes großes Projekt in einem Verein, hinter dem ein milliardensch werer Mäzen steht. Nach seinem zweiten Engagement bei Schalke und seiner Zwangspause wegen eines Burn-out-Syndroms Sieg er im Sommer 2012 dann wieder ins Fußball-Geschäft ein.

Nun also Leipzig. Rangnick plant langfristig. Junge Spieler, die er und Trainer Ralph Hasenhüttl ausbilden und formen können. Je früher sie den Hochgeschwindigkeitsfußball mit seinen taktischen Facetten verinnerlicht haben, umso besser. Die Verträge mit nahezu allen Spielern sind bis mindestes Mitte 2020 gültig. Wenn vorher doch mal einer gehen sollte, dürfte RB Leipzig dank Rangnick ordentlich Gewinn machen.