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Das wichtigste Knie von Krieschow

Wiedersehen mit dem Ex-Verein: Auch mit dick bandagiertem Knie ist Andy Hebler der Mittelpunkt im Spiel des VfB Krieschow.
Wiedersehen mit dem Ex-Verein: Auch mit dick bandagiertem Knie ist Andy Hebler der Mittelpunkt im Spiel des VfB Krieschow. FOTO: Marcel Ohnrich/moh1
Krieschow. Andy Hebler ist nicht nur für viele, viele Tore, sondern auch für Überraschungen gut. Und dabei macht der Topstürmer des VfB Krieschow selbst vor seinem eigenen Trainer nicht Halt. Frank Noack / Krieschow

Toni Lempke war nach eigenen Worten jedenfalls "extrem überrascht", dass Hebler im Testspiel gegen Energie Cottbus am Mittwoch (0:4) trotz einer Knieverletzung doch für den Oberliga-Aufsteiger auflaufen konnte. "Gegen Energie wollte er eben unbedingt spielen", schmunzelt Lempke.

Rückblende: Am Montag schien der Einsatz noch unmöglich zu sein. Immerhin hatte sich Hebler am vergangenen Wochenende im Testspiel gegen den FSV Brieske/Senftenberg das Knie verdreht. Am Mittwochvormittag machte der Torjäger dann jedoch einen Test auf der Laufstrecke und gab anschließend grünes Licht. Am Abend stand "Super-Andy Hebler", wie er vom Stadionsprecher angekündigt wurde, dann in der Tat mit dick bandagiertem Knie auf dem Rasen. "Klar war das ein ganz besonderes Spiel gegen den Ex Verein. Wenn wir nicht gegen Energie gespielt hätten, dann hätte ich vielleicht anders entschieden", gibt der 28-Jährige lächelnd zu.

Über die Stationen Blau-Weiß Straupitz und SV Werben landete Andy Hebler im Juli 1999 als Nachwuchsspieler beim FCE. Auch im Männerbereich trug er von 2009 bis 2012 sowie 2014/15 das rot-weiße Trikot. 2012/13 hatte er großen Anteil am Aufstieg von Holstein Kiel in die 3. Liga, obwohl ihn im März ein Kreuzbandriss stoppte. Am 13. Dezember 2014 feierte der Stürmer dann bei der 0:1-Nieder lage des FC Energie gegen Dynamo Dresden sein Drittliga- Debüt.

Die Torjäger-Qualitäten von Hebler waren bei all seinen Vereinsstationen unumstritten. Viele Experten sind ähnlich wie bei Torsten Mattuschka der Meinung, dass er sein Potenzial längst nicht ausgeschöpft hat. Andy Hebler trauert dieser Zeit trotzdem nicht hinterher. Das "Lotterleben als Fußballer", wie er es selbst nennt, sei für ihn definitiv beendet. "Es war eine schöne Zeit. Aber diese Zeit ist vorbei. Ich setze jetzt andere Prioritäten im Leben - und auch dieses Leben ist sehr schön."

Neben der Familie meint Hebler damit vor allem seinen Job im Tourismusbetrieb von Dirk Meier in der Spreewald-Gemeinde Burg, wo er unter anderem an der Rezeption steht oder Kahnfahrten für Urlauber organisiert.

Geblieben ist aber der Torhunger auf dem Rasen. Seit Januar 2016 hat er beim VfB Krieschow nicht nur eine neue sportliche Heimat gefunden, sondern den Verein in der zurückliegenden Spielzeit mit sage und schreibe 41 Treffern zum Aufstieg in die Oberliga Süd geschossen. Kein Wunder also, dass man in Krieschow ganz fest die Daumen drückt - und wahrscheinlich auch schon die eine oder andere Kerze angezündet hat -, dass das lädierte Knie hält. Trainer Toni Lempke weiß ganz genau, was die Mannschaft an ihrem Torjäger hat. "Sein Ausfall wäre eine Katastrophe für uns", meint der VfB-Coach mit Blick auf die aktuell noch laufenden Untersuchungen der Knieverletzung des Stürmers.

Andy Hebler selbst geht davon aus, dass er auch in den kommenden Wochen und Monaten das machen wird, was er am besten kann - Tore schießen. Wie viele Tore? "Natürlich wieder über 40", versprach der Stürmer den VfB-Fans nach dem Testspiel gegen Energie am Stadionmikrofon, um dann aber ernsthaft zu ergänzen: "Wenn es zweistellig wird, dann wäre das eine tolle Sache."

Denn Hebler ist realistisch genug, um zu wissen, welche große Aufgabe der Klassenerhalt für den Aufsteiger in der sechsthöchsten Spielklasse ist. Obwohl der Verein weiter in die Mannschaft und auch die Infrastruktur rund um den Sportpark investieren will, sei Krieschow halt "ein kleines Dorf", wie Hebler mit höchstem Respekt das gut 500 Einwohner zählende Örtchen in der Gemeinde Kolkwitz nennt. In der kommenden Saison geht es gegen Kontrahenten wie den VFC Plauen oder Carl Zeiss Jena II. "Da sind richtig erfahrene Jungs dabei", blickt Hebler voraus und ergänzt: "Wenn wir als kleines Krieschow den Klassenerhalt schaffen sollten, wäre das aus meiner Sicht höher einzustufen als der Aufstieg in der zurückliegenden Saison." Umso wichtiger ist es für den VfB, dass das wichtigste Knie von Krieschow stabil bleibt.

Andy Hebler trug im Nachwuchs sowie von 2009 bis 2012 und 2014/15 das Energie-Trikot.
Andy Hebler trug im Nachwuchs sowie von 2009 bis 2012 und 2014/15 das Energie-Trikot. FOTO: sBY1
2010 – Hebler spielt für die FCE-Amateure.
2010 – Hebler spielt für die FCE-Amateure. FOTO: ski1
2017 – Hebler und Krieschow steigen auf.
2017 – Hebler und Krieschow steigen auf. FOTO: FuPa