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| 02:42 Uhr

"Das Schlimmste, was mir je passiert ist"

Andrea Petkovic empfindet den Fehler des US-Verbandes als "absolute Unverschämtheit".
Andrea Petkovic empfindet den Fehler des US-Verbandes als "absolute Unverschämtheit". FOTO: dpa
Lahaina. Die deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic redet sich nach ihrem ersten Fed-Cup-Auftritt auf Hawaii in Rage. Enttäuscht über ihre Niederlage, vor allem aber entsetzt über den Eklat bei der Nationalhymne. Wolfgang Müller

Julia Görges schossen die Tränen in die Augen, Andrea Petkovic setzte zu einer emotionalen Wutrede an, und Bundestrainerin Barbara Rittner sprach von einem "Skandal". Noch Stunden nach dem peinlichen Nationalhymnen-Zwischenfall beim Fed-Cup-Gastspiel auf Hawaii debattierten die deutschen Tennis-Damen über den "traurigen und schockierenden Moment", wie es Teamchefin Rittner formulierte.

"Das ist mit Abstand das Schlimmste, was mir jemals passiert ist in meinem Leben", sagte Andrea Petkovic nach ihrer 6:7 (10:12), 2:6-Niederlage gegen Alison Riske. "Das war das absolut Letzte, das absolut Allerletzte."

Was Spielerinnen und Verantwortliche des DTB so dermaßen erzürnte, war eine nicht für möglich gehaltene Panne bei der ansonsten so feierlichen Eröffnungszeremonie. Der Solist auf dem Center Court in Lahaina schmetterte bei der Nationalhymne die erste Strophe des Deutschlandliedes, die mit den Worten "Deutschland, Deutschland über alles" beginnt - und die in der Zeit des Nationalsozialismus mit der heute verbotenen NS-Kampfhymne "Horst-Wessel-Lied" gesungen wurde. Wie es zu dem verhängnisvollen Fehler kommen konnte, war den Verantwortlichen des ausrichtenden amerikanischen Tennisverbandes zunächst unerklärlich. Zwar entschuldigten sich die Gastgeber sofort bei der Mannschaft, beim DTB und den wenigen deutschen Fans im Royal Lahaina Resort. Doch vor allem die politisch interessierte und hochemotionale Petkovic fand den Vorfall unverzeihlich. "Das war der Inbegriff der Ignoranz. Wir sind in 2017, wir sind im 21. Jahrhundert. Und dann kann und darf so etwas nicht mehr passieren", sagte Petkovic.

Einmal in Rage, fuhr die 29 Jahre alte Darmstädterin unmissverständlich fort: "Ich habe mich noch nie in meinem Leben so respektlos behandelt gefühlt. Wenn wir irgendwo in Timbuktu spielen oder weiß der Geier wo, okay, aber in Amerika? Im 21. Jahrhundert? Dass so etwas passiert, ist echt bezeichnend und eine absolute Unverschämtheit, eine Frechheit."

Wenige Sekunden nachdem er die Zuschauer mit den Worten "Bitte erheben Sie sich für die Nationalhymnen" zum Aufstehen aufgefordert hatte, begann der Solist zu singen. Nach den ersten vier Worten schauten sich Spielerinnen und Teambetreuer ungläubig an. Görges fing an zu weinen, Co-Trainer Dirk Dier schlug die Hände vors Gesicht. Team und Zuschauer stimmten "Einigkeit und Recht und Freiheit" an, was aber gegen die Lautsprecher-verstärkte Stimme keine Chance hatte.

Petkovic dachte daran, das Stadion zu verlassen. Rittner überlegte, dem Sänger das Mikrofon zu entreißen. "Ich konnte das nicht glauben", sagte die sichtlich mitgenommene Teamchefin später. "Ich hätte heulen können ..."

Peinlich berührt, verbreitete der US-Verband USTA eine Mitteilung: "Die USTA bietet dem deutschen Fed-Cup-Team und den Fans eine aufrichtige Entschuldigung an. Dieser Fehler wird nicht wieder vorkommen."