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Das Risiko rast mit durch die Kurve

Steffi Marth (31) lebt in Plessa im Elbe-Elster-Land – zumindest dann, wenn sie nicht mit ihrem Mountainbike die Welt bereist.
Steffi Marth (31) lebt in Plessa im Elbe-Elster-Land – zumindest dann, wenn sie nicht mit ihrem Mountainbike die Welt bereist. FOTO: Nathan Hughes
Plessa. Profi-Mountainbikerin Steffi Marth aus Plessa kämpft nach schwerer Handverletzung um ihr Comeback. Dafür nimmt sie sogar ein Ultimatum ihres Arztes in Kauf. Frank Noack

Die Wettkampfreise nach Kanada war bereits bis ins Detail geplant. Doch dann zerplatzte der Traum von Profi-Mountainbikerin Steffi Marth im Juli des vergangenen Jahres quasi an einem der letzten Hindernisse. Bei der deutschen Meisterschaft im Fourcross, einer speziellen Disziplin ihrer Sportart, stürzte die 31-Jährige aus Plessa und zog sich schwere Handverletzungen zu. Statt zwei Tage später nach Kanada zu fliegen, landete sie nach dem Sturz in Eisenhüttenstadt auf dem OP-Tisch in Frankfurt (Oder) - wegen "ein paar Millisekunden Unachtsamkeit".

Eine Verletzung, die Steffi Marth weit zurückgeworfen hat und mit der die ehemalige Schülerin der Lausitzer Sportschule immer noch kämpft. Ihr selbstkritischer Rückblick: "Zu meinem Beruf als Profi-Mountainbikerin gehört eine gut kalkulierbare Sturzgefahr, mit der ich mich seit vielen Jahren arrangiere. Nur, wenn sich die Unachtsamkeit einschleicht, wird es gefährlich. Ich lag in Führung, konnte die Ziellinie sehen und den Champagner riechen, als ich einen Moment unachtsam war."

Der ungebremste Aufprall auf dem Boden hat sie damals ziemlich durchgeschüttelt. Seit mittlerweile einem Dreivierteljahr arbeitet die Plessaerin an ihrem Comeback - mit teilweise unerwarteten Komplikationen. "Zwischenzeitlich sah es mal so aus, als sei ein Nerv in meiner Hand so schwer verletzt, dass er nicht wieder richtig heilen könne. Deshalb wurde ich im November noch mal in München operiert", blickt Steffi Marth zurück.

Während die Brüche im Oberarm und dem Kahnbein gut verheilten, wollte ein Knochen im Handgelenk einfach nicht zusammenwachsen. Entgegen des dringlichen Rates ihres Arztes und des Therapeuten fuhr sie in einer heiklen Heilungsphase im Februar zum Rennrad-Training nach La Palma und anschließend sogar schon wieder zum Mountainbiken nach Kalifornien.

In den USA hatte Steffi Marth ein spezielles Ultraschallgerät im Gepäck, welches die Knochenheilung stimulieren sollte. Außerdem gab ihr der Arzt vor der Abreise noch ein Ultimatum mit auf den Weg: Entweder der Knochen ist geheilt, wenn sie aus den USA zurückkehrt oder es muss bei einer erneuten Operation ein Stück vom Beckenknochen in das Handgelenk transplantiert werden.

"Sobald ich zurück auf meinen Fahrrädern war und dabei Fahrtwind und Sonne genießen konnte, ging es mir wesentlich besser", berichtet Marth. Trotzdem fuhr in den USA natürlich auch die große Sorge immer mit. Denn eine erneute Operation hätte sie vermutlich eine weitere Saison gekostet und einen noch komplizierteren Heilungsverlauf nach sich gezogen.

Umso größer war die Erleichterung, als sich Steffi Marth nach den Trainingswochen in den USA wieder in der Klinik in München vorstellte und die Untersuchungen ausgesprochen positiv verliefen. "Nun zeigt endlich alles auf Heilung und ich habe das Okay bekommen, wieder Vollgas zu geben", freut sich die Mountainbikerin aus dem Elbe-Elster-Land.

Die Saison 2017 ist schon durchgeplant. Marth: "Ich freue mich auf viele Reisen mit meinen Fahrrädern rund um den Globus. Ich werde vor allem in Europa viel unterwegs sein, meist im Alpenraum." Später im Sommer will sie dann endlich die große Kanada-Reise antreten. Für den Herbst ist ein Trip nach Utah in den USA geplant. Anschließend soll es noch mit dem Fahrrad über die hawaiianischen Vulkaninseln im Pazifik gehen oder vielleicht doch mit dem Auto durch Südamerika: "Ich genieße es so sehr, wieder Mountainbike fahren zu dürfen, dass ich am liebsten die ganze Welt bereisen und umarmen möchte", jubelt Steffi Marth.