| 18:45 Uhr

Auszeit
Niemals wieder „Turn-Oma“

RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann, Spartakiade-Sieger am Reck im Jahr 1987.
RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann, Spartakiade-Sieger am Reck im Jahr 1987. FOTO: Sebastian Schubert / LR
Cottbus. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann will Ausnahmesportlerin Oksana Chusovitina nie mehr „Turn-Oma“ nennen – aus gutem Grund. Von Jan Lehmann

Ich gebe es zu: Wenn ich über Oksana Chusovitina berichte, dann kommt mir manchmal der Begriff „Turn-Oma“ in den Sinn. Typischer Journalisten-Reflex, jeder bekommt einen möglichst einprägsamen Stempel. Doch ein kurzer Blick in meinen Personalausweis warnt mich: Diese Ausnahmesportlerin ist ja gar nicht so viel älter als ich. Und ich fühle mich schließlich auch keineswegs wie ein Sportreporter-Großvater, sondern manchmal eher wie ein jungblütiges Journalistentalent mit Luft nach oben.

Naja, die Wahrheit liegt wohl in der Mitte oder in Chusovi­tinas Fall auf dem Turnhallenboden.

Was die 42-Jährige dort fabriziert, ist einfach einzigartig. Und wenn ich das sage, dürfen Sie mir das ruhig glauben. Schließlich war ich 1987 im Altkreis Herzberg Spartakiade-Sieger am Reck. Meine Turnkarriere verlief danach zwar nicht ganz so raketenmäßig – nie passte der Begriff Rohrkrepierer besser – doch gerade deswegen nehme ich mir das Recht heraus, die Leistungen der „Grande Dame“ des Turnsports offen zu bewundern.

Und sollte mir jemals wieder das Wort „Turn-Oma“ herausrutschen, wird das mit zehn Hüftaufschwüngen am Reck bestraft. Na gut, mit einem. Mit Schaumgummi-Matte. Und ärztlicher Überwachung.