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"Das ist ein total beschissenes Gefühl"

Die Enttäuschung ist Patrick Wiencek ins Gesicht geschrieben.
Die Enttäuschung ist Patrick Wiencek ins Gesicht geschrieben. FOTO: dpa
Paris. Die WM-Pleite gegen Katar hinterlässt bei den deutschen Handballern eine tiefe Leere. Vize präsident Bob Hanning blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Bereits bei der EM 2018 will das Team unter einem neuen Bundestrainer wieder angreifen. Eric Dobias und Nils Bastek / dpa/noc

Schon im Morgengrauen verließen die stark frustrierten Bad Boys die Stätte ihres WM-Albtraums. Während die deutschen Handballer die unerwartet frühe Heimreise aus Paris antraten, plante DHB-Vizepräsident Bob Hanning bereits die Zukunft. "Der Verarbeitungsprozess ist zielorientiert in Gang gekommen. Auch wenn es verwundert - ich habe relativ gut geschlafen und bin gar nicht so unzufrieden", sagte Hanning am Montag.

Dringlichster Punkt auf seiner Agenda ist die Suche nach einem neuen Bundestrainer, der das Gold-Projekt für Olympia 2020 nach dem schmerzhaften Abschied von Dagur Sigurdsson fortführen soll. "Damit werden wir uns jetzt intensiver beschäftigen, nachdem die WM für uns gelaufen ist", meinte Hanning vor der Abreise. Trainer-Shootingstar Christian Prokop ist der erklärte Wunschkandidat des Verbandes, Weltmeister Markus Baur eine starke Alternative. Denn noch hat sich der DHB mit dem Bundesligisten SC DHfK Leipzig, wo Prokop bis 2021 unter Vertrag steht, nicht über die Höhe der Ablösesumme einigen können. "Wir sind noch in Verhandlungen, haben aber in dieser Angelegenheit eine Schmerzgrenze", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann jüngst in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Egal, wer den Zuschlag erhält: Der neue Mann soll den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und die DHB-Auswahl dauerhaft in der Weltspitze etablieren. "Wir müssen aus den jüngsten Erlebnissen lernen - dann werden wir sowohl bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio als auch bereits 2019 bei der gemeinsam mit Dänemark auszurichtenden Weltmeisterschaft erfolgreich sein. Davon bin ich überzeugt", sagte Hanning. Nächstes Ziel ist zuvor die erfolgreiche Titelverteidigung bei der EM 2018 in Kroatien.

Spätestens bis zum 1. Juli soll die Sigurdsson-Nachfolge geregelt sein. "Wir werden uns jetzt in aller Ruhe hinsetzen, wir haben keine Eile", sagte Hanning.

Den herben Rückschlag nahm er - zumindest äußerlich - relativ gelassen hin. "Ich habe immer gesagt, dass wir Zeit brauchen, etwas Großes aufzubauen. Dabei haben wir jetzt schon eine olympische Bronzemedaille und EM-Gold geholt. Von daher ist der Schnitt nicht so verkehrt", sagte er und verwies auf die Erfolge des Vorjahres.

Zunächst muss das junge Team aber erst einmal die Enttäuschung über das Aus im WM-Achtelfinale verarbeiten. Denn die 20:21-Pleite gegen Katar hinterließ bei den vor einem Jahr als Europameister gefeierten Bad Boys tiefe Spuren. "Ich bin gnadenlos enttäuscht. Wir hatten uns vorgenommen, Weltmeister zu werden", redete Torhüter Andreas Wolff Klartext.

Und Rückraumspieler Paul Drux beschrieb die Stimmungs lage mit drastischen Worten: "Das ist ein total beschissenes Gefühl."