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Das hässliche Gesicht des Fußballs

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Braunschweig. Mit einer Flasche Bier in der Hand machte Mario Gomez sich über die Hass-Tiraden der Braunschweiger Fans lustig. Im Mannschaftsbus tanzend, wiederholte der Wolfsburger Fußballprofi am frühen Dienstagmorgen die Schmähungen ("Hurensohn") und feierte ausgelassen den Klassenerhalt. Michael Rossmann

Unmittelbar nach der Rettung hatte Gomez mit ernsten Worten sein Unverständnis über das Verhalten ausgedrückt. Der 31-Jährige sagte: "Ich kann prinzipiell nichts mit dem Hass anfangen, der im Fußballstadion stattfindet." Er stellte das teils widerwärtige Verhalten in einen größeren Zusammenhang: "Vor ein paar Tagen ist in Manchester etwas Schreckliches passiert - und ein paar Tage danach verhalten wir uns selbst wie Affen. Das ist traurig."

Der Nationalspieler, spätestens nach dem umstrittenen Handelfmeter-Tor im Hinspiel die Reiz figur der Braunschweiger Fans, gab sich souverän: "Das macht gar nichts mit mir, es zählt allein das Geschehen auf dem Platz."

Es war mehr als eine Minderheit, die vor allem VfL-Stürmer Gomez immer wieder mit Hass-Sprüchen überzog. Immerhin einige hundert Fans stürmten hingegen nach dem Abpfiff den Platz. Die VfL-Profis flüchteten nach dem glücklichen Klassenverbleib vor der radikalen Gruppe von Eintracht-Fans, die wieder einmal das hässliche Gesicht des Fußballs zeigten. Braunschweigs Präsident Sebastian Ebel rang nach den Vorkommnissen um Fassung und um die richtigen Worte. Als "unglaubliche Sauerei" bezeichnete der Clubchef die Böller-Attacken am Ende der Pause und das Verhalten einiger Anhänger nach der Partie. Es sei "völlig inakzeptabel". Der DFB-Kontrollausschuss wird wegen der Vorfälle in Braunschweig Ermittlungen einleiten. Der Böllerwurf in Richtung eines Ordners habe in der Partie "zu einem Bruch geführt - wir haben das gegen Hannover erlebt, wir haben das hier erlebt", meinte Ebel. "Das ist sowas von bescheuert, gegen die eigene Mannschaft."

Wenige Minuten nach dem Vorfall hatte der Portugiese Vieirinha in der 49. Minute das entscheidende Tor zum 1:0 der Wolfsburger in Braunschweig erzielt. Nach der glücklichen Rettung im letzten Spiel des Tages steht der VfL vor einem Umbruch. Der mächtigste Mann der Volkswagen-Tochter kündigte wenig verklausuliert einschneidende Maßnahmen an. "Wir reden über die Sache und werden dann die nötigen Schritte einleiten", sagte Aufsichtsrats-Boss Francisco Javier Garcia Sanz. "Natürlich kann es so nicht weitergehen", sagte der VW-Manager und stellte die rhetorische Frage: "Oder meinen Sie, ich will jedes Jahr Relegation spielen?" Ob Gomez bleibt, ist offen. "Ich kann sagen, dass ich mich nach wie vor sehr wohl fühle in diesem Verein."

Zum Thema:
John Anthony Brooks soll nach Medien-Informationen von Hertha BSC zum VfL Wolfsburg wechseln. Wie "Bild/BZ" und der TV-Sender Sky am Dienstag mitteilten, soll die Ablösesumme für den Innenverteidiger bei 18 Millionen Euro liegen. Hertha BSC bestätigte die Meldung nicht. "Es ist nicht außergewöhnlich, dass jetzt die Zeit der Gerüchte beginnt", sagte Sprecher Max Jung auf Anfrage. Der Vertrag von Brooks in Berlin läuft bis 2019. Er wurde im Januar 2016 verlängert.