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Das einfache Spiel? Videobeweis rüttelt am Fußball

Die Videoreferees können die strittigen Szenen aus bis zu 34 verschiedenen Einstellungen checken.
Die Videoreferees können die strittigen Szenen aus bis zu 34 verschiedenen Einstellungen checken. FOTO: dpa
Moskau. Das Durcheinander bei den ersten Confed-Cup-Partien zeigt, dass der Weg zur erhofften totalen Gerechtigkeit sehr schwierig ist. Arne Richter, Sebastian Stiekel und Florian Lütticke

Gleich in den ersten Partien des Confederations Cups kommt die neue Videotechnik mehrfach zum Einsatz. Die Entscheidungen der Referees aus der Videobox erscheinen korrekt - und dennoch gibt es Diskussionen. Das sind die entscheidenden Fragen.

Wie funktioniert der Videobeweis beim Confederations Cup? Bei jedem Spiel verfolgen zwei Videoreferees und ein Linienrichter die Partie auf mehreren Bildschirmen. Trifft der Schiedsrichter bei spielentscheidenden Szenen eine aus ihrer Sicht falsche Entscheidung, kontaktieren sie ihn über Funk. Das Spiel wird unterbrochen und der Schiedsrichter zeichnet mit den Armen ein Viereck in die Luft: Das Symbol, dass der Videobeweis zum Einsatz kommt.

Muss der Schiedsrichter das Urteil der Videoreferees akzeptieren? Nein. Der Schiedsrichter kann es sofort annehmen oder sich die Szene auf einem Bildschirm am Spielfeldrand nochmals anschauen. Letztlich trifft er auf dem Platz dann die letzte Entscheidung.

Warum gibt es jetzt doch wieder Aufregung? Das Problem ist die technische Umsetzung. Tor oder kein Tor? Bis zur Antwort auf die Gretchenfrage des Fußballs verging in je zwei Fällen bei den Spielen Chile gegen Kamerun (2:0) und Portugal gegen Mexiko (2:2) sehr viel Zeit. 56 Sekunden, 2:09 Minuten, 1:08 Minuten, 1:05 Minuten - das ist für Fans wie Spieler zu lang. Das zweite Problem: Zuschauer im Stadion und am TV und auch Spieler wie Trainer fühlten sich schlecht informiert. Diese Komplikationen rütteln an dem Grundprinzip des Fußballs als einfachem Spiel.

Was sagt die Fifa zu den Problemen? Der Weltverband hatte vorab schon gewarnt. Das System sei noch in der Testphase. Hinter den Kulissen wurde nun schon eingeräumt: Die Präsentation der Abläufe für Fans im Stadion und im TV ist verbesserungswürdig.

Wie geht es weiter? Nach dem Confed Cup wird das System in einigen nationalen Ligen weiter getestet - auch in der Bundesliga! Die Ergebnisse werden dann vom International Football Association Board (IFAB) bewertet. Nur die Regelhüter des Fußballs können entscheiden, ob und in welcher Form der Videobeweis dauerhaft Einzug in den Profifußball hält.

Wird jetzt jeder Bundesliga-Spieltag von Video-Diskussionen begleitet? Die Deutsche Fußball Liga hatte sich freiwillig beim IFAB als Probe-Liga gemeldet. Interessant wird sein, ob die Liga aus den Problemen in Russland noch Konsequenzen zieht. Bislang ist nur ein Videoreferee pro Spiel vorgesehen, statt der drei beim Confed Cup. Diese Personalstärke wird von Insidern als kritisch bewertet. Dennoch sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken am Montag: "Wir fühlen uns gut gerüstet."

Wird das System auch bei der WM im kommenden Sommer eingesetzt? Fifa-Boss Gianni Infantino wünscht sich das. Die Entscheidung trifft aber auch hier das IFAB bei seiner Sitzung im März 2018. Frühestens dann könnte der Videoreferee in den Regelkatalog offiziell aufgenommen und für die WM verpflichtend gemacht werden.