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Cottbuser Martin will überraschen

Nach den verkorksten Olympischen Spielen in Rio ist Tony Martin zur alten Sitzposition zurückgekehrt – und wieder zuversichtlich.
Nach den verkorksten Olympischen Spielen in Rio ist Tony Martin zur alten Sitzposition zurückgekehrt – und wieder zuversichtlich. FOTO: dpa
Doha. Tony Martin hat vor der Straßenrad-WM in Doha nichts unversucht gelassen. Nach der Rio-Pleite ist der gebürtige Cottbuser zu seiner alten Sitzposition zurückgekehrt. Dazu hat er vor dem Heizlüfter Einheiten für Katar geschoben. Alles für das große Ziel: seinen vierten WM-Triumph. Stefan Tabeling

Für das luxuriöse Ambiente hat Tony Martin keinen Blick. Nicht für das mondäne Hotel Ritz Carlton, in dem die deutsche Mannschaft bei der Straßenrad-WM in Doha logiert. Und auch nicht für die beeindruckende Skyline von Doha. Martin ist vielmehr fokussiert. Der 31-Jährige hat wieder ehrgeizige Ziele, vornehmlich den vierten WM-Titel im Einzelzeitfahren am Mittwoch. Das will Martin zwar offensiv nicht äußern, aber für zweite oder dritte Plätze geht der gebürtige Cottbuser nicht an den Start.

Und die Zuversicht ist auch zurückgekehrt, erst recht nach dem Sieg im Mannschaftszeitfahren mit dem Etixx-Team. "Ich bin in einer Position, in der ich überraschen kann. Ich denke, ich bin in der Lage, vorn mitzufahren", sagt Martin. Vorbei sind offenbar die Zeiten des Grübelns, des Haderns, der Enttäuschung. Noch in Rio de Janeiro hatte er einen für ihn indiskutablen zwölften Platz belegt, mit 3:18 Minuten Rückstand auf Sieger Fabian Cancellara - Welten im Radsport.

Danach hat Martin eine Zäsur gemacht, seine Rennmaschine umgerüstet. Zurück zur alten Sitzposition, mit der er drei Titel eingefahren hatte. "Ich musste in Rio einsehen, dass das keine Position ist, auf der ich optimale Leistung bringen konnte."

Nun soll der lang ersehnte vierte Titel her, auch wenn Martin vor der Hitze in Doha großen Respekt hat. Zur besseren Akklimatisierung für die Rennen bei Temperaturen bis zu 40 Grad hatte der Wahl-Schweizer anderthalbstündige Spezialeinheiten mit dicken Trikots auf der Rolle vor dem Heizlüfter eingelegt. "Es sind viele Liter Schweiß geflossen. Bei der Ankunft in Doha hatte ich aber gemerkt, dass sich das gelohnt hat", erklärt der gebürtige Lausitzer.

Alpecin neu im Martin-Team

Der Rad-Sponsor Alpecin geht für zwei Jahre eine Partnerschaft mit Tony Martins russischem Rennstall Katuscha ein. In der Bielefelder Zentrale des Shampoo-Herstellers mit dem Werbespruch "Doping für die Haare" wurde die mit einer Millionenspritze verbundene Kooperation am Dienstag besiegelt. Katuscha-Alpecin fährt zukünftig unter Schweizer Lizenz, der Umfang der finanziellen Unterstützung wurde nicht beziffert.