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| 13:36 Uhr

Den Spaß am Laufen nicht verlieren
Der Kopf setzt die Grenzen des Machbaren

 Stephan Freigang ist 25 Jahre nach Bronze bei Olympia 1992 wieder Barcelona gelaufen.
Stephan Freigang ist 25 Jahre nach Bronze bei Olympia 1992 wieder Barcelona gelaufen. FOTO: privat
Cottbus. Extremsportlern zollt der Cottbuser Marathon-Mann Stephan Freigang Respekt. Doch wo bleibt der Spaß?

„Für meinen persönlichen Ausgleich muss ich nicht 100 Kilometer rennen“, hat Marathonmann Stephan Freigang aus Cottbus eine klare Linie für sich gezogen. „Ich habe aber größten Respekt vor den Leistungen der Ultraläufer.“ Für ihn setzt allein der Kopf die Grenzen des Machbaren.

Nur zu gut weiß der 51-Jährige Bronzemedaillengewinner bei Olympia 1992 in Barcelona, wie sich Langstreckler quälen müssen. Sein letzter Berlin-Marathon liegt noch gar nicht so lange zurück. Die von ihm Anfang der 1990er-Jahre in der Bundeshauptstadt gelaufenen Zeiten auf der halben und der vollen Marathondistanz gehören nach wie vor zu den besten, die jemals von einem Deutschen gelaufen worden sind. Eine physische Belastung über den Marathon hinaus ist seiner Ansicht nach „gesundheitlich nicht unbedingt förderlich“.

Stephan Freigang, Geschäftsführer der Coaching-Agentur SPORT-FREIgang in Cottbus, weiß, dass das Drücken auf die Bremse bei stark motivierten Freizeitläufern nicht unbedingt fruchtet: „Sie beginnen motiviert. Entwickeln sich gut und wollen schon bald längere Strecken laufen.“ Wie beim Abnehmen ohne Diät sei jedoch Geduld gefragt. Auf einen Halbmarathon sollten sich Anfänger bis zu ein Jahr lang vorbereiten, auf die 42,195 Kilometer etwa zwei Jahre. Und um auf einer Ultradistanz das Ziel zu erreichen, stecke hartes Training über Jahre. „Egal, was man betreibt, es sollte immer noch Spaß machen“, rät Stephan Freigang vor übertriebenem Ehrgeiz ab.

Nur einmal während seiner Karriere hat der in Hohenleipisch (Elbe-Elster) aufgewachsene Stephan Freigang die Marathondistanz sehr deutlich überschritten. Ende der 1990er-Jahre stand im damaligen Bundesleistungszentrum Kienbaum ein spezielles Training auf dem Programm: acht mal zehn Kilometer mit jeweils zehnminütigen Pausen. Noch Tage später habe er diese harte Einheit gespürt, aber auch eine besondere Erfahrung gemacht: den Flow. Manche sagen einfach auch Rausch dazu. Während der erschöpfte Körper nur noch vom „Geist“ angetrieben wird, stellt sich eine Art glückliches Unendlichkeitsgefühl ein. Vielleicht sei es das, was die Extremsportler jeglicher  Disziplin immer wieder antreibe, scheinbar Unmögliches zu vollbringen.

Stephan Freigang hat einmal einen dieser Überdistanzläufer betreut. „Für die ist ein Marathon lediglich eine Halbtagsveranstaltung.“ Der nach wie vor laufende Cottbuser bleibt dabei, wenn es um den Freizeitsport geht: „Länger als eine Stunde zu laufen, das hat keinen gesundheitlichen Effekt.“

(mf)