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Radsport
Levy jubelt, küsst und zögert

Glücksgefühle und Küsschen nach der zehnten WM-Medaille: Der Cottbuser Radsprinter Maximilian Levy mit seiner Ehefrau Madeleine und Tochter Tessa-Lynn.
Glücksgefühle und Küsschen nach der zehnten WM-Medaille: Der Cottbuser Radsprinter Maximilian Levy mit seiner Ehefrau Madeleine und Tochter Tessa-Lynn. FOTO: Thomas Juschus
Apeldoorn. Maximilian Levy hat den kriselnden deutschen Sprintern bei den Weltmeisterschaften in Apeldoorn mit Bronze die ersehnte Medaille gebracht. Der 30-Jährige soll und darf bis Tokio 2020 weitermachen, hält sich aber bedeckt. Von Thomas Juschus

Von Thomas Juschus

Maximiian Levy ist wieder da. Nach dem emotionalen EM-Titel im Oktober auf seiner Heimbahn in Berlin musste sich der Altmeister in seinem achten WM-Finale im Keirin nur dem Kolumbianer Fabian Puertas Zapata und dem Japaner Tomoyuki Kawabata beugen. „Ich bin natürlich unheimlich stolz, im hohen Rennfahreralter noch mal eine Medaille gewonnen zu haben. Es ist die schönste Bronze-Medaille meiner Karriere“, sagte Levy nach dem Erfolg.

Altmeister Maximilian Levy aus Cottbus musste sich in seinem achten WM-Finale im Keirin nur knapp geschlagen geben.
Altmeister Maximilian Levy aus Cottbus musste sich in seinem achten WM-Finale im Keirin nur knapp geschlagen geben. FOTO: (c) Arne Mill / Arne Mill

Seit 2006 fährt der 30-Jährige auf Spitzenniveau, gewann bei seiner 12. Elite-WM seine zehnte Medaille. Fast schon abgeschrieben, ist der Cottbuser nach den Rücktritten der vergangenen Monate von Max Niederlag (Chemnitz), Erik Balzer (Cottbus) und Tobias Wächter (Schwerin) wieder äußerst gefragt – und unterlegt das auch mit Leistung.

„Das letzte halbe Jahr war Max Levy so stabil wie lange nicht mehr“, lobte Detlef Uibel seinen Schützling und plant mit ihm bis Tokio 2020. Dafür will der Bundestrainer seinem Querdenker auch weiterhin Freiheiten zugestehen. „Die hat er schon seit er Familie hat, die bekommt er weiter – er missbraucht das nicht“, sagte Uibel.

Tomoyuki Kawabata (Japan, l.), Sieger Fabian Hernando Puertas Zapata (Kolumbien) und Maximilian Levy freuen sich über ihre Medaillen.
Tomoyuki Kawabata (Japan, l.), Sieger Fabian Hernando Puertas Zapata (Kolumbien) und Maximilian Levy freuen sich über ihre Medaillen. FOTO: Peter Dejong / dpa

Auch Ehefrau Madeleine, ehemalige Leistungssportlerin und Olympia-Teilnehmerin 2012 in London, hat ihrem Mann schon grünes Licht für die vierten Olympischen Spiele nach 2008, 2012 und 2016 (1 x Silber, 2x Bronze) gegeben. „Klar, manchmal nervt es mich schon, alleine zwei Kinder sowie Haus und Hof zu hüten. Aber Tokio kann er noch machen“, sagte Madeleine Levy.

Der „Altmeister“ wollte sich nach WM-Bronze von Apeldoorn nicht zu seinen Zukunftsplänen festlegen, genoss stattdessen den Moment. „Mein Blick ging nach dem EM-Titel allein auf den heutigen Tag. Das Pendel schlägt weder in die eine noch die andere Richtung. Jetzt in der Emotion etwas zu sagen, wäre falsch“, sagte Levy, der nach seinem folgenschweren Sturz bei der WM 2014 in Cali vor allem in der Familie aufgefangen wurde – und hier auch seine sportliche Zukunft entscheiden wird.

Doch zunächst feierte er seinen Medaillengewinn. „Das Turnier im Keirin hatte heute alles, was es braucht, um einer Weltmeisterschaft würdig zu sein“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Im Finale sei er „all-in“ gegangen, ohne Rücksicht auf Verluste. „Ich bin stolz auf die Fahrweise und megahappy, meine zehnte WM-Medaille mit nach Hause zu nehmen“, so der Cottbuser weiter. „Mal biste der Hund, mal biste der Baum, hab ich gestern gesagt.“