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Turnen
Cottbuser Hausmarke mit Zuckerhütchen

Der Auswärtssieg beim Vize-Meister TG Saar kam überraschend und sorgte für großen Cottbuser Jubel.
Der Auswärtssieg beim Vize-Meister TG Saar kam überraschend und sorgte für großen Cottbuser Jubel. FOTO: Eric Schön
Cottbus. Der SC Cottbus Turnen bekommt gegen Stuttgart wieder brasilianische Unterstützung. Das Finale ist zum Greifen nahe.

Seit sechs Jahren wartet man beim SC Cottbus darauf, endlich wieder am Finale der Deutschen Turnliga (DTL) teilnehmen zu dürfen. Klappt es dieses Mal? Am Samstag empfangen die Cottbuser den MTV Stuttgart (16 Uhr, Lausitz-Arena) zu ihrem dritten DTL-Wettkampf in diesem Jahr – und könnten ihren dritten Sieg landen. Nach dem Heimerfolg gegen KTT Heilbronn haben die Cottbuser auch noch Vize-Meister TG Saar bezwungen.

Der Rekordmeister hat eine lange Durststrecke hinter sich, in der man sich vor allem um den Klassenerhalt des Traditionsstandortes sorgen musste. Die Finalflaute hatte viele Gründe. Da beendete Philipp Boy überraschend früh seine Karriere, da hatte Christopher Jursch erhebliche Verletzungssorgen, da turnte Steve Woitalla plötzlich für die schwäbische Konkurrenz und im Nachwuchs gab es auch ein paar schwächere Jahrgänge.

Das Zauberwort im Cottbuser Turnen hieß deshalb: Geduld. Immer wieder betonte SCC-Präsident Arved Hartlich, dass die junge Riege, die in der RUNDSCHAU auch schon mal als „Kinderriegel“ bezeichnet wurde, einfach noch etwas Zeit brauche, um sich zu entwickeln.

In diesem Jahr könnte sich die Geduld endlich auszahlen. Das Finale der besten vier Teams im Dezember in Ludwigsburg ist damit zum Greifen nah. Karsten Oelsch, stützpunktleitender Trainer in Cottbus, erklärt: „In diesem Jahr passt bei uns einfach viel zusammen. Wir haben weniger Verletzungspech und die Jungs kommen im Training gut voran.“

Das stimmt: Leonard Prügel hat sich bestens entwickelt und war auch beim überraschenden Auswärtssieg im Saarland erneut bester Cottbuser Scorer. Sein Trainer Oleksandr Suprun ist sich sicher, dass Prügel in diesem Jahr auch die Qualifikation für den deutschen B-Kader schafft. Sogar eine EM- oder WM-Teilnahme hält er nicht für ausgeschlossen. Suprun berichtet: „Leonard Prügel hat richtig gut gearbeitet. Das ist ein sehr positiver und fleißiger Mann.“

Der ehemalige WM-Teilnehmer Christopher Jursch ist derweil auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Suprun berichtet: „Christopher hat in den vergangenen acht Monaten richtig gut und hart gearbeitet. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er gibt sich alle Mühe, seine Ziele zu erreichen.“

Dazu kommt Igor Radivilov, der ukrainische Weltklasse-Turner, der den SC Cottbus nun in guter lausitz-ukrainischer Tradition bereits im vierten Jahr unterstützt. Zudem können die Cottbuser Trainer auf Lucas Kochan, Devin Woitalla, Enrico Barowsky, Tom Schultze und Teamkapitän Lukas Gallay setzen – alles Eigengewächse aus der Lausitzer Sportschule. Das ist Turnen nach echter Cottbuser Hausmarke, keine andere Mannschaft in der Deutschen Turnliga hat auch nur ansatzweise so viele einheimische Sportler in ihren Reihen.

In der vergangenen Woche hat diese kräftige Cottbuser Hausmarke noch ein echtes Zuckerhütchen bekommen. Der überraschend verpflichtete Brasilianer Francisco Barretto Junior – Fünfter im olympischen Reckfinale von Rio 2016 – ist ein Hochkaräter für die Liga. Karsten Oelsch berichtet: „Unser Gaststarter Marios Georgiou musste überraschend mit Zyperns Nationalteam zu den Commonwealth Games nach Australien. Deshalb haben wir kurzfristig nach Ersatz gesucht.“ (siehe Infobox)

Diese Verpflichtung ist ein echter Coup. Viele andere Verbände wie beispielsweise die Schweiz lassen ihre Turner so gut wie nie in ausländischen Ligen turnen. Sie wollen sie konsequent auf die großen internationalen Wettkämpfe vorbereiten. Eine große Ausnahme ist der ukrainische Verband, der seinen Turnern freie Hand lässt. Das ist einer der Gründe, warum es in Cottbus mittlerweile eine gute ukrainische Tradition gibt.

Trotz der unerwarteten Verpflichtung von Barretto Junior will man in Cottbus diesen eingeschlagenen Weg nicht verlassen. Karsten Oelsch betont: „Wir setzen bei den Gaststartern weiter auf Beständigkeit. Am liebsten ist es uns, wenn sie mehrere Jahre in Cottbus turnen. Das ist gut fürs Mannschaftsgefüge.“

Am Samstag ist die Unterstützung von Francisco Barretto Junior im Heimkampf gegen den MTV Stuttgart aber sehr willkommen. Seit Langem gehen die Cottbuser sogar mal wieder als Favorit in das Duell der beiden großen deutschen Turnstützpunkte – mit einem Heimsieg könnten sie sich für ihre jahrelange Geduld belohnen.

Nachwuchs-Bundesliga: Bereits ab 11 Uhr turnen am Samstag in der Cottbuser Lausitz-Arena die größten deutschen Talente. Der SC Cottbus trägt den Auftaktwettkampf zur dritten Saison der Nachwuchs-Bundesliga aus. Cottbus hat bisher beide Titel gewonnen und ist somit auch in dieser Saison der Favorit.

Mit der Verpflichtung von Francisco Barretto Junior ist dem SC Cottbus Turnen ein echter Coup gelungen. Der Brasilianer stand 2016 im olympischen Reckfinale von Rio de Janeiro.
Mit der Verpflichtung von Francisco Barretto Junior ist dem SC Cottbus Turnen ein echter Coup gelungen. Der Brasilianer stand 2016 im olympischen Reckfinale von Rio de Janeiro. FOTO: Ruppenthal
Leonard Prügel (M.) ist derzeit der stärkste Cottbuser.
Leonard Prügel (M.) ist derzeit der stärkste Cottbuser. FOTO: Steffen Beyer
Eine Riege fürs Fotoalbum: Der SC Cottbus Turnen ist in diesem Jahr dank der Unterstützung von Francisco Barretto Junior (l.) wieder ein ernsthafter Anwärter fürs DTL-Finale.
Eine Riege fürs Fotoalbum: Der SC Cottbus Turnen ist in diesem Jahr dank der Unterstützung von Francisco Barretto Junior (l.) wieder ein ernsthafter Anwärter fürs DTL-Finale. FOTO: Rolf Ruppenthal