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| 02:46 Uhr

Cottbuser Freudenschreie

Das Leibchen musste wieder mal dran glauben: Zur Freude der Fotografen zerriss Robert Harting nach dem großen Coup sein Trikot.
Das Leibchen musste wieder mal dran glauben: Zur Freude der Fotografen zerriss Robert Harting nach dem großen Coup sein Trikot. FOTO: dpa
Moskau. Robert Harting ist zum dritten Mal hintereinander Weltmeister im Diskuswerfen. Der 28 Jahre alte Olympiasieger aus Cottbus setzte sich am Dienstagabend bei der Leichtathletik-WM in Moskau mit 69,11 Metern durch. Bejubelt wurde der Hüne aber nicht nur im Stadion, sondern auch in der Lausitz. Ulrike John / dpa/jam

Alle Kameras und Augen im Luschniki-Stadion waren auf Robert Harting gerichtet, da setzte der Diskus-Hüne sein breitestes Grinsen auf, tänzelte vor den Fotografen, griff an sein Trikot - und zerriss es mit einem Freudenbrüller. Mit seiner bekannten Jubelgeste feierte der 28 Jahre alte Berliner am Dienstagabend in Moskau sein drittes WM-Gold in Serie. Ein Jahr nach seinem Olympia-Triumph von London verteidigte Harting seine Vormachtstellung im Wurfring mit Schmerzen und guten Nerven.

Harting gelang seine Siegesweite im vierten Durchgang, als er die Scheibe auf 69,11 Meter hinausschleuderte. Sein größter Rivale Piotr Malachowski konnte nicht mehr kontern. Mit 68,36 Metern gewann der Pole Silber vor Gerd Kanter aus Estland (65,19). Martin Wierig (Magdeburg), der im Juni seinen großen deutschen Rivalen erstmals geschlagen hatte, fehlten als Vierter 17 Zentimeter zu Bronze.

"Jeder will sein Dorf verteidigen. Nur dass die Mistgabel bei uns der Diskus ist" - so hatte Harting seine Ausgangsposition als Europa- und Weltmeister und Olympiasieger erklärt. Nach 62,16 Metern im ersten schüchterte er die Konkurrenz im zweiten Versuch mit 68,13 ein.

Bei Hartings drittem Versuch stand seine Freundin und Diskus-Kollegin Julia Fischer auf der Tribüne erwartungsvoll auf - doch der Titelverteidiger setzte den Diskus ins Netz. Trainer Werner Goldmann berichtete plötzlich von "ziemlich massiven Rückenproblemen" seines Schützlings. Doch dann warf Harting 69,11 Meter und Goldmann jubelte: "Sensationell."

In Cottbus jubelten Freunde der Familie Harting mit. Beim Fanclub dabei war auch der zweijährige Mika aus Cottbus, der an einer seltenen Krankheit leidet und demnächst eine sehr teure Therapie bekommen soll, um seine Muskelkraft zu erhalten. Robert Harting selbst hat die Patenschaft für Mika übernommen und sich stark für Spendensammlungen engagiert.

In Moskau narrte Harting nach seinem Coup noch kurz die Fotografen und rannte jubelnd davon, während seiner Freundin im Publikum die Tränen kamen: Die sportliche Zerreißprobe hatte er bestanden, dann war - schöne Tradition - sein Hemd dran.

Kurz nach Hartings Triumph hat die Frankfurterin Claudia Rath am Dienstag die Bronzemedaille knapp verpasst. Mit 6462 Punkten landete sie auf Platz vier. Ihr fehlten damit nur 15 Punkte zu Rang drei.

Stabhochspringerin Silke Spiegelburg wurde ebenfalls nur Vierte. Genau wie 2012 bei den Olympischen Spielen und bei der EM in Helsinki verpasste die deutsche Rekordhalterin am Dienstagabend mit 4,75 Metern nur knapp eine Medaille. Die Russin Jelena Issinbajewa wurde im möglicherweise letzten Wettkampf ihrer Karriere vor heimischem Publikum zum dritten Mal Weltmeisterin.