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| 18:32 Uhr

Fechten
Cottbuser Fecht-Frischling erobert Europa

Angelina-Noelle Krause ist aktuell Dritte in der deutschen U 17-Rangliste der Florettfechter.
Angelina-Noelle Krause ist aktuell Dritte in der deutschen U 17-Rangliste der Florettfechter. FOTO: Jörg Stieren
Cottbus/Sotschi. Angelina-Noelle Krause vom FSC Cottbus schickt sich an, die internationale Florett-Szene aufzumischen. Bei der U 17-EM in Sotschi an diesem Wochenende startet sie als erste Fechterin aus Brandenburg seit dem Jahre 1992 – dabei ist die Schülerin erst 14 Jahre alt. Von Steven Wiesner

Stellen Sie sich vor, ein C-Jugend-Fußballer würde zwei Mannschaften überspringen, dort drei Jahre Ältere schwindelig spielen und zur Juniorennationalmannschaft bestellt werden. So ähnlich verlief das zurückliegende Dreivierteljahr für Fechterin Angelina-Noelle Krause vom FSC Cottbus, die letzten Sommer in den Bereich der unter 17-Jährigen aufgerückt ist und nun zur Europameisterschaft fährt. Als eine von vier Deutschen in ihrer Waffengattung. Mit 14 Jahren. Auch die Weltmeisterschaft im April in Verona scheint nicht unrealistisch. „Außergewöhnlich“, nennt es Kay Krause, der Vorsitzende vom Fechtsportclub und Vater der jungen Teenagerin. „Gleich im ersten Jahr zur EM zu dürfen, das ist der Punkt auf dem i.“

Man kann das sagen wie ein Elternteil, das sein Kind hochjubeln und ins Rampenlicht schubsen will. Und man kann es sagen wie Kay Krause. Nicht ohne Stolz, aber trotzdem angenehm unaufgeregt und distanziert. Er wirkt wie jemand, der seine Tochter genauso lieben würde, wenn sie bei einem Dorfturnier durch die Gegend stolpern und einen Treffer nach dem anderen kassieren würde.

Natürlich aber tut sie genau das nicht mehr. Ein EM-Ticket bekommt man nicht geschenkt. Es gilt, sich über diverse Wettkämpfe zu empfehlen und in der deutschen Rangliste zu positionieren. In den drei Klassen Degen, Säbel und Florett werden dann jeweils die vier besten Jungs und Mädchen zur Endrunde geschickt. Seit 1992 hat es kein Fechtkämpfer aus Brandenburg mehr in die Nähe dieser vorderen Plätze geschafft. Als Vizepräsident des Brandenburger Fechter-Bundes freut sich Kay Krause überdies darüber, dass diesmal mit Leonardo Pichler vom OSC Potsdam in der U 20 gleich noch ein zweites Talent aus Brandenburg die EM-Bühne betritt. „Das ist eine richtig coole Nummer.“

Von allen 24 deutschen Startern in der U 17 aber ist Angelina-Noelle die jüngste. Gleichzeitig ist die viermalige Landesmeisterin auch die erste Sportlerin in der Geschichte des FSC Cottbus, die sich für solche Weihen empfehlen konnte. „Und wir sind nur ein Breitensportverein ohne Sportschule und Training am Vormittag“, betont Kay Krause. „Das macht es noch viel erstaunlicher und zeigt, dass sie nicht durch Zufall dabei ist.“

In der Tat. Wahrscheinlich hat es eher mit Fleiß, Begabung und ein bisschen Familiengeschichte zu tun. Denn als Angelina-Noelle geboren wurde, war der Papa schon sechs Jahre „am Ruder“ des FSC, wie er sagt. „Seit sie drei ist, ist sie mit dabei in der Halle. Mit sieben hat sie begonnen, das Florett zu schwingen.“ Heute steht die Schülerin des Strittmatter-Gymnasiums Spremberg fünfmal pro Woche in der Übungshalle und arbeitet nicht nur an ihrer Technik, sondern auch an ihrer Fitness. Denn Fechten ist nicht nur ein bisschen Säbelrasseln und d’Artagnan spielen. Es ist ein hochkomplexer Sport, bei dem man den Gegner manipulieren und ihm Fallen stellen muss. Der einem keine Zeit zum Durchschnaufen gönnt und einen zum Verlierer macht, wenn man auch nur eine Sekunde unaufmerksam auf den Beinen steht. Hier gibt es keine Spielunterbrechung, wenn der Ball ins Aus rollt. Keine Pause, wenn der Schiedsrichter zum Bully pfeift. Und kein Verschnaufen, wenn der Trainer eine Auszeit nimmt. „Wer einmal gefochten hat“, sagt Kay Krause, „der weiß, wie lange und intensiv drei Minuten sein können.“

In Russland wird sich Angelina-Noelle nun ab Samstag mit Europas Nachwuchselite messen. „Ich will mein Bestes geben und gucken, was herauskommt“, sagt sie, wohlwissend um ihre Außenseiterrolle. „Wir vergleichen uns da mit Fechtnationen, die mehr Knowhow haben als wir“, sagt Kay Krause. In der Vergangenheit war dort kein Deutscher besser als Platz 33. „Trotzdem fährt sie da nicht hin, um sich verhauen zu lassen.“ So oder so ähnlich dürfte er vor einem Dreivierteljahr auch den Aufstieg in den U 17-Bereich kommentiert haben. Was dabei herauskam, ist bekannt.