| 09:11 Uhr

Turnen
Cottbus feiert Bretschneiders Rekord

Andreas Bretschneider sorgte mit seinem Rekord-Sieg für den umjubelten Abschluss des Turniers.
Andreas Bretschneider sorgte mit seinem Rekord-Sieg für den umjubelten Abschluss des Turniers. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Cottbus . Der vierte Reck-Sieg des Publikumslieblings krönt das 42. Turnier der Meister. Weltmeisterin Pauline Schäfer holt zwei Medaillen. Und auch sonst gab es viel Beifall in der doppelt ausverkauften Lausitz-Arena. Von Jan Lehmann

Steh! Die ganze Halle brüllte dieses Wort – und Andreas Bretschneider stand. Nach einer blitzsauberen Übung am Reck mit goldenem Abgang konnte der 28-Jährige jubeln und das Publikum in der ausverkauften Lausitz-Arena mit ihm. Als letzter Turner beim 42. Turnier der Meister krönte Bretschneider die Traditionsveranstaltung mit seinem Rekord-Sieg. 2013, 2014, 2016 und nun auch 2017  – Bretschneider ist der Reck-König von Cottbus. Vier Erfolge am Königsgerät hat noch keiner vor ihm in der Lausitz geschafft. Der ehemalige Cottbuser Bundesliga-Turner haderte kurz nach der Übung: „Der Sieg tut gut. Es wäre aber auch schön, wenn mir so ein Erfolg auch einmal bei den ganz großen Wettbewerben gelingen würde.“

Der ganz große Triumph war in diesem Jahr ja seiner Chemnitzer Lebensgefährtin Pauline Schäfer gelungen. Und die neue Schwebebalken-Weltmeisterin beendete ihr goldenes Jahr mit Silber und Bronze in Cottbus. Zweite am Balken und Dritte am Boden, die 20-Jährige zeigte sich zufrieden: „Das war ein schöner Abschluss für mich. Ich merke natürlich, dass die Erwartungshaltung an mich extrem gestiegen ist. Aber der Weltmeister-Titel hat für mich leider nichts geändert. Ich bin immer noch so aufgeregt, wenn ich ans Gerät gehe.“

Er ist der Reck-König von Cottbus: Publikumsliebling Andreas Bretschneider (M.) stand am Sonntag zum vierten Mal beim Turnier der Meister am Königsgerät ganz oben auf dem Podium.
Er ist der Reck-König von Cottbus: Publikumsliebling Andreas Bretschneider (M.) stand am Sonntag zum vierten Mal beim Turnier der Meister am Königsgerät ganz oben auf dem Podium. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Doch trotz der Aufregung lieferte sich die neue deutsche Turn-Heldin ein bemerkenswertes Duell mit Olympiasiegerin Sanne Wevers am Schwebebalken. Die deutsche Weltmeisterin zeigte ihren spektakulären „Schäfer-Salto“, die Niederländerin ihre hochklassigen Längsachsendrehungen. Wevers stürzte allerdings beim Abgang. Und weil auch Schäfer einige kleine Korrekturen in der Übung hatte, wurde sie letztlich Zweite hinter der erst 15-jährigen Überraschungssiegerin Cenyun Wang aus China. Kurz darauf holte Schäfer auch noch Bronze am Boden und sagte: „Ich bin froh, dass ich Ende des Jahres dann mal die Beine hochlegen kann. Die Kraft ist weg.“

Der Kraftakt in Cottbus gelang ihr mit Hilfe des Publikums. Das bedachte aber nicht nur die deutsche Weltmeisterin mit großem Applaus, sondern zeigte auch ein Herz für die internationalen Gäste. Beispielsweise für die Chinesen, die mit insgesamt acht Medaillen ordentlich abräumten. Die Organisatoren hätten also gar nicht die bunten Klatschpappen verteilen müssen, der Lautstärkepegel wäre auch so nicht von Pappe gewesen.

Balken-Weltmeisterin Pauline Schäfer überzeugte in Cottbus nicht nur an ihrem Paradegerät, sondern auch am Boden.
Balken-Weltmeisterin Pauline Schäfer überzeugte in Cottbus nicht nur an ihrem Paradegerät, sondern auch am Boden. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Die Lausitz-Arena war an beiden Tagen bis auf den letzten Platz ausverkauft – ein Erfolg für Turnier-Direktor Mirko Wohlfahrt und sein Team. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärt Cottbus sogar zur „Hauptstadt des Turnens“ und Arved Hartlich, Präsident des austragenden SC Cottbus, betonte: „Diese Kulisse ist Wahnsinn.“ Und auch Alfons Hölz, Präsident des Deutschen Turnerbundes (DTB), lobte die „Kessel-Atmosphäre in Cottbus“.

Und im Cottbuser Kessel gab es viel Buntes und auch eine weitere deutsches Goldmedaille. Nämlich für die Stuttgarterin Elisabeth Seitz, die am Samstag am Stufenbarren gewann. Sie berichtete: „Nach der WM war bei mir ein bisschen die Luft raus. Aber gerade  hier in Cottbus bei einem Weltcup starten zu dürfen, hat mir noch mal sehr viel Freude bereitet. Schon beim Einlaufen habe ich gemerkt: Die Zuschauer sind bei mir. Ein tolles Publikum.“

Elisabeth Seitz war am Samstag mit ihrem Sieg am Stufenbarren der Star.
Elisabeth Seitz war am Samstag mit ihrem Sieg am Stufenbarren der Star. FOTO: Frank Hammerschmidt

Großen Beifall bekam auch der Ukrainer Igor Radivilov, der am Samstag seinen Vorjahres-Titel an den Ringen verteidigte und am Sonntag beim Sprung Silber holte. Der 25-Jährige ist als Gaststarter des SC Cottbus in der Lausitz bestens bekannt. Seine Medaillen hatten also auch ein bisschen Lausitz-Aroma – und waren ein kleiner Lohn für die großen Einsatz der Gastgeber.

Genau wie der Rekord von Andreas Bretschneider. Der Reck-König fand nach seinem goldenen Abgang dann letztlich auch noch goldene Worte: „Dieser Rekord macht mich natürlich sehr glücklich, weil ich mit diesem Turnier in Cottbus sehr viel verbinde.“

Die Lausitz-Arena war an beiden Tagen ausverkauft. Ein voller Erfolg für die Organisatoren vom SC Cottbus.
Die Lausitz-Arena war an beiden Tagen ausverkauft. Ein voller Erfolg für die Organisatoren vom SC Cottbus. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank