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Turnen
Chusovitinas Dauerschleife: Immer wieder Cottbus

Die 42-jährige Oksana Chusovitina steht vor ihrem 18. Start beim Turnier der Meister in Cottbus.
Die 42-jährige Oksana Chusovitina steht vor ihrem 18. Start beim Turnier der Meister in Cottbus. FOTO: Tatyana Zenkovich / DPA
Cottbus. Oksana Chusovitina ist eine Ausnahme-Turnerin. Die 42-jährige Usbekin startet zum 18. Mal beim Turnier der Meister in Cottbus. Und alles ist denkbar, sogar die achte Olympia-Teilnahme in drei Jahren. Von Jan Lehmann und Frank Thomas

Als Oksana Chusovitina im Jahr 2013 zum Turnier der Meister nach Cottbus kam, beschrieb die RUNDSCHAU „die Rückkehr der leuchtenden Augen“ mit Bezug auf die besondere Ausstrahlung der legendären deutsch-usbekischen Turnerin. Ganz ehrlich, damals vermuteten wir, dass dies die Abschiedsvorstellung der damals 37-Jährigen sein würde. Die Olympischen Spiele in London waren Geschichte, Olympia in Rio noch viel zu weit weg. Alle wollten noch einmal die Ausnahmekönnerin sehen, wie sie zum letzten Mal ihren Chusovitina-Sprung in die Lausitzer Luft schraubt.

Nun, vier Jahre später, ist Oksana Chusovitina mit ihren leuchtenden Augen mal wieder zurück in Cottbus. Es wird ihre 18. Teilnahme beim Traditionsturnier in der Lausitz, das am Donnerstag mit den ersten Qualifikationswettkämpfen (ab 16.30 Uhr) beginnt. Chusovitina, die sich am Mittwoch beim Podiumstraining schon einmal den Kampfrichtern präsentieren sollte, startet an Boden, Sprung, Stufenbarren und Schwebebalken – also an allen vier Geräten. 1989 war sie als 13-Jährige bei ihrem ersten internationalen Wettkampf in Cottbus gestartet und hatte gleich Silber am Boden geholt. „Seitdem fahre ich sehr gern nach Cottbus. Es ist irgendwie immer so, als ob ich nach Hause komme. Hier fühle ich mich sehr wohl“, erklärte die siebenfache Olympia-Teilnehmerin, die seit Rio auch die älteste Turnerin der Olympia-Geschichte ist.

Warmturnen fürs Turnier der Meister FOTO: Frank Hammerschmidt

Alt? Ja. Altes Eisen? Wohl kaum. Chusovitina kommt gewiss nicht fürs Kaffeekränzchen in die Lausitz. Zuletzt erreichte sie bei der Turn-WM in Montreal im Sprung tatsächlich wieder das Finale - der eindeutige Beweis, dass das 43-Kilogramm-Leichtgewicht noch zur Weltspitze gehört.

Die Ausnahme-Athletin gehört seit Anfang der 1990er-Jahre zur Weltspitze im Turnsport.
Die Ausnahme-Athletin gehört seit Anfang der 1990er-Jahre zur Weltspitze im Turnsport. FOTO: imago sportfotodienst / Imago Sportdienstfoto GmBH

Die 42-Jährige lebt in Bergisch-Gladbach. Nach Deutschland hatte sie ihr Weg verschlagen, weil ihr damals dreijähriger Sohn Alisher 2002 an Leukämie erkrankt war. Viele deutsche Turnfreunde halfen, die kostenintensive, aber auch erfolgreiche Behandlung an der Kölner Universitäts-Klinik zu finanzieren. Mitte 2006 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft und verlegte ihren Lebensmittelpunkt endgültig an den Rhein und startete von 2006 bis 2012 auch fürs deutsche Nationalteam. Sie unterstützte den langfristigen Aufbau des Teams, der mit dem sensationellen WM-Gold von Pauline Schäfer in diesem Jahr sogar goldene Früchte getragen hat.

In Cottbus könnte Oksana Chusovitina nun selbst wieder Gold holen. Es wäre ihr 15. Titel beim Turnier der Meister. Und auch wenn die Frage nach der Turn-Rente tatsächlich im Raum steht, niemand kennt die Antwort darauf – wohl auch Oksana Chusovitina nicht. Selbst die achte Olympia-Teilnahme in drei Jahren in Tokio ist inzwischen denkbar. Die Frau, die von der deutschen Bundestrainerin Ulla Koch als „biologisches Wunder“ bezeichnet wird, hat sich aber zumindest schon einmal darauf festgelegt, dass ihre Karriere an einem Montag enden werde. Nur den Monat und das Jahr kenne sie noch nicht, so die 42-Jährige. Und ihre Augen leuchten dabei wie einst 1989, als sie zum ersten Mal in Cottbus angetreten war.

2016 erlebte Oksana Chusovitina in Rio de Janeiro ihre siebten Olympischen Spiele.
2016 erlebte Oksana Chusovitina in Rio de Janeiro ihre siebten Olympischen Spiele. FOTO: Lukas Schulze / DPA