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Champagner nach dem "schönsten Sieg"

Tränen des Glücks vergoss Marcel Kittel nach seinem Etappensieg am Sonntag. Es war der insgesamt zehnte Etappenerfolg des deutschen Topsprinters bei der Tour de France. Erik Zabel ist damit in Reichweite.
Tränen des Glücks vergoss Marcel Kittel nach seinem Etappensieg am Sonntag. Es war der insgesamt zehnte Etappenerfolg des deutschen Topsprinters bei der Tour de France. Erik Zabel ist damit in Reichweite. FOTO: dpa
Longwy. Marcel Kittel weinte vor Glück, und auch die Gastgeber waren überwältigt. "Le Kaiser" nannte ihn der Toursprecher, als der Erfurter Topsprinter nach seinem insgesamt zehnten Etappensieg bei der Tour de France die Bühne zur Siegerehrung in Lüttich hinaufstieg. Andreas Zellmer und Stefan Tabeling

Marcel Kittel weinte vor Glück, und auch die Gastgeber waren überwältigt. "Le Kaiser" nannte ihn der Toursprecher, als der Erfurter Topsprinter nach seinem insgesamt zehnten Etappensieg bei der Tour de France die Bühne zur Siegerehrung in Lüttich hinaufstieg. "L'Équipe" titelte am Montag: "Kittel hat Flügel."

"Das war der schönste meiner zehn Siege", sagte Kittel, der sich am Abend nach seinem außerordentlichen Triumph im Fahrerhotel "Chateau Les Thermes" als Kellner verdingte. Er servierte seinen Teamkollegen der belgischen Quick-Step-Mannschaft ein Gläschen Champagner.

Die kleine Feier dürfte bald ihre Fortsetzung finden, noch etwa acht Etappen entsprechen dem Anforderungsprofil für einen Massensprint. Kittels Explosivität im Schlusssprint in Lüttich verriet nämlich: In dieser Tour ist der Thüringer der stärkste Sprinter, auch ohne optimale Vorbereitung durch seine Mannschaftskameraden.

"Die Zeiten der Sprinter-Züge à la Cipollini sind ohnehin vorbei", meinte der Träger des Grünen Trikots und nahm Bezug auf vergangene Zeiten, in denen sich der italienische Topsprinter im Windschatten seines Teams zu den Siegen regelrecht tragen ließ.

So emotional hatte man Kittel, den blonden Hünen mit dem meist strahlenden Gesicht, selten erlebt. "Es war ein fantastischer Tag mit dem Start in Deutschland und den vielen Fans am Straßenrand. Diese Momente werde ich niemals vergessen. Mein Name wird mit dem Grand Départ in Deutschland für immer verbunden bleiben", sagte Kittel.

Vom gefeierten Tour-Helden im Jung-Siegfried-Look fiel am Sonntagabend ein großer Druck. Der 29-Jährige, einer der Anführer der Garde der neuen deutschen Radsportler, hatte dem Tour-Auftakt den Stempel aufgedrückt. Nachdem Tony Martin das Gelbe Trikot in Düsseldorf verpasst hatte, knüpfte Kittel an die Siegesserie der "Tour d'Allemagne" der Vorjahre an. Fortsetzung folgt womöglich.

Wahrscheinlich fahren Martin und Kittel als Erfolgsgespann im kommenden Jahr wieder in einem Team. "Das ist noch viel zu früh, darüber verschwenden wir keinen Gedanken", erklärte zwar Marcel Klöpping vom Bielefelder Sponsor Alpecin, dem Hauptgeldgeber in Martins Katusha-Team.

Kittel, dessen Vertrag bei Quick-Step zum Jahresende ausläuft, will seine Verhandlungen aber noch in der Tour abgeschlossen wissen. Seine Verhandlungsposition ist gut, vielleicht ist der Sprintstar nach der Tour deutscher Rekord-Etappensieger. Nach Sieg Nummer zehn fehlen nur noch zwei Erfolge bis zur Bestmarke von Erik Zabel.

Zum Thema:
Rad-Weltmeister Peter Sagan aus der Slowakei hat die dritte Etappe der 104. Tour de France gewonnen. Nach 212,5 Kilometern von Verviers nach Longwy setzte sich der Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe am Ende einer 1,6 Kilometer langen Bergwertung der dritten Kategorie durch. Lüttich-Sieger Marcel Kittel hatte am Montag erwartungsgemäß auf dem anspruchsvollen Schlussanstieg keine Chance. Die Gesamtführung verteidigte der Brite Geraint Thomas.