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BVB siegt nach dem Klopp-Schock

Drei Tore, drei Punkte: Jürgen Klopp ist mit seinem BVB erfolgreich in die Abschiedstournee gestartet.
Drei Tore, drei Punkte: Jürgen Klopp ist mit seinem BVB erfolgreich in die Abschiedstournee gestartet. FOTO: dpa
Düsseldorf. Bayern und Dortmund gewinnen trotz Unruhe, Rücktritten und Verletzungssorgen. Der scheidende BVB-Coach Klopp geht mit "Schutzpanzer" in die Restsaison. Hannover-Trainer Korkut steht stark unter Druck. Ulli Brünger

Das gebräuchlichste Wort am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga heißt: trotzdem! Borussia Dortmund holt trotz des emotionalen Abschieds-Szenarios um Trainer Jürgen Klopp beim 3:0 gegen den SC Paderborn drei wichtige Zähler. Trotz der Turbulenzen nach der bitteren 1:3-Pleite beim FC Porto und dem anschließenden Rücktritt von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sind die Münchner im nationalen Titelrennen nicht aufzuhalten. Und obwohl Hannover 96 im Jahr 2015 sieglos bleibt und dem Abstieg entgegentaumelt, soll Coach Tayfun Korkut eine weitere Chance erhalten.

"Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Trainer weitermachen", sagte Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner nach der 0:4-Lehrstunde beim Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen. Während die Werkself mit dem siebten Sieg in Serie den 14 Jahre alten Clubrekord in der Eliteklasse einstellte, ergriff Martin Kind schon 15 Minuten vor dem Abpfiff die Flucht aus der BayArena.

Trotz der in Hannover kursierenden Notfall-Szenarien gab sich der Trainer, der am Sonntag die obligatorische Einheit der Ersatzspieler leitete, kämpferisch: "Meine Aufgabe ist es nun, die Mannschaft wieder zusammenzufügen."

Zusammengeschweißt hat Klopp sein Team trotz des Wirbels um seinen Rückzug bereits. Nach Anlaufschwierigkeiten ließen die Dortmunder dem Abstiegskandidaten Paderborn in der zweiten Hälfte keine Chance. Klopp hat sich bis zum letzten Heimspiel gegen Bremen am 23. Mai einen "Schutzpanzer" verordnet. "Das will doch niemand sehen, wenn ein 47-Jahre alter Mann jede Woche wild flennend im TV rumsteht", meinte er im Sky-Interview zu seinem bemüht kühlen Auftritt nach dem verdienten 3:0-Heimerfolg.

Fast so emotional ging es beim 2:0 des verletzungsgeplagten Bundesliga-Spitzenreiters bei 1899 Hoffenheim zu. Der Sieg war nach der Porto-Pleite in der Champions League und der Demission des bei Spielern und Fans beliebten Kult-Doktors Müller-Wohlfahrt Balsam auf die Bayern-Seele. Entsprechend erleichtert über das Ergebnis war Pep Guardiola, der erstmals in seiner Amtszeit unangenehmen Gegenwind spürte und sich nach der Partie in der Kabine bei seinem Rest-Team bedankte. "Die Leute wissen nicht, wie schwer die Situation ist. Diese Monate werde ich in meinem Leben nie vergessen. Ich bin stolz auf diese Mannschaft", sagte der Trainer.

Ein Ende der störenden Diskussion um seine Zukunft beim VfB Stuttgart wünscht sich Huub Stevens bei seiner Rettungsmission. Zwar verlor sein Team beim FC Augsburg 1:2, trotzdem werteten die Schwaben die engagierte Vorstellung beim Europapokal-Aspiranten als Mutmacher: "Wenn eine Mannschaft so auftritt in einem Auswärtsspiel, dann muss das Vertrauen geben", sagte Stevens.

Der FSV Mainz 05 hat das Kellerduell beim SC Freiburg 3:2 (2:0) gewonnen und sich vorerst aus der Gefahrenzone verabschiedet. Drei Treffer bescherten den Gästen im Schwarzwald-Stadion den ersten Dreier nach zuvor drei Partien ohne Sieg. Der Sportclub dagegen hat weiterhin nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Torjubel gab es in Berlin nur über die Treffer auf den anderen Plätzen: Dank der Niederlagen von Hannover, Freiburg und Paderborn stehen Hertha BSC und der 1. FC Köln nach ihrem 0:0 kurz vor dem Klassenverbleib.

Indes konnte auch Bruno Labbadia den Niedergang des Hamburger SV nicht stoppen. Der nach fast fünf Jahren zurückgekehrte Coach verlor am Sonntag mit dem HSV das Nordderby bei Werder Bremen mit 0:1. Die Hamburger bleiben durch das misslungene Debüt des vierten Coaches in der Saison weiter Tabellenletzter, während die Bremer auf Platz sieben kletterten.

Zum Abschluss des Spieltages kam der VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 nicht über ein 1:1 hinaus. Lange Zeit sah es nach einer Niederlage für den Ligazweiten aus. Schalkes Leroy Sané brachte mit seinem Treffer in der 53. Minute die Gäste in Führung. Kevin De Bruyne gelang in der 78. Minute noch der Ausgleich.

Zum Thema:
Der FC Bayern wollte die unliebsame Diskussion um den Bruch mit Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt am liebsten ganz schnell beenden und wies jede Verantwortung von sich. "Keiner hat ihm die Schuld an der Niederlage in Porto gegeben", sagte Sportvorstand Matthias Sammer am Rande des 2:0-Sieges bei 1899 Hoffenheim dem TV-Sender "Sky" und erklärte das delikate Thema kurzerhand für beendet. "Für Bayern München ist es eine Stilfrage, in solchen Situationen die Dinge kurz und prägnant zu beantworten", erklärte er. Man müsse nicht zusätzlich versuchen, "Dinge zu interpretieren oder hochzuspielen. Es ist die Entscheidung von Müller-Wohlfahrt. Wir haben es zur Kenntnis genommen und es bedauert. Es ist alles dazu gesagt."