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BVB hat bei Bosz "ein gutes Gefühl"

Der Niederländer Peter Bosz (53) war zuletzt bei Ajax Amsterdam, von wo er im Unfrieden schied. Als Spieler stand er Ende der 90er-Jahre mal bei Hansa Rostock unter Vertrag.
Der Niederländer Peter Bosz (53) war zuletzt bei Ajax Amsterdam, von wo er im Unfrieden schied. Als Spieler stand er Ende der 90er-Jahre mal bei Hansa Rostock unter Vertrag. FOTO: dpa
Dortmund. Nach dem Rosenkrieg mit Tuchel soll der Niederländer Dortmund in ruhigere Zeiten führen. Pflegeleicht scheint er aber nicht zu sein. Heinz Büse

Bei Borussia Dortmund ist das Lächeln zurück. Nach dem schlagzeilenträchtigen Rosenkrieg mit Trainer Thomas Tuchel wirkten die Dortmunder Führungskräfte bei der Vorstellung von Nachfolger Peter Bosz wie von Lasten befreit. Der lockere und selbstbewusste Auftritt des Niederländers am Dienstag stimmte den zuletzt leidgeprüften Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zuversichtlich. "Bei ihm hatte ich von Beginn der Gespräche an ein sehr gutes Gefühl, dass etwas zusammenwachsen kann. Ich würde die Wahrscheinlichkeit als sehr hoch einschätzen", kommentierte Watzke voller Hoffnung auf ein harmonischeres Miteinander.

Nur eine Woche nach der krachenden Trennung von Tuchel präsentierte der BVB seinen neuen Trainer. Der 53 Jahre alte Bosz unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. Dem Vernehmen nach einigte sich dessen bisheriger Club Ajax Amsterdam mit dem BVB auf eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. "Ich bin stolz, dass ich für solch einen großen Verein arbeiten darf. Der BVB gehört in Europa zur Top 10", sagte Bosz. "Ich bin überzeugt, dass es der richtige Schritt für mich ist. Ich freue mich darauf - auch auf die legendäre gelbe Wand."

Bosz gilt als Talente-Förderer, Offensivfreund und Taktiktüftler. Diese Vorlieben kamen der BVB-Philosophie am nächsten. "Die Art und Weise, wie er seine Mannschaft spielen lässt, ist nicht komplett unähnlich von der, wie wir als Verein und die Fans das sehen wollen", befand Borussia-Sportdirektor Michael Zorc.

Wie seine Trainer-Vorbilder Johan Cruyff und Pep Guardiola bevorzugt der achtmalige holländische Nationalspieler Bosz eine schnelle, mutige Spielweise. Zudem bewies er Qualitäten im Umgang mit Jungprofis. So führte er den unerfahrenen Kader von Ajax, der ein Durchschnittsalter von lediglich 22,7 Jahren aufweist, in das Europa-League-Finale und in der Eredivisie auf Rang zwei.

Nach der langen und schlagzeilenträchtigen Fehde mit Tuchel, die trotz sportlicher Erfolge zur Trennung geführt hatte, sehnt sich der BVB nach mehr Ruhe. Doch auch Bosz gilt als eigensinniger Fußball-Lehrer. Nach niederländischen Medienberichten schied er im Unfrieden aus Amsterdam.

Hauptgrund für den vorzeitigen Abschied soll ein Konflikt im Trainerstab gewesen sein. Vor allem Assistent Dennis Bergkamp soll mit der Vision und Arbeitsweise von Bosz und seinem anderen Assistenten Hendrie Krüzen nicht einverstanden gewesen sein, berichtet die Fußballzeitschrift "Voetbal International". Demnach habe Bosz das Angebot aus Dortmund ursprünglich nicht annehmen wollen. Doch die Amsterdamer Clubleitung unter Direktor Edwin van der Sar soll sich geweigert haben, sich im Assistenten-Streit eindeutig hinter Bosz zu stellen.

Bei seinem ersten Auftritt in Dortmund verspürte er wenig Lust, auf die jüngsten Schlagzeilen in Holland einzugehen: "Ich will jetzt nach vorne schauen und mich nicht mit dem beschäftigen, was hinter mir liegt."

Der neue Coach hat eine abwechslungsreiche Vita. So lief der EM-Teilnehmer von 1992 in seiner Heimat für Apeldoorn, Arnheim, Waalwijk, Breda und Feyenoord Rotterdam auf. In Frankreich spielte Bosz für Sporting Toulon, in Japan für JEF United Ichihara und in der Bundesliga für Hansa Rostock, wo er in der Rückrunde 1997/98 14 Mal zum Einsatz kam. Trainererfahrungen sammelte er bisher in Apeldoorn, Arnheim, De Graafschap, Almelo und Tel Aviv.

Eine konkrete Aussage über seine Saisonziele beim BVB ließ sich Bosz nicht entlocken: "Ich will den Menschen guten Fußball zeigen. Über alles Weitere werde ich mit den Herren Watzke und Zorc sprechen."

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Der Wechsel von Fußball-Profi Maximilian Philipp vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund ist Medienberichten zufolge perfekt. Der 23 Jahre alte Offensivspieler, der von 2011 bis 2012 bei Energie Cottbus spielte, unterschrieb nach Informationen der "Bild"-Zeitung einen Vertrag beim Revierclub. Über das Interesse des Bundesliga-Dritten an dem Angreifer war seit Tagen spekuliert worden. Im Raum steht eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro. Philipp hatte in der abgelaufenen Saison für Aufsteiger Freiburg in 25 Liga-Partien neun Tore erzielt und drei weitere vorbereitet. "Irgendwann, wenn ich mich selbst so weit sehe, würde ich den nächsten Schritt in Anspruch nehmen", hatte er zuletzt dem TV-Sender Sky Sport News HD gesagt.