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Paracycling
Schmidt will nicht „Vogel des Jahres“ sein

Bei der Sportgala in Potsdam wurde Renee Schmidt (r.) gemeinsam mit der Potsdamer Kanu-Trainerin Petra Welke als Brandenburgs Trainer des Jahres geehrt.
Bei der Sportgala in Potsdam wurde Renee Schmidt (r.) gemeinsam mit der Potsdamer Kanu-Trainerin Petra Welke als Brandenburgs Trainer des Jahres geehrt. FOTO: Winfried Mausolf
Potsdam. Der Cottbuser Paracycling-Trainer hofft, dass seine Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“ den Stützpunkt in der Lausitz stärkt.

Die Stimme stockt, die Tränen schimmern in den Augen – und alle im Publikum fühlen mit. Auch der Cottbuser Renee Schmidt musste tief durchatmen, als sein ehemaliger Schützling Maximilian Levy in der Potsdamer Metropolishalle auf der Bühne stand und bei der Wahl zu Brandenburgs Sportler des Jahres mit Rang zwei geehrt wurde. Schmidt verriet später, als der festliche Teil der Gala beendet wurde, an der Bar: „Ich finde das menschlich, ich bin auch so ein Typ. Bei Maximilians erstem WM-Titel kamen mir damals auch die Tränen.“

Das war 2004, dieses WM-Gold ist also inzwischen 13 Jahre her. Schmidt ist mit seinen 49 Jahren schon ein alter Hase im Trainergeschäft, hat schon einiges erlebt (siehe Info-Box). Deswegen konnte der gebürtige Salzwedeler womöglich auch die ganz großen Gefühlsregungen im Zaume halten, als er bei der Sportgala selbst auf die Bühne gebeten wurde. Brandenburgs Trainer des Jahres, diese Auszeichnung ist für den Coach der Para-Cycler beim Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein (BPRSV) Cottbus eine „Riesenehre“, wie er mit Stolz in der Stimme sagt.

Schmidt denkt in der Stunde des ganz persönlichen Erfolges aber auch an seine Kollegen: „Da gehören viel mehr dazu, die ähnlich wie ich am Stützpunkt in Cottbus sehr engagiert arbeiten. Das freut mich, dass ich stellvertretend für alle anderen auf der Bühne stehen konnte.“

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Schmidt nun im Parasport am Cottbuser Olympiastützpunkt, und das mit großen Erfolgen der BPRSV-Fahrer: Jana Majunke brachte beispielsweise 2016 von den Paralympics in Rio die Bronzemedaille mit, Kerstin Brachtendorf wurde in diesem Jahr Straßenweltmeisterin. Und dennoch müssen der Trainer und seine Schützlinge immer wieder um Aufmerksamkeit kämpfen. Schmidt berichtet: „Der Parasport ist ja nicht so medienwirksam, Man steckt dort aber auch sehr viel Fleiß und Herzblut rein. Da geht so eine Auszeichnung runter wie Öl und ist gleichzeitig wichtig für den Olympiastützpunkt sowie für den Standort Cottbus.“

Deswegen hoffe er auch, dass diese Auszeichnung eine nachhaltige Wirkung habe. Humorvoll erklärte er: „Für mich ist das eine sehr große Anerkennung für die vielen Jahre, die ich jetzt im Trainerberuf bin. Aber ich hoffe, dass das nicht so etwas wird wie der Baum des Jahres, der Vogel des Jahres. Dann klatschen wir alle mal, und dann ist es wieder vergessen.“

Doch wer einmal mit Renee Schmidt zu tun hatte, der vergisst ihn ohnehin nicht so schnell. Die Verbindung zu ehemaligen Schützlingen wie eben Maximilian Levy ist beispielsweise nie abgebrochen. Schmidt sagt: „Das ist mir sehr wichtig, das ist über viele Jahre gewachsen. Ich kenne den Max ja noch als Spargeltarzan.“

Diese Freundschaft wird gelebt, und so war später an der Bar der Potsdamer Metropolishalle auch noch zu erfahren, dass in diesem Jahr der Weihnachtsmann im Hause Levy für dessen beiden Töchter Tessa und Mila durchaus gewisse Ähnlichkeit mit Brandenburgs Trainer des Jahres haben könnte.

Mal sehen, wessen Augen dann feucht werden und wem die Stimme stockt.